Vision: Computer ersetzen Tiere

publiziert: Samstag, 10. Nov 2007 / 16:56 Uhr / aktualisiert: Samstag, 10. Nov 2007 / 17:19 Uhr

Basel - Angelo Vedani, Professor an der Universität Basel und Spezialist für Computer-Aided Drug Discovery (CAAD), hat mit seinem aktuellen Forschungsprojekt viel vor.

In den nächsten Jahren könnte es zu über 50 Mio. Tierversuchen kommen.
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Gemeinsam mit Kollegen arbeitet er an einem Verfahren, das es in Zukunft ermöglichen soll, toxologische Tests auch am Computer durchzuführen. «Wir können mit rein computergestützten Verfahren das toxische Potenzial von Arzneistoffen und Umweltchemikalien abschätzen», erklärt Vedani.

CADD kann aber nicht nur im Bereich dieser Toxtests eingesetzt werden, sondern auch in der Arzneimittelforschung. Dem Ziel der Vision einer Welt ohne Tierversuche würde man so einen wesentlichen Schritt näher kommen. Als vollständiger Ersatz wären die neuen Methoden trotz einiger Vorteile gegenüber herkömmlichen Verfahren aber nicht denkbar, so der Forscher.

Toxologische Tests dienen zur Messung der Schädlichkeit einer Substanz und sind gesetzlich für Chemikalien, Arzneimittel und Impfstoffe vorgeschrieben.

Reduktion versus Zunahme

«In den letzten 20 Jahren hat eine Reduktion der behördlich vorgeschriebenen Testversuche um zwei Drittel stattgefunden», schildert Franz P. Gruber, Herausgeber der Zeitschrift Altex und Experte für Alternativmethoden. Gleichzeitig sei allerdings auch eine erhebliche Zunahme von Tests in der medizinischen Grundlagenforschung zu beobachten gewesen. Das Resultat: die weltweite Anzahl der Tierversuche ist leicht gestiegen.

Ein Grund für den Anstieg könnte zumindest hierzulande auch in dem von der EU initiierten Chemikalientestprogramm REACH gesehen werden. Bei vielen Chemikalien, die vor 1981 auf den Markt gekommen sind, gibt es keine Daten zu eventuellen Gesundheits- oder Umweltrisiken.

«Viele der alten Prüfberichte werden bei den Herstellern unter Verschluss gehalten», erläutert Gruber. Da die Chemikalien ein Risiko für Mensch und Umwelt bergen, plant die EU diese in den nächsten Jahren neu zu testen.

«Würden im Rahmen des REACH-Programms keine alternativen Methoden zur Anwendung kommen, müssten wir mit über 50 Mio. Tierversuchen rechnen», so Gruber. Durch das Vorschalten der Alternativmethoden könne diese Zahl allerdings auf zwölf Mio. reduziert werden.

Hoffnung hat sich in Luft aufgelöst

Noch vor einigen Jahren setzten viele Forscher grosse Hoffnungen in Computermodelle. Man war der Meinung, dass es möglich sein sollte, Tierversuche am PC zu simulieren, anstatt sie am lebenden Objekt durchführen zu müssen.

Diese Hoffnung hat sich jedoch weitgehend in Luft aufgelöst. Zwar kann der routinemässige Einsatz von Computern heute die Anzahl der Tierversuche tatsächlich deutlich reduzieren, von einem vollständigen Ersatz ist man jedoch weit entfernt.

(dl/pte)

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