Krisen, Kriege, Katastrophen

«Die Medien und der globale Süden»

publiziert: Dienstag, 21. Jun 2011 / 16:00 Uhr
Tunesisches Flüchtlingslager: Bei der Berichterstattung ist man oft auf leserbringende Schlagzeilen angewiesen.
Tunesisches Flüchtlingslager: Bei der Berichterstattung ist man oft auf leserbringende Schlagzeilen angewiesen.

Bern - Trotz der Globalisierung ist die Ausland-Berichterstattung in den Schweizer Medien in den letzten 20 Jahren tendenziell zurück gegangen. Vor allem entwicklungspolitische Themen geraten oft unter die Räder.

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Diesen kritischen Schluss zogen Referenten an der Veranstaltung «Die Medien und der globale Süden», die die Organisation Alliance Sud am Dienstag in Bern anlässlich ihres 40-Jahre-Jubiläums organisierte.

Die 1971 gegründete Arbeitsgemeinschaft der Hilfswerke Swissaid, Fastenopfer, Brot für alle, Helvetas, Caritas und Heks will die Bevölkerung besser über den Süden und die Entwicklungspolitik der Schweiz informieren.

«Ausgerechnet im Zeitalter der Globalisierung haben wir es mit einer Schrumpfung der Welt in unserer Wahrnehmung zu tun. Und: je billiger der Journalismus, desto einfältiger ist das Bild der Welt», erklärte Kurt Imhof, Professor für Publizistikwissenschaft und Soziologie an der Uni Zürich, gemäss Redetext.

Krisen, Kriege, Katastrophen

In den Medien habe das Lokale und Regionale an Bedeutung gewonnen, während die aussenpolitische Berichterstattung schwinde. Als Ursachen ortete Imhof unter anderem die Kommerzialisierung und den Konzentrationsprozess bei den Medien sowie den Siegeszug der Gratis-Medien.

Diese prägten vor allem die Wahrnehmung von Jüngeren und Leuten mit tieferer Bildung. Sie reduzierten das Weltgeschehen oft auf Krisen, Kriege, Katastrophen und Skandale.

Auch die grüne Berner Nationalrätin Therese Frösch bedauerte ein «Überhandnehmen von Infotainment, Beliebigkeit, Pseudogeschichten» in den Medien. Im Journalismus seien Relevanz und Aktualität im Ungleichgewicht. Sie wünsche sich von allen Medien «mehr kontinuierliche und relevante Aufklärung».

Elektronische Medien einbeziehen

Die ehemalige Journalistin und Direktorin des Hilfswerkes Fastenopfer, Annemarie Holenstein, erinnerte an die wachsende Bedeutung der elektronischen Medien. Mit ihnen könnte man in kurzer Zeit viele Menschen für Solidarität und Menschenrechte mobilisieren. Aber alleine könnten diese die Defizite der übrigen Medien nicht ausfüllen.

Entwicklungspolitisch Interessierte müssten daher auf den Verbund von Printmedien der Entwicklungsorganisationen, der neuen elektronischen Medien, und der Leitmedien Fernsehen, Tagespresse und Wochenzeitungen setzen.

(dyn/sda)

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