Schock-Reaktionen nach SNB-Entscheid
Wirtschaftsvertreter sehen starken Franken als Gefahr
publiziert: Donnerstag, 15. Jan 2015 / 17:43 Uhr
Nick Hayek vergleicht die Folgen mit einem Tsunami.
Nick Hayek vergleicht die Folgen mit einem Tsunami.

Bern - Die Reaktionen aus der Wirtschaft auf die Aufhebung des Euro-Mindestkurses von 1.20 Fr. sind überwiegend negativ. Einzig der Gewerbeverband sieht im Entscheid der Schweizerischen Nationalbank auch eine Chance.

13 Meldungen im Zusammenhang
Uhrenpatron Nick Hayek verglich die möglichen Folgen mit einem Tsunami, nicht nur für die Exportindustrie und den Tourismus, sondern für die ganze Schweiz.

Für den Schweizerischen Arbeitgeberverband verschärft der erstarkte Franken die Unsicherheiten für die Arbeitgeber, besonders in der Exportbranche. Zudem sei mit Auswirkungen auf die Arbeitsplatzsituation zu rechnen.

Der Verband zeigt sich überrascht über die sofortige Aufhebung der Untergrenze des Schweizer Frankens zum Euro. Bereits heute stünden die Arbeitgeber durch die Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative stark unter Druck, heisst es in einer Mitteilung am Donnerstag. Der Zeitpunkt der SNB-Massnahme sei ungünstig, da grosse politische und wirtschaftliche Unsicherheiten das Wirtschaftsumfeld zurzeit ohnehin belasteten.

Der Arbeitgeberverband sieht die Gefahr, dass eine Phase der Überbewertung des Frankens gegenüber dem Euro einsetzt. Bei einer starken Abweichung zum alten Kurs werde sich die Exportindustrie nicht in nützlicher Frist anpassen können, glaubt der Arbeitgeberverband.

Gewerkschaften befürchten Stellenabbau

Diese Gefahr sieht auch der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB): Sogar mit 1,20 Fr. zum Euro sei der Franken noch überbewertet gewesen, sagte SGB-Chefökonom Daniel Lampart. Mit der Aufhebung der Untergrenze hätten die Devisenspekulanten nun freie Bahn. Es sei mit einer unkontrollierten Aufwertung zu rechnen.

Die bereits heute unter dem überbewerteten Franken leidende Exportindustrie und der Tourismus komme weiter unter Druck. In der Folge seien dramatische Auswirkungen auch auf andere Arbeitsplätze zu befürchten. Die Gewerkschaften befürchten einen Stellenabbau im grossen Stil bei einer unkontrollierten Frankenaufwertung.

Gastrobranche sieht schwarz

Die Gastgewerbeverbände Hotelleriesuisse und Gastrosuisse sehen das Ferienland Schweiz teurer werden und die Wettbewerbsfähigkeit der Hotels und Restaurants zurückgehen.

Die 20'000 im Verband organisierten Betriebe seien unmittelbar und negativ betroffen, teilte Gastrosuisse am Donnerstag mit. Bereits beim Mindestkurs von 1,20 Fr. pro Euro hätten die Gastbetriebe einen grossen Nachfragerückgang verzeichnet.

Das sieht auch Hotelleriesuisse so. Die Stärkung des Frankens treffe das Ferienland Schweiz im Kern, verlautete der Verband. Hotelleriesuisse erwartet von der Politik nun griffige Massnahmen gegen die Hochpreisinsel.

Konsumentenschützer befürchten Einkaufstourismus

«Der Einkaufstourismus wird zunehmen», sagte Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Die Preisdifferenzen zwischen Schweiz und EU würden wieder wachsen.

Nach dem Entscheid werde die Debatte über die Preise wieder voll einsetzen, doppelte Nadia Thiongane von der Westschweizer Konsumentenorganisation FRC nach. Produzenten und Verteiler müssten Währungsgewinne ehrlich auf die Endpreise weitergeben.

Erklärungsversuche von UBS-Chefökonom Kalt

UBS-Chefökonom Daniel Kalt sprach kurz nach der Ankündigung der SNB gegenüber der Nachrichtenagentur sda von einem «Schock».

Offenbar habe die Nationalbank ihre Mindestkurspolitik länger durchziehen müssen als erwartet. Daran sei auch Europa Schuld, das seine Hausaufgaben aus der Schuldenkrise nicht gemacht habe, sagte Kalt weiter.

Laut Kalt hat beim Entscheid der SNB wohl auch die Stärke des Dollars hineingespielt. Dieser habe der Schweizer Exportwirtschaft deutlich günstigere Wechselkursbedingungen vor allem im Dollar-Raum beschert. «Vor diesem Hintergrund hat sich die SNB gesagt, dass sie den Schritt wagen kann», sagte Kalt.

