SMI: Grösster Tagesverlust seit 19 Jahren

publiziert: Freitag, 10. Okt 2008 / 18:43 Uhr / aktualisiert: Freitag, 10. Okt 2008 / 20:23 Uhr

Zürich - Die Schweizer Börse ist am Freitag im Einklang mit den andern Börsenplätzen abgestürzt. Der Leitindex SMI brach zeitweise 9,2 Prozent bis auf 5266 Punkte ein. Das war der tiefste Stand seit August 2004.

Die Aktien der Credit Suisse büssten 16 Prozent ein.
Die Aktien der Credit Suisse büssten 16 Prozent ein.
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Es handelte sich gleichzeitig um den grössten Tagesverlust seit 19 Jahren: Am 16. Oktober 1989 war der SMI um 10,5 Prozent abgesackt. Damals hatten Finanzierungsschwierigkeiten beim Kauf der US-Airline UAL einen Ausverkauf an der Wall Street ausgelöst.

Im späten Geschäft lösten sich die Kurse von den Tiefstwerten, als sich die US-Aktien von einer schwachen Eröffnung erholten und kurzzeitig sogar in die Gewinnzone vorstiessen.

Händler sprachen von einem sehr nervösen Geschäft, bei dem es zu panikartigen Verkaufswellen kam. Abgestossen wurden dabei Aktien aus allen Sektoren. Die Abgaben erstreckten sich aber zunehmend auch auf andere Anlageklassen wie Anleihen und Rohstoffe. Der SMI schloss 7,79 Prozent schwächer mit 5347,22 Punkten. Der breite SPI büsste 7,25 Prozent auf 4487,20 Zähler ein.

Bald Boden gefunden?

«Ein veritabler Schlussverkauf», sagte ein Händler und hoffte, dass dies nun der erwartete Ausverkauf gewesen ist, nach dem sich das Geschehen endlich beruhigen könne.

Dafür, dass der Boden bald gefunden sein könnte, spricht laut Händlern, dass die Aktien - auch die defensiven und als sicher geltenden Pharmawerte Novartis und Roche sowie die Aktie des Nahrungsmittelriesen Nestlé - fast zu jeden Preis verkauft wurden.

Zu Verkäufen gezwungen

Manche institutionellen Anleger, die sich bisher noch zurückgehalten hatten, war unter diesen Umständen auch zu Verkäufen gezwungen. Das gilt nach Angaben eines Verbandssprechers aber nicht für Pensionskassen, selbst wenn sie im Einzelfall in Unterdeckung geraten sind.

Die Kassen sind auch in einem solchen Fall nicht verpflichtet, Aktien zu verkaufen. Sie begreifen sich als langfristige Investoren und wollen sich die Chance nicht verbauen, von einer langfristigen Erholung zu profitieren.

Nobel Biocare schockiert

Die grössten Einbussen verbuchten die Titel des Zahnimplantate-Herstellers Nobel Biocare. Das Unternehmen hatte am Vorabend eine weitere Gewinnwarnung ausgegeben.

Der Titel stürzte zeitweise 40 Prozent ab und lag zuletzt noch 26,3 Prozent tiefer bei 21.38 Franken. Konkurrent Straumann kam mit einem Minus von 9,6 Prozent etwas weniger stark unter die Räder.

CS weiter im freien Fall

Bei den Banken führte die Aktien der Credit Suisse die Verlierer an. Sie brachen 16,2 Prozent ein. Händler erwähnten grosse Verkäufe aus dem Ausland und über derivate Instrumente.

Zudem könnte der Titel auch noch unter Anschlussverkäufen leiden, nachdem es in einem Bericht der «Neuen Zürcher Zeitung» vom Donnerstag geheissen hatte, die Credit Suisse könnte das dritte Quartal mit einem Verlust abgeschlossen haben.

Dagegen habe sich die UBS mit einem Kursverlust von 8,2 Prozent «schon richtig gut gehalten», wie es ein Händler sagte.

Julius Bär, die zu Wochenbeginn unter die Räder geraten waren, lagan vorübergehend sogar im Plus. Die Aktien schlossen 2,6 Prozent tiefer. Händler sprachen von einem «Short Squeeze», der den Titel nach oben gezogen habe.

Auch die Versicherungen sackten kräftig ab. Zurich, Swiss Re und Swiss Life lagen jeweils rund 12 Prozent im Minus. Verschiedene Banken hatten die Kursziele für Versicherungsaktien zum Teil deutlich reduziert.

Angst vor Kreditklemme

Unter den Befürchtungen, dass die Finanzkrise zu einer Kreditklemme führen und die Unternehmen sich nicht mehr mit Fremdkapital finanzieren könnten, litten vor allem zyklische Aktien wie ABB, Sulzer oder Fischer. Anlagenbauer müssen zum Teil grosse Investitionen vorfinanzieren.

(ht/sda)

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