Greenpeace mauert Patentamt in München zu

publiziert: Montag, 5. Apr 2004 / 17:09 Uhr

München - Aus Protest gegen ein Patent auf menschliche Embryonen hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace alle Türen des Europäischen Patentamtes in München mit Steinen und Eisblöcken zugemauert.

Der Patentschutz für Embryonen gelte noch im Mutterleib.
Der Patentschutz für Embryonen gelte noch im Mutterleib.
Die Aktion richtete sich gegen ein Patent vom November 2003 auf menschliche Eizellen, Sperma und Embryonen, die mit einem neuen Verfahren tiefgekühlt und für künstliche Befruchtungen verwendet werden.

In den vor dem Patentamt aufgetürmten Eisblöcken waren unter anderem Babypuppen eingefroren. Werdendes menschliches Leben wurde erstmals patentiert, kritisierte Christoph Then, Greenpeace-Experte für Gentechnik.

Ein Sprecher des Europäischen Patentamts (EPA) bestätigte, dass das entsprechende Patent mit der Nummer EP 1121015 am 26. November des vergangenen Jahres erteilt worden sei. Gegen das Patent könne noch bis Juli dieses Jahres Einspruch erhoben werden. Greenpeace kündigte bereits Einspruch an.

Das erste Baby-Patent umfasst laut Greenpeace nicht nur die technischen Verfahren, sondern auch die Embryonen selbst. Menschliche Embryonen seien im Text des Patentes ausdrücklich denen von Tieren gleichgesetzt worden.

Auch nach dem Einpflanzen in die Gebärmutter gelte für die Embryonen weiter der Patentschutz. Das neue Patent eröffne den Weg hin zur Industrieproduktion von Menschen.

Unabhängig von dem geplanten Einspruchsverfahren gegen das umstrittene Patent liege das eigentliche Problem in den vielen Gesetzeslücken, die ähnliche Patente auch in Zukunft möglich machen, hiess es in einer Greenpeace-Erklärung.

Insbesondere die EU-Richtlinie 98/44, auf die sich das Patentamt bei der Vergabe derartiger Patente berufe, müsse dringend zur Schliessung von Schlupflöchern überarbeitet werden. Greenpeace erneuerte die Forderung, Patente auf Gene und Lebewesen komplett zu verbieten.

(fest/sda)

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