Wirtschaft verliert deutlich an Schwung
publiziert: Donnerstag, 2. Okt 2008 / 08:50 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 2. Okt 2008 / 09:55 Uhr

Bern - Die Schweizer Wirtschaft kann sich der Finanzkrise nicht entziehen und verliert stark an Schwung. Trotz grosser Risiken erwarten die Experten des Bundes aber keinen starken Einbruch - sofern sich die europäischen Länder aufrappeln können.

Grösster Unsicherheitsfaktor bleibt die Finanzkrise.
Grösster Unsicherheitsfaktor bleibt die Finanzkrise.
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Die Binnenkonjunktur sei im Unterschied zu anderen Ländern in einem besseren Zustand, sagte der Chefökonom des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO), Aymo Brunetti, am Donnerstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

In der Schweiz gebe es «kein Immobilien-Problem», sagte Brunetti. Und auch die Kreditvergabe funktioniere. Es gebe keine Anzeichen für eine restriktivere Kredit-Vergabe oder gar eine Kredit-Klemme, wie sie in anderen Ländern festzustellen sei.

Die Experten des Bundes sehen daher keinen Anlass, um ihre Konjunkturprognose vom Juni zu korrigieren. Sie rechnen weiterhin mit einem Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 1,9 Prozent im laufenden und 1,3 Prozent im kommenden Jahr.

Vorsichtig prognostiziert

Damit ist das SECO zuversichtlicher als beispielsweise die Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich. Diese erwartet, dass das BIP im vierten Quartal 2008 und im ersten Quartal 2009 schrumpft, dass die Schweiz also in eine kurze Rezession abgleitet.

Das SECO sei bereits in seiner Juni-Prognose vorsichtig gewesen, als andere Experten noch höhere Prognosen veröffentlicht hätten, erklärte Brunetti. Er räumte aber ein, dass die Risiken inzwischen deutlich zugenommen hätten.

Hoffen auf die EU-Länder

Grösster Unsicherheitsfaktor ist die Finanzkrise. Zudem leidet die Schweiz unter der schwächelnden Wirtschaft in Europa. Sollte sich die EU auch 2009 nicht erholen, düfte das Wachstum in der Schweiz im Jahresdurchschnitt deutlich unter 1 Prozent fallen, wie das SECO erklärte.

Die Flaute in Europa spürt zuerst die Export-Industrie: Während die Ausfuhren die Konjunktur in den ersten beiden Quartalen dieses Jahres noch gestützt haben, lassen sie nun nach.

Wieder mehr Arbeitslose

Dies erfasst zunehmend auch die Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen, die zurückgefahren werden. Dagegen sollte der private Konsum die Konjunktur nach Ansicht des SECO weiter stützen können. Hintergrund ist die noch gute Lage auf dem Arbeitsmarkt.

Doch die Verlangsamung der Konjunktur hinterlässt auch auf dem Arbeitsmarkt Bremsspuren: Das Beschäftigungwachstum dürfte in den kommenden Monaten klar nachlassen. Die Experten des Bundes erwarten für das laufende Jahr eine durchschnittliche Arbeitslosenquote von 2,5 Prozent, und 2009 dürfte sie leicht auf 2,7 Prozent steigen.

Teuerungsdruck gibt nach

Entwarnung gibt es an der Teuerungsfront: Mit der nachlassenden Weltkonjunktur dürften die Erdölpreise fallen. Die Inflationsrate wird laut SECO-Prognose kommendes Jahr daher wieder deutlich unter die als Preisstabilität definierte Marke von 2 Prozent fallen. Im laufenden Jahr liegt sie bei 2,6 Prozent.

Der Rückgang der Teuerung dürfte den privaten Konsum stützen. Zudem nimmt der geldpolitische Spielraum für die Nationalbank zu: Lässt die Inflation nach, ist es eher möglich, die Wirtschaft mit einer expanisveren Geldpolitik anzuschieben.

(smw/sda)

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