Ein Arbeiterführer predigt Verzicht

publiziert: Sonntag, 7. Dez 2008 / 11:04 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 7. Dez 2008 / 11:21 Uhr

Detroit - Die stolzen Tage der Auto-Arbeiter in den USA sind vorbei. Für Ron Gettelfinger, den Chef der mächtigen Auto-Gewerkschaft UAW, geht es längst nicht mehr um die gerechte Verteilung von Wohlstand.

Ron Gettelfinger stimmt die Auto-Arbeiter auf Opfer ein.
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Angesichts des drohenden Kollapses der Auto-Industrie bleibt nur noch die Verwaltung der Misere. «Die gegenwärtige Krise wird den Arbeitern weitere Opfer abverlangen», sagt Gettelfinger.

In den kommenden Tagen entscheidet sich, ob die US-Regierung den Bankrott der Traditionsunternehmen Chrysler und General Motors (GM) durch eine Finanzspritze abwendet. Selbst bei einer Rettung werden die Arbeitnehmer nicht um schmerzhaften Verzicht herumkommen.

Permanente Krisenmission

Gettelfinger, der früher selber Autos am Fliessband zusammenschraubte, ist auf permanenter Krisenmission. «Wir müssen an all die Millionen von Arbeitsplätzen denken, die wir verlieren werden, wenn die Branche verschwindet», warnte der 64-Jährige am Mittwoch in der Auto-Metropole Detroit.

Dort sagte er einen Beitrag der Gewerkschaften zur Rettung der angeschlagenen Auto-Konzerne zu. Streichung von zehntausenden Stellen, Abstriche bei Sozialleistungen, eine Neuverhandlung der Tarifverträge, Einschnitte für Frühpensionierte - die Lage ist so ernst, dass selbst die Gewerkschaften nichts mehr ausschliessen.

Bis zur Selbstverleugnung

Die existenzbedrohende Krise vor allem bei GM und Chrysler treibt Gettelfinger und die 640'000 Mitglieder der grössten Auto-Gewerkschaft UAW an den Rand der Selbstverleugnung.

Der Kampfbereitschaft der UAW hatten es die Arbeiter der Branche zu verdanken, dass sie in den 30er-Jahren als erste in den USA über den Arbeitgeber krankenversichert wurden.

In den folgenden Jahrzehnten wurde die Gewerkschaft zum grossen Machtfaktor in Detroit, mit Streiks erstritt sie für ihre Mitglieder Löhne und Sozialleistungen, die in den USA einzigartig waren.

An der Seite der Bosse

Wenn Gettelfinger heute aus dem Fenster seines Büros hoch über Detroit blickt, sieht er eine Industrielandschaft im Niedergang. Der Kampf um den Erhalt der letzten Arbeitsplätze hat ihn zu einer ungewöhnlichen Allianz mit den Konzernchefs gezwungen.

Am Donnerstag und Freitag trat er an der Seite der Bosse von GM, Chrysler und Ford vor dem Kongress auf, um die Volksvertreter von einem Überbrückungskredit von 34 Mrd. Dollar zu überzeugen, ohne den der Branche in den USA das Aus drohen würde.

«Wir sind bereit, einen weiteren Schritt zu gehen», sagte Gettelfinger - gemeint ist ein Schritt hin zu Lohnverzicht und Stellenabbau. Denn er weiss um die geschwächte Verhandlungsposition der Gewerkschaften.

Deutlich höhere Kosten

Denn aus den goldenen Tagen der Industrie häuften die Konzerne milliardenschwere Verpflichtungen etwa für Betriebsrenten und Gesundheitsversorgung pensionierter Angestellter an. Dies treibt heute die Kosten hoch.

Ökonomen beziffern die Kosten einer Arbeitsstunde in Detroit auf über 70 Dollar pro Arbeiter, ausländische Unternehmen wie Toyota, die in US-Werken Autos von Arbeitern ohne Gewerkschaftsverbindung bauen lassen, haben Kosten von etwa 50 Dollar.

«Wir sind vehement gegen jeden Versuch, die Arbeiter und Pensionäre zu Sündenböcken zu machen und ihnen die gesamte Last der Umstrukturierung aufzubürden», sagte Gettelfinger vor dem Kongress.

Wie gross die Zugeständnisse letztlich sein werden, wird sich in den Neuverhandlungen über Tarife und Arbeitsbedingungen zeigen, die demnächst beginnen sollen. «Wir werden Änderungen vornehmen müssen», konstatierte Gettelfinger. «Wichtigstes Ziel ist es, diese Industrie wieder zum Wachsen zu bringen.»

(Josef Szczesny/sda)

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