Kurse gestiegen

EZB startet grossangelegten Kauf von Staatsanleihen

publiziert: Montag, 9. Mrz 2015 / 12:21 Uhr / aktualisiert: Montag, 9. Mrz 2015 / 15:51 Uhr
Die EZB beginnt am heutigen Montag offiziell mit ihrem grossangelegten Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren. (Symbolbild)
Die EZB beginnt am heutigen Montag offiziell mit ihrem grossangelegten Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren. (Symbolbild)

Frankfurt - Der Start der billionenschweren Geldschwemme der Europäischen Zentralbank (EZB) an diesem Montag zeigt bereits erste Wirkungen an den Staatsanleihemärkten. Am Vormittag stiegen die Kurse auf breiter Basis.

6 Meldungen im Zusammenhang
Das Billionen-Programm soll die Wirtschaft im Euroraum ankurbeln und die zuletzt in den Augen der EZB gefährlich tiefe Inflation anheizen. Schon seine Ankündigung im Januar hatte die Aktienkurse in neue Höhen und den Eurokurs auf Talfahrt geschickt.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) gab vor diesem Hintergrund den Euro-Mindestkurs auf. Um dem Euro zu stützen, hätte die SNB nach eigenen Angaben mit Hunderten von Milliarden Franken intervenieren müssen. Das hätte wiederum bedeutet, dass sie die Kontrolle über ihre Bilanz und die monetären Bedingungen verloren hätte.

Die neue Geldschwemme zeigte am Montag bereits Wirkungen an den Staatsanleihemärkten: Die Kurse legten auf breiter Basis zu. Im Gegenzug fielen die bereits niedrigen Renditen weiter, weil Anleger beim Erwerb der Papiere mehr zahlen müssen. Am Markt hiess es, die Notenbanken hätten begonnen, massenhaft Anleihen ihrer jeweiligen Staaten zu kaufen.

Die EZB erwirbt über die Notenbanken Papiere mit Laufzeiten von 2 bis 30 Jahren, deren Rendite nicht niedriger als der Einlagenzinssatz ist. Dieser liegt aktuell bei minus 0,2 Prozent. Zugelassen sind Staatsanleihen mit einer Bonitätsnote von mindestens "BBB-".

Papiere mit Ramsch-Rating werden nicht gekauft, ausser das betreffende Land ist im EU-Sanierungsprogramm und erfüllt die Sparauflagen. Anleihen von Griechenland und Zypern müssen deshalb draussen bleiben. Die nationalen Notenbanken kaufen ausschliesslich Anleihen ihrer Länder.

Notenpresse angeworfen

Die EZB in Frankfurt teilte lediglich mit, dass die Käufe begonnen haben, äusserte sich zunächst aber nicht zu Details. Ab kommender Woche will die Notenbank wöchentlich über den Umfang der Staatsanleihenkäufe informieren. Einmal monatlich sollen diese nach Ländern aufgeschlüsselt werden.

Für ihr neues Anti-Krisen-Paket druckt die EZB frisches Geld und kauft damit Wertpapiere. Fachleute nennen dies quantitative Lockerung oder schlicht "QE" ("Quantitative Easing").

Das Kalkül von EZB-Präsident Mario Draghi dahinter: Wenn die EZB und nationale Notenbanken massenhaft Staatsanleihen kaufen, steigen die Anleihenkurse und die Renditen sinken entsprechend. Banken werden aus diesen Anlageinstrumenten herausgedrängt, weil sie weniger Zinserträge abwerfen.

Draghi glaubt fest an den Erfolg. Das zeigen die neuen Wachstumsprognosen der EZB. Sie gehen für 2016 in der Eurozone von 1,5 Prozent Inflation und einem Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent aus. Hat sich das Programm 2017 voraussichtlich voll entfaltet, soll das Wachstum auf 2,1 Prozent steigen und die Inflationsrate auf 1,8 Prozent.

Gespenst der Deflation beschworen

Das frische Geld kommt damit im Idealfall über die Geschäftsbanken in Form von Krediten bei Unternehmen und Konsumenten an. Das könnte Konsum und Investitionen anschieben und so die flaue Konjunktur in Schwung bringen.

Die Geldflut schwächt auch den Euro, was die Exporte des Euroraums auf dem Weltmarkt verbilligt und damit die Konjunktur weiter stimuliert. Die Exporte der Schweiz in den Euroraum hingegen verteuerten sich bereits nach dem Ende des Euro-Mindestkurses. Und Ferien hierzulande kommen mit Euro im Sack nochmals teurer.

Die Zentralbanker wollen auch den Absturz in eine Deflation verhindern: Sinken die Konsumentenpreise über einen längeren Zeitraum auf breiter Front, könnte das die Konjunktur ausbremsen. Im Januar und Februar 2015 sanken die Konsumentenpreise.