Gewerbeverband sieht auch Chance

Zwar sieht auch der Gewerbeverband (sgbv) durch den Entscheid der SNB viele neue Herausforderungen auf die Unternehmen zukommen, insbesondere auf die Exporteure.

Die Politik könne aber helfen, die Herausforderung zu meistern, etwa durch die Senkung von Regulierungskosten. Dies würde es der gesamten Wirtschaft erleichtern, sich international zu positionieren, schreibt die Dachorganisation der Schweizer KMU in einem Communiqué am Donnerstag.

(jz/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese wirtschaft.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Bern - Der Präsident des Gastgewerbe-Verbandes Gastrosuisse, Casimir Platzer, fordert ein Ende von ... mehr lesen
Die Gastronomie braucht faire Preise beim Einkauf.
Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS)
Bern - Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), lobt den Detailhandel und die Autobranche für ... mehr lesen
Zürich - Bisher hat der erstarkte Franken sein freundliches Gesicht gezeigt - in Form von sinkenden Preisen, etwa im ... mehr lesen
UBS-Chef Sergio Ermotti will sich auf keine konkreten Massnahmen festlegen.
Davos - Die Schweizer Firmenchefs ... mehr lesen
Warschau/Wien/Zagreb - Der jüngste Höhenflug des Franken ruft diverse Regierungen in Osteuropa auf den Plan. Grund sind ... mehr lesen
Warum die Kreditnehmer glaubten, der Euro/Frankenkurs bliebe bei 1:1,20 kann man nur als naiv bezeichnen.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Bern - Die Schweizer Tourismusbranche steht laut dem Direktor von Schweiz Tourismus, Jürg Schmid, vor «entscheidenden Tage». ... mehr lesen
Sollte die Parität zwischen Franken und Euro anhalten, erwartet Jürg Schmid, CEO von Schweiz Tourismus, eine bedeutende Reduktion der Logiernächte.
Bern/Zürich/Basel - 1 Euro kostet nur noch rund 1 Franken. Die schockartige ... mehr lesen
Nebelspalter «Wir haben genug!» Als erster grosser Arbeitgeber hat Zermatt nach dem Ende des Euro-Mindestkurses damit begonnen, ... mehr lesen
 
Bern - Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann hat sich vor den Medien überrascht gezeigt vom Entscheid der ... mehr lesen
Händler am Devisenmarkt fürchteten um die Glaubwürdigkeit der Notenbank.
Bern - Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses des Franken durch die Schweizer ... mehr lesen
Zürich/Bern - Der Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken ist Geschichte. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat die im ... mehr lesen 3
Der Franken wird teurer.
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 20
Netcetera-CEO Andrej Vckovski erklärt, wo KMU ansetzen ...
Enabling new business  Von besser informierten GL bis zum E-Commerce im Exportmarkt - digitale Tools nutzen in der ganzen Wertschöpfungskette. Netcetera-CEO Andrej Vckovski erklärt, wo KMU ansetzen können, um ihre Produktivität zu steigern. mehr lesen 
Startup News Schon bei der Gründung eines Unternehmens wird der Grundstein für die spätere Nachfolge gelegt. Nur der Zeitpunkt und das Wie sind offen. Deshalb wird das Thema auch gerne vor sich her geschoben. mehr lesen  
Startup News Über 70 Personen besuchten am 17. November 2016 im TECHNOPARK® Aargau in Brugg das StartUpForum Aargau und informierten ... mehr lesen  
StartUpForum Aargau im TECHNOPARK® Aargau in Brugg
Publinews Uhrenmuseum Beyer  Das Uhrenmuseum Beyer gilt als eine der grossen Attraktionen Zürichs. Es befindet sich an der berühmten Einkaufsmeile inmitten von Zürich und ist durch das Ladenlokal der Beyer Chronometrie erreichbar. mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Vom Tode träumt ein negrophiles Schäfchen doch ständig. Wenn tausende Frauen in England ... Mi, 28.09.16 11:58
  • HentaiKamen aus Volketswil 1
    Kommt wieder Aber leider eine RIESEN Verlust für Leser wie mich die nicht mit dem ... Sa, 13.08.16 01:13
  • keinschaf aus Wladiwostok 2823
    sogar nach dem Tode hat die Kassandra noch die grösste Schnauze... jaja, diese ... Fr, 12.08.16 16:30
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Wow, wie hat sich die gute Kubra gemausert! Ich danke auch Ihnen ganz persönlich für die vielen harten und ... Mi, 20.07.16 20:25
  • Pacino aus Brittnau 731
    Übrigens, wusstet ihr schon . . . . . . dass die Foren von AZ (Wanner), 20min. und Schweizer Fernsehen ... Mi, 29.06.16 15:20
  • PMPMPM aus Wilen SZ 235
    Und jetzt? Ist noch online...? Liebes news-Team, schade ist die Situation so, dass etwas aufhören ... Di, 28.06.16 22:43
  • kubra aus Berlin 3232
    Danke für die gelebte Pressefreiheit. Damit mein ich durchaus auch den ... Di, 28.06.16 16:09
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Nur ein ziemlicher Trottel kann annehmen, dass es etwas mit Zivilcourage zu hat, wenn er an einer ... Fr, 17.06.16 12:02
.
Green Investment news.ch geht in Klausur Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in ... 20
Das Crowdfunding hat um 73 Prozent zugelegt.
Startup News Crowdfunding in der Schweiz markant gewachsen Luzern - Auf tiefem Niveau ist der Markt für Schwarmfinanzierung (sog. Crowdfunding) in der Schweiz erneut stark gewachsen. Diese Art der Geldbeschaffung ...
Jedes dritte KMU in Deutschland hat 2011-2013 Energie eingespart.
KMU-Magazin Research Energiewende ist im Mittelstand angekommen Die kleinen und mittleren Unternehmen sind auf ...
 
