Umbau vorantreiben

ThyssenKrupp verkauft US-Stahlwerk und plant Kapitalerhöhung

publiziert: Freitag, 29. Nov 2013 / 23:45 Uhr / aktualisiert: Samstag, 30. Nov 2013 / 11:43 Uhr
ThyssenKrupp-Konzern verkauft nach langen Verhandlungen sein verlustreiches Stahlwerk im US-Bundesstaat Alabama. (Symbolbild)
ThyssenKrupp-Konzern verkauft nach langen Verhandlungen sein verlustreiches Stahlwerk im US-Bundesstaat Alabama. (Symbolbild)

Der angeschlagene deutsche Industriekonzern ThyssenKrupp will nach dem Verkauf eines verlustreichen Stahlwerks in den USA mit einer milliardenschweren Kapitalerhöhung seinen Umbau vorantreiben. Das Unternehmen plant eine Kapitalerhöhung von bis zu zehn Prozent.

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Das Bezugsrecht bisheriger Aktionäre soll dabei ausgeschlossen werden, wie der Konzern am Freitagabend mitgeteilt hatte. Der Verkauf der ThyssenKrupp-Edelstahltochter Inoxum an den finnischen Konkurrenten Outokumpu wird überraschend zum Teil rückabgewickelt, dies führt zu finanziellen Belastungen. ThyssenKrupp kappt zugleich alle Verbindungen zu Outokumpu.

An diesem Samstagmittag will Konzernchef Heinrich Hiesinger in Essen die Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr erläutern. Ursprünglich war dies für den kommenden Montag geplant.

Käufer des US-Stahlwerks ist für einen Preis von 1,55 Mrd. Dollar ein Konsortium aus den Stahlkonzernen ArcelorMittal und Nippon Steel, wie ArcelorMittal bereits mitgeteilt hatte. Die Transaktion sieht auch einen langfristigen Liefervertrag mit dem ThyssenKrupp-Stahlwerk in Brasilien vor.

Milliardengrab in Brasilien

Die Übersee-Stahlwerke von ThyssenKrupp in Brasilien und den USA hatten sich für den Konzern als Milliardengrab erwiesen. ThyssenKrupp hatte die gesamten Investitionskosten für die beiden Stahlwerke auf 12 Mrd. Euro beziffert. Sie haben grosse Teile des Eigenkapitals aufgezehrt.

ThyssenKrupp behält aber vorerst das ebenfalls zum Verkauf stehende Stahlwerk in Brasilien. Die dortige Produktion gilt als Hauptursache für die milliardenschweren Verluste. Aufgrund der Vereinbarung mit ArcelorMittal und Nippon sei das Werk in Brasilien allerdings verlässlich über mehrere Jahre zu mindestens 40 Prozent ausgelastet.

Konzernchef Hiesinger sprach von einer «tragfähigen Lösung». Mit dem Liefervertrag reduziere der Konzern sein Risiko und schaffe die Voraussetzung dafür, das Stahlwerk in Brasilien mittelfristig in die schwarzen Zahlen zu führen.

Neue Probleme brachte aber nun der Verkauf der Edelstahltochter Inoxum an den finnischen Konkurrenten Outokumpu vom vergangenen Jahr. Die Essener hatten damals dafür 1 Mrd. Euro in bar sowie 29,9 Prozent an dem finnischen Konzern erhalten. Zudem gewährten die Essener den Finnen einen Milliardenkredit.

Neuordnung

Nun aber kommt es vor dem Hintergrund von Auflagen der EU-Kommission zu einer Neuordnung. ThyssenKrupp nimmt das Edelstahlwerk im italienischen Terni und den profitablen Spezialhersteller VDM von Outokumpu zurück. Zugleich trennt sich ThyssenKrupp von dem 29,9 Prozent-Anteil an Outokumpu und beendet alle weiteren finanziellen Verbindungen zu Outokumpu.

Die Veräusserung der Anteile werde in Erwartung einer Kapitalerhöhung bei Outokumpu voraussichtlich zu einem «signifikanten Verlust» auf den bilanzierten Beteiligungsbuchwert von 305 Mio. Euro führen, hiess es.

Dem stünden Entlastungen aus dem Wegfall bilanzieller Risiken gegenüber. Mit den Schritten werde Outokumpu die Möglichkeit geboten, Auflagen der EU-Kommission aus der Inoxum-Transaktion «wertschonend» zu erfüllen, hiess es.

Verlust verringert

Zugleich gab ThyssenKrupp Zahlen für das Geschäftsjahr 2012/2013 (30.9.) bekannt. Der Nettoverlust lag bei 1,5 Mrd. Euro. Das Geschäftsjahr davor hatte der Industriekonzern aber noch mit einem Rekordverlust von rund 5 Mrd. Euro abgeschlossen.

Eine Dividende soll aber erneut nicht gezahlt werden. Die Schulden reduzierte der Konzern von 5,8 Mrd. auf 5 Mrd. Euro.

ThyssenKrupp sei auf dem Weg zu einem diversifizierten Industriekonzern «entscheidende Schritte» vorangekommen, hiess es. Hiesinger sagte laut Mitteilung, der Transformationsprozess von ThyssenKrupp werde noch einige Zeit in Anspruch nehmen. «Wir brauchen dafür einen langen Atem.»

(tafi/sda)

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