Mit dieser Angst sind die Notenbanker allerdings ziemlich allein. Die meisten Ökonomen sehen keine Deflationsgefahr: Die sinkende Inflationsrate sei vor allem eine Folge des drastischen Ölpreiszerfalls - und der ist eigentlich hochwillkommen und wirkt seinerseits wie ein Konjunkturprogramm.

Börsenblasen befürchtet

Kritiker sind skeptisch, dass die EZB-Anleihenkäufe wie geplant wirken werden. Bisher blieben Geldmarktmassnahmen der Zentralbank eher an den Aktienmärkten hängen als in der Realwirtschaft. Die Kritiker befürchten darum neue Preisblasen durch das viele billige Geld.

Ob die EZB überhaupt an Staatsanleihen im angepeilten Umfang kommt, bezweifeln Experten ebenfalls. Diese Papiere nämlich gelten als risikolos und sind damit für Geschäftsbanken auch aus regulatorischen Gründen attraktiv. Gemäss Kapitalvorschriften müssen sie im Gegensatz zu anderen Anlagen nicht mit Eigenkapital unterlegt werden.

Mehrere Banken erklärten darum bereits in den vergangenen Wochen, sie würde ihre Bestände nicht verkaufen. Auch die Marktkräfte könnten der EZB einen Strich durch die Rechnung machen. Den Notenbanken von Randländern dürfte der Aufkauf der Anleihen leichter fallen, weil deren Bonds nicht so begehrt sind, wie etwa die deutschen Bundesanleihen.

Auf politischer Ebene könnten die Regierungen in Schuldenstaaten in ihrem Reformeifer nachlassen, wenn die Notenbank in grossem Umfang staatliche Schulden finanziert

(nir/sda)

Kommentieren Sie jetzt diese wirtschaft.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Die Konsumpreise wuchsen im letzten Monat.
Bern - Erstmals seit drei Monaten ... mehr lesen
Paris - Die Geldschwemme hat begonnen: Europas Währungshüter kaufen in ... mehr lesen
Die EZB will ab kommender Woche wöchentlich über den Umfang der Staatsanleihenkäufe informieren.
Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem.
Brüssel - Die griechische Regierung will wieder direkt mit den Experten der internationalen Gläubiger verhandeln. Die Gespräche mit den Institutionen der bisherigen Troika über ... mehr lesen
Nikosia/Frankfurt - Die Europäische Zentralbank (EZB) belässt den Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent. Das beschloss der EZB-Rat bei seiner auswärtigen Sitzung am Donnerstag in Zyperns Hauptstadt Nikosia, wie die Notenbank in Frankfurt mitteilte. mehr lesen 
Weitere Artikel im Zusammenhang
Frankfurt - Ab 25. November können Konsumenten in der Euro-Zone ... mehr lesen
Neben Sicherheitsmerkmalen sieht der neue 20 Euro-Schein jetzt grüner aus.
Häufig begehen Gesellschaften den Fehler, die Gewinne aus der Holding an die Gesellschafter auszuschütten.
Häufig begehen Gesellschaften den Fehler, die ...
Publinews In der Schweiz dominiert die Gesellschaftsform GmbH (Gewerbe mit beschränkter Haftung). Dadurch ist das Privatvermögen im Zweifelsfall grösstenteils oder gänzlich geschützt ist. Steuerrechtlich bietet die GmbH einige Nachteile, weshalb immer mehr Gründer die Holding als Organisationsgesellschaftsform wählen. Interessant ist in dem Zusammenhang, wie Treuhänder in dem Konstrukt Holding aktiv mitwirken können. mehr lesen  
Publinews Experten empfehlen auf Nachfrage oft und gerne Krügerrand-Münzen als Investitionsmöglichkeit. Bei diesen Stücken handelt es sich mittlerweile um ... mehr lesen  
Der Krügerrand ist die älteste Anlagemünze weltweit.
Wer sich als Trader oder Trader selber einen Namen machen möchte, kann dies besonders schnell auf der Plattform von NAGA tun.
Publinews Keine Sparte in der Finanzwirtschaft wird in den letzten paar Jahren so stark ... mehr lesen  
Produzenten- und Importpreisindex im Mai 2022  Der Gesamtindex der Produzenten- und Importpreise erhöhte sich im Mai 2022 gegenüber dem Vormonat um 0,9% und erreichte den Stand von 109,4 Punkten (Dezember 2020 = 100). Höhere ... mehr lesen
Die Preise sind gegenüber dem Vorjahr um 6,9% gestiegen.
Der Remoteserver hat einen Fehler zurückgegeben: (500) Interner Serverfehler.
Source: http://www.wirtschaft.ch/ajax/top5.aspx?ID=1&col=COL_2_1
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    grüezi Wie lasterhaft Mitleid mitunter sein kann, beweisen Sie doch gerade ... Mo, 26.12.16 20:05
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Vom Tode träumt ein negrophiles Schäfchen doch ständig. Wenn tausende Frauen in England ... Mi, 28.09.16 11:58
  • HentaiKamen aus Volketswil 1
    Kommt wieder Aber leider eine RIESEN Verlust für Leser wie mich die nicht mit dem ... Sa, 13.08.16 01:13
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    sogar nach dem Tode hat die Kassandra noch die grösste Schnauze... jaja, diese ... Fr, 12.08.16 16:30
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Wow, wie hat sich die gute Kubra gemausert! Ich danke auch Ihnen ganz persönlich für die vielen harten und ... Mi, 20.07.16 20:25
  • Pacino aus Brittnau 731
    Übrigens, wusstet ihr schon . . . . . . dass die Foren von AZ (Wanner), 20min. und Schweizer Fernsehen ... Mi, 29.06.16 15:20
  • PMPMPM aus Wilen SZ 235
    Und jetzt? Ist noch online...? Liebes news-Team, schade ist die Situation so, dass etwas aufhören ... Di, 28.06.16 22:43
  • kubra aus Berlin 3232
    Danke für die gelebte Pressefreiheit. Damit mein ich durchaus auch den ... Di, 28.06.16 16:09
.
Green Investment news.ch geht in Klausur Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in ... 21
Bewerbungsgespräch
Startup News So bewirbt man sich richtig Gute Bewerbungen öffnen Türen zu guten Positionen. Was ist bei der Bewerbung wichtig und welche Trends sind 2022 zu berücksichtigen?
Jedes dritte KMU in Deutschland hat 2011-2013 Energie eingespart.
KMU-Magazin Research Energiewende ist im Mittelstand angekommen Die kleinen und mittleren Unternehmen sind auf ...
 