Publinews
                 
Publinews Enabling new business  Von besser informierten GL bis zum E-Commerce im Exportmarkt - digitale Tools nutzen in der ganzen Wertschöpfungskette. Netcetera-CEO Andrej Vckovski ... mehr lesen
Erfolg durch zielgerichtete Planung.
Publinews CRM  In einer Zeit übersättigter Märkte ist nicht mehr die Suche nach einem Produkt oder Lieferanten der Flaschenhals, sondern das Aufspüren von Bedarf und neuen ... mehr lesen
Wir erfinden das Drucken neu - damit Ihr Unternehmen wie ein grosses beeindruckt
Publinews Ein Unternehmen muss nicht gross sein, um Grosses zu leisten. Es benötigt lediglich die richtigen Ressourcen. Und dazu gehört auch ... mehr lesen
Auf das Flair der bunten und aufregenden Casino-Welt verzichten und stattdessen im Internet Glücksspiele zocken? Online-Casinos bergen sowohl Gefahren als auch Möglichkeiten für den Spieler.
Publinews Im Oktober 2015 verabschiedete der Bundesrat das neue Geldspielegesetz: Seither dürfen Schweizer Casinos auch im Netz ... mehr lesen
Kaffee gehört für viele Arbeitnehmer fest zum Büroalltag dazu
Publinews Eine gute Tasse Kaffee gehört für viele Menschen fest zum Alltag. Während manche den Muntermacher hauptsächlich morgens nach dem Aufstehen brauchen, trinken ... mehr lesen
Online-Dating wird immer beliebter - heute setzen schon viel mehr Menschen bei der Partnersuche auf das Internet als noch einige Jahre zuvor. Die Tendenz geht zudem zum mobilen Online-Dating.
Publinews Online-Dating erfreut sich grosser Beliebtheit. Dies ist angesichts von ca. 1,5 Millionen Singles in der Schweiz auch kein Wunder. Dabei sind für den ... mehr lesen
Ohne Social Media geht es nicht
Publinews Horisen AG  Soziale Netzwerke gehören zum modernen Marketing-Alltag längst dazu. Deshalb hast du vermutlich auch schon einmal darüber nachgedacht, dir eine ... mehr lesen
Ist das gewünschte Grundstück tatsächlich für das eigene Bauprojekt geeignet? Worauf sollten Käufer dabei achten?
Publinews Laut Statistik Schweiz waren im Jahr 2000 fast drei Viertel der in der Eidgenossenschaft existierenden 3,57 Millionen Wohnungen in der Hand von ... mehr lesen
Warte nicht länger, sondern mach dich auf den spannenden Weg zu deinem eigenen Film.
Publinews Kamera läuft!  Smartphones machen es möglich: wir haben unsere kleine Video-Kamera immer dabei und filmen laufend, was uns bewegt, was lustig, skurril oder sehenswert ist. ... mehr lesen
Wirtschaft Marken
   Marke    Datum
09.12.2016
09.12.2016
09.12.2016
08.12.2016
swiss EDUCATION academy Logo
08.12.2016
    Information zum Feld
Bitte geben Sie hier einen Markennamen ein wie z.B. 'Nespresso'
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich -4°C 6°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Nebel recht sonnig
Basel -2°C 8°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig freundlich
St. Gallen 5°C 8°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig freundlich
Bern -6°C 5°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Luzern -4°C 6°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Nebel recht sonnig
Genf -1°C 4°C Nebelleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Nebel recht sonnig
Lugano 2°C 8°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten