Wir brauchen mehr Mut!
publiziert: Donnerstag, 13. Apr 2006 / 07:59 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 13. Apr 2006 / 18:51 Uhr

Christoph Caviezel, neuer Leiter der Förderagentur für Innovation KTI will mit der Innovationsförderung nach den Spielregeln des Marktes effizienter agieren.

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«Gerade kleine, flexible Firmen können innovative Ideen schneller und unkomplizierter umsetzen.»
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Herzlichen Glückwunsch Herr Caviezel! Wie fühlt man sich als frischgebackener Leiter der Förderagentur für Innovation KTI?

Danke, ich fühle mich in der KTI sehr wohl. Innovation, also etwas Neues schaffen, das finde ich faszinierend. Ein spannendes Gebiet, ein spannender Job. Und hinter mir steht ein Team, das sehr gute Arbeit geleistet hat und motiviert ist, diese auch weiterzuführen.

In welche Richtung entwickelt sich die Strategie der KTI?

Mitte Jahr legen wir unsere neue Strategie dem Bundesrat vor. Soviel ist aber jetzt schon sicher: Wir müssen die nur beschränkt vorhandenen Ressourcen zielgerichtet einsetzen. Zwei Fragen sind dabei entscheidend: Wo erreichen wir die grösste Hebelwirkung? Und was sind effektive Staatsaufgaben? Wir wollen ein innovationsfreudigeres Klima schaffen. Mit einer marktorientierten Forschungsförderung, einer gezielten Start-up-Förderung und mit einem ausgewogenem Engagement in internationalen Schlüsselprogrammen und –gremien. Wir werden verstärkt mit Unternehmen, Verbänden und Kantonen zusammenarbeiten. Der stärkere Einbezug der Wirtschaft ist mir ein zentrales Anliegen.

Rekordgewinne bei CS, UBS, Novartis und ABB. Braucht die Schweiz überhaupt noch kleine Jungunternehmen?

Auf jeden Fall! Gerade kleine, flexible Firmen können innovative Ideen schneller und unkomplizierter umsetzen. Kurze Entscheidungswege und das motivierte, zielorientierte Klima sorgen in Start-ups für einen “Drive“, welcher in grossen Unternehmen kaum möglich ist. Wir müssen und wollen diese jungen Unternehmen in der Schweiz mit entsprechenden Rahmenbedingungen unterstützen.

Mit welchen Instrumenten wollen Sie innovative Start-ups fördern?

Unsere Aktivitäten umfassen drei Bereiche. Mit der Initiative «venturelab » wecken wir an den Schweizer Hochschulen den Unternehmergeist der Studierenden. Wir bieten dazu verschiedene Workshops an, vom eintägigen Workshop bis zum Semesterkurs. Diese vermitteln den Studierenden das Rüstzeug und die Methodik, wie man aus einer Geschäftsidee eine erfolgreiche Firma macht. Es werden Themen behandelt wie Businessplan, Marketing und Finanzierung. Zweitens bieten wir ein umfassendes Coaching für Start-ups an. Ein erfahrener Coach hilft dem jungen Start-up- Unternehmen aus der Geschäftsidee eine erfolgreiche Firma zu entwickeln. Er berät dort, wo noch Schwächen vorhanden sind und bringt sein Netzwerk und seine Kontakte mit ein. Firmen, welche fit sind für ein nachhaltiges Wachstum, erhalten das KTI Start-up Label. Dieses erleichtert den Zugang zu weitergehender Finanzierung. Spätestens hier kommt auch unser drittes Element zum Tragen: Durch die “Public Private Partnership“ mit dem privatrechtlichen Verein CTI Invest und durch unser Netzwerk unterstützen wir die jungen Firmen auf ihrem Weg zur ersten Finanzierung.

Unsere Schweizer Forscher/innen gewinnen Nobelpreise. Warum entstehen aus hervorragenden Forschungsresultaten so selten erfolgreiche Unternehmen?

In den einschlägigen Studien gehört die Schweiz zu den Ländern mit einem hohen Innovationspotenzial. Der neue OECD-Bericht zeigt aber auch auf, dass verschiedene Hindernisse den Gründungsaktivitäten entgegenstehen. Dazu gehören administrative Hürden, komplizierte Besteuerungsgesetze aber auch die fehlende Sensibilisierung junger Menschen für das Unternehmertum während ihrer Ausbildung. Es gibt zu wenig Ausbildungsund Trainingsprogramme und zu viele Hindernisse zwischen Grundlagenforschung und Markt.

Was wollen Sie in der Forschungsförderung erreichen?

Mehr Unternehmen sollen die F&E Ressourcen besser nutzen. Neben den Infrastrukturen der Hochschulen auch das Wissen der Forscherinnen und Forscher. Wichtig ist, dass Innovationsideen schneller realisiert und auf den Markt gebracht werden. Unser Hauptaugenmerk liegt dabei auf den KMU. Unser Ziel ist es, innerhalb der Forschungsförderung die organisatorischen Rahmenbedingungen zu schaffen, welche den Wettbewerb intensivieren. Heisst konkret: Unternehmen werden vermehrt selbst aktiv und wählen ihre Forschungspartner selbst aus.

Was für einen Tipp geben Sie jungen Studierenden mit auf den Lebensweg?

Beschäftigen Sie sich schon früh mit dem Gedanken, später vielleicht einmal Unternehmer/in zu werden. Sprechen Sie mit Unternehmer/innen, besuchen Sie Module aus «venturelab» und finden Sie heraus, ob Sie diese Welt fasziniert. Bleiben Sie offen, auch andere Wege zu denken, welche weniger offensichtlich sind. Eignen Sie sich eine gesunde Risikofreudigkeit an und wagen Sie den ersten Schritt!

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