News
         
Wer will, kann beim Urlaub Geld sparen.
Publinews Da die Preise für Dinge, die man im Alltag benötigt, ständig zu steigen scheinen, bleibt bei den meisten immer weniger in der Urlaubskasse übrig. mehr lesen
Authentische Infomappen FLYERALARM
Publinews 6 Tipps für authentische Infomappen  Ob auf dem Hotelzimmer, am Messestand, am Empfangstresen im Foyer, im Konferenzraum oder im direkten Kundengespräch - Infomappen sind ein wichtiges ... mehr lesen
Berufe im Gesundheitswesen sind stressintensiv und gehen mit hoher physischer Belastung einher.
Publinews Dem Schweizer Gesundheitswesen mangelt es an Fachkräften. Es fehlt der Leitfaden für junge Absolventen und Menschen, die sich umorientieren ... mehr lesen
PostFinance
Publinews Aktuelle Studie zum Gründermarkt Schweiz  Als wichtige Partnerin von Firmengründern und Start-ups setzt sich PostFinance für die Interessen von Gründerinnen und Gründern ein. Deshalb hat ... mehr lesen
Aktienkurse
Publinews Ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um an der Börse einzusteigen?  Der Aktienmarkt hat eine fantastische Langzeitbilanz. Trotz mehrerer grosser Crashs, Baissen und Rezessionen haben Investitionen ... mehr lesen
Augmented Reality
Publinews Ein Start-up mischt mit AR die Baubranche auf  Mixed-Reality-Anwendungen machen es möglich, deutlich produktiver zu arbeiten. Das Schweizer Start-up Builcon zeigt, wie es geht - und setzt ... mehr lesen
Wer keinen Online-Shop betreibt, hat heutzutage nicht nur weniger Umsatz, er verliert unter Umständen auch Kunden.
Publinews Konsumverhalten ist ein wichtiger Punkt in einem Land wie Deutschland, in dem das Wirtschaftssystem auf Angebot und Nachfrage basiert. ... mehr lesen
Elektroauto, Elektromobilität
Publinews Warum sich der Umstieg auf Elektromobilität nachhaltig lohnen kann  Der vollständige Umstieg auf Elektromobilität ist in einigen Ländern bereits auf den Weg gebracht und die meisten ... mehr lesen
Viele Arbeitnehmer bereiten ihr Essen für's Zmittag vor.
Publinews Immer mehr Firmenchefs erkennen die Notwendigkeit von gesunder Ernährung und dem Zusammenhang mit höherer Produktivität im Betrieb. Dass gesunde ... mehr lesen
Stellenmarkt.ch
Wirtschaft Marken
   Marke    Datum
05.12.2022
TIANSHU FastCharge Logo
05.12.2022
TIANSHU Logo
05.12.2022
TIANSHU Logo
05.12.2022
TIANSHU PowerStorage Logo
05.12.2022
    Information zum Feld
Bitte geben Sie hier einen Markennamen ein wie z.B. 'Nespresso'
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mi Do
Zürich 0°C 2°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt freundlich
Basel 0°C 4°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wechselnd bewölkt
St. Gallen -2°C 1°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bedeckt wechselnd bewölkt
Bern -4°C 2°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wechselnd bewölkt
Luzern -1°C 3°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bedeckt wechselnd bewölkt
Genf 0°C 4°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt freundlich
Lugano 2°C 7°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten