Reaktionen zum WTO-Scheitern

publiziert: Montag, 24. Jul 2006 / 21:52 Uhr

Bern - Das Scheitern der Doha-Runde hat beim Schweizer Verhandlungsleiter Luzius Wasescha Bedauern ausgelöst.

Was die Bauern gewinnen, gehe der Industrie verloren, sagt ein Ökonom vom Kof.
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Auch die Wirtschaft spricht von einer verpassten Chance. Die Bauern sind erleichtert - doch ihre Zukunft bleibt ungewiss. Sandra Helfenstein vom Schweizerischen Bauernverband (SBV) macht kein Hehl daraus, dass die Bauern froh seien über das Scheitern der Liberalisierungsrunde. Denn die angepeilte Senkung der Importzölle für Landwirtschaftsprodukte hätten den Bauernstand schwer getroffen.

Allerdings fürchtet sich der SBV nun vor einer «noch schlechteren Lösung», wie sie mit dem Freihandelsabkommen mit der EU auf dem Tisch liegt. Damit hätten die Bauern nach dem Scheitern der WTO- Verhandlungen nichts zu gewinnen.

«Über Jahre blockiert»

Der Schweizer Verhandlungsleiter bei der WTO, Luzius Wasescha, räumt zwar ein, dass die Schweizer Landwirtschaft einen hohen Preis hätte zahlen müssen. Dennoch habe man für eine Öffnung für industrielle Produkte und Dienstleistungen plädiert.

Wasescha sieht nun die Doha-Runde über «Monate oder gar Jahre» blockiert. Vor einer Wiederaufnahme müssten sich die politischen Vorzeichen ändern. «Falls wir darauf bis nach den US-Wahlen warten müssen, dauert es bis 2009», sagte Wasescha weiter.

Economisuisse für bilateralen Weg

Während dieser Frist erwartet er, dass die wichtigsten Handelsmächte den Abschluss regionaler und bilateraler Abkommen vorantreiben werden. Dies zum Preis einer starken Fragmentierung des Welthandels.

Auf den bilateralen Weg setzt aber der Wirtschaftsdachverband economiesuisse. Dieser hätte für die Schweizer Wirtschaft nun Priorität. Der Bund müsse hier «Druck aufsetzen», fordert Geschäftsleitungsmitglied Gregor Kündig.

Schlechtere Absatzmöglichkeiten

Umso unverständlicher sei es, dass der Bundesrat Pläne für ein Freihandelsabkommen mit den USA gestoppt habe. Das sei ein grosser Fehler gewesen.

Von einer verpassten Chance spricht auch Axel Dreher, Ökonom bei der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich: «Was die Schweizer Bauern wegen der hohen Importzölle gewinnen, geht der Industrie wegen der schlechteren Absatzmöglichkeiten verloren.» Den Preis zahlten die Konsumenten und Konsumentinnen.

(ht/sda)

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