Bankgeheimnis ist nicht tot

Die Schweiz ist weltweit der verschwiegendste Finanzplatz

publiziert: Montag, 2. Nov 2015 / 18:35 Uhr
Das Bankgeheimnis sei «alles andere als tot», heisst es in dem Bericht.
Das Bankgeheimnis sei «alles andere als tot», heisst es in dem Bericht.

Bern - Die Schweiz bleibt der verschwiegenste Finanzplatz weltweit. Dies zeigt der Schattenfinanzindex des Tax Justice Network (TJN). Trotz Fortschritten führt die Schweiz damit zum dritten Mal in Folge das Ranking an. Die versteckte Nummer 1 ist aber Grossbritannien.

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Das Land unterhalte ein Netzwerk von Steueroasen auf der ganzen Welt, schreibt das TJN in der am Montag veröffentlichten Studie. Auf Inseln wie Bermuda oder Jersey würden Trusts und Briefkastenfirmen viele Billionen Dollar verwalten. Diese Gebiete eingerechnet, wäre Grossbritannien der Spitzenplatz garantiert.

Die «Mutter aller Steueroasen» bleibt aber die Schweiz. Sie führt nach 2011 und 2013 den sogenannten Schattenfinanzindex erneut an. Den Spitzenrang verdankt sie vor allem einer hohen Verschwiegenheit. Das Bankgeheimnis sei «alles andere als tot», heisst es in dem Bericht.

Fokus auf Entwicklungsländer

Zwar musste die Schweiz laut TJN Zugeständnisse bei «seiner eisernen Verschwiegenheit» machen. Im Vergleich zu anderen grossen Finanzplätzen wie Luxemburg bleibe das Land aber ein «Nachzügler.» Die Schweiz beginne etwa erst 2018, den globalen automatischen Informationsaustausch der OECD umzusetzen.

Die Schweiz verfolge dabei eine Zebrastrategie: Weissgeld aus reichen und mächtigen Ländern, Schwarzgeld aus «verwundbaren» Entwicklungsländern. Entsprechend hätten die Schweizer Banken ihren Fokus weg von OECD-Ländern verlagert und ihre Marktanteile in Entwicklungsländern ausgebaut, konstatiert das TJN. Nicht zufällig habe der Nationalrat im September neue Sorgfaltspflichten für Banken abgelehnt, schreibt Alliance Sud.

Finanzsystem bleibt «Transparenz-Wüste»

Das TJN anerkennt, dass die internationale Staatengemeinschaft in den letzten Jahren auf politischen Druck hin erste Schritte zu mehr Transparenz gemacht habe. Das globale Finanzsystem selbst bleibe aber «in weiten Teilen eine Transparenz-Wüste».

Dass der politische Druck nur beschränkt wirkt, zeigen die vorderen Plätze der Schattenfinanzindexes. Die ersten acht Länder von 2013 belegen auch in diesem Jahr die vorderen Plätze, wenn auch in anderer Reihenfolge. Davon sind mit der Schweiz, USA, Luxemburg und Deutschland vier OECD-Länder.

Arabische Länder auf dem Vormarsch

Nach der Schweiz auf Platz zwei landete Hong Kong. Die Kontrolle Chinas ermögliche es der früheren britischen Kronkolonie, sich weitgehend von globalen Transparenzinitiativen abzuschirmen.

Vom sechsten auf den dritten Rang verschlechtert hat sich die USA. Das Land sei zwar ein Vorreiter, wenn es darum gehe, seine eigenen Interessen gegenüber ausländischen Steueroasen durchzusetzen, kritisiert das TJN. Im Gegenzug übermittle die USA nur wenige Informationen an andere Länder.

Singapur und die Cayman Inseln folgen auf den Plätzen fünf und sechs, gefolgt vom Libanon und Deutschland. Die Top-Ten komplettieren Bahrain und Dubai.

Der Index listet insgesamt 92 Finanzzentren nach dem Grad ihrer Geheimhaltung in Kombination mit ihrem Anteil am globalen Markt für grenzüberschreitende Finanzdienstleistungen auf. Das Ranking zeigt laut TJN somit, welche Staaten illegale Finanzströme besonders anlocken. Der Index wird seit 2009 alle zwei Jahre erstellt.

(fest/sda)

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