Kampagne gegen staatliche Eingriffe
Werber wollen Verbote bei Suchtmitteln verhindern
publiziert: Montag, 10. Sep 2012 / 10:42 Uhr
Die Werbung für Tabak und Alkohol ist bei jungen Menschen besonders erfolgreich.
Die Werbung für Tabak und Alkohol ist bei jungen Menschen besonders erfolgreich.

Zürich - In der Schweiz ist eine Debatte um Werbeverbote für die Tabak- und Alkoholindustrie entbrannt.

Die Schweizer Werbung macht aktuell mit einer Kampagne gegen entsprechende Verbote auf kantonaler, nationaler und supranationaler Ebene mobil und fährt dabei grosse Geschütze auf. Die verwendeten Argumente, die von der Bedrohung der Pressefreiheit bis zu Marktverzerrungen durch staatliche Eingriffe reichen, werden von Kritikern als Feigenblätter angesehen. «Es handelt sich um eine Scheinargumentation. In Wahrheit geht es ums Geld», so Henrik Viertel von der Hilfsorganisation Blaues Kreuz in Zürich.

Verbote angedacht

Das Blaue Kreuz sammelt derzeit Unterschriften, um ein Verbot von Alkoholwerbung in Sportstätten und bei Sportveranstaltungen im Kanton Zürich durchzusetzen. «Es geht uns um den Schutz von Minderjährigen, die erwiesenermassen früher und häufiger Alkohol konsumieren, wenn sie Werbung ausgesetzt sind. Im Umfeld von Schulen gibt es bereits ein Verbot, die Ausweitung auf Sport-Events, auf denen es immer viele Jugendliche gibt, ist nur die logische Weiterführung dieser Politik. Längerfristig streben wir ein schweizweites Verbot an. Ein komplettes Werbeverbot streben wir derzeit nicht an, wir warten aber weitere Entwicklungen - siehe Tabakwerbung - ab», so Viertel.

Auf ihrer Webseite listet die Schweizer Werbung noch weitere Vorschläge für Gesetzesreformen, die Werbeverbote nach sich ziehen könnten, in der Schweiz und anderen Ländern auf. Laut der laufenden Kampagne unterbinden Werbeverbote die Möglichkeit mündigerer Bürger, sich zu informieren. Die Freiheit der werbefinanzierten Medien sei ebenfalls in Gefahr, wenn Einschaltungen ausblieben. Aus wirtschaftsliberaler Sicht stelle eine gesetzliche Regelungen zudem einen staatlichen Eingriff in den Markt dar. Auch der Wert von etablierten Marken sei durch die Einschränkung der Marktkommunikation in Gefahr, was zu weniger Rendite und schwindender Innovationskraft führe.

Vorteil für Marken

«Das ist lächerlich. Das Geld findet auch bei Verboten einen Weg zu den Agenturen. Uns geht es zudem vorrangig um den Jugendschutz. Die wissenschaftlichen Fakten zur Beeinflussung junger Menschen sind unbestritten. Die Werbung der Alkoholhersteller läuft über die Vermittlung von Lifestyle und Partyspass, also Bilder, für die auch Jugendliche sehr empfänglich sind. Das prägt das Konsumverhalten. Bei älteren Menschen kann Werbung nur noch Verschiebungen innerhalb bestehender Konsumenten bewirken», so Viertel.

Andere Gesetze, etwa die EU-Regelung für Tabakwerbung, ziehen durchaus umfassendere Werbeverbote nach sich. Der Abwehrreflex der Werber ist also durchaus verständlich, auch wenn der Präzedenzfall Tabakindustrie nach wie vor Mittel und Wege findet, ihre Produkte anzupreisen.

«Eigentlich stärkt ein Werbeverbot die etablierten Marken, weil es Newcomern den Weg in den Markt erschwert. Dadurch werden aber oligopolistische Tendenzen verstärkt, die zu Preiserhöhungen führen können, die schlecht für die Konsumenten sind. Das Vorgehen der Werbeindustrie gegen die Verbote ist verständlich: Die Alkohol- und Tabak-Hersteller sind zahlungskräftige Kunden, die durch ihre Quasi-austauschbaren Produkte auch noch eine kreative Herausforderung darstellen», sagt Markenexperte Thomas Otte.

Der Fachmann sieht einen staatliche Eingriff auch aus anderen Gründen kritisch: «Solche Eingriffe können weitere Änderungen nach sich ziehen, weshalb Agenturen grundsätzlich dagegen sind. Auch Werbeverbote für zucker- und fetthaltige Nahrungsmittel könnten argumentiert werden. Es wird immer gute Gründe geben, die Freiheit von selbstbestimmten Bürgern einzuschränken, aber ich glaube, dass mündige Menschen selbst entscheiden können müssen. Fängt der Staat an sich einzumischen, landet man schnell bei Orwell. Natürlich ist Werbung psychologisch clever aufgebaut, aber zwingen kann sie nicht», so Otte.

(bert/pte)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Online Targeting, passende Zielgruppe zur richtigen Zeit
Werbeartikel
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. 13
Ohne Social Media geht es nicht
Ohne Social Media geht es nicht
Publinews Horisen AG  Soziale Netzwerke gehören zum modernen Marketing-Alltag längst dazu. Deshalb hast du vermutlich auch schon einmal darüber nachgedacht, dir eine eigene Facebook-Seite zuzulegen, oder? Wir können dir nur empfehlen, diese Chance für dein Unternehmen zu nutzen.  
Auf was du bei der Wahl des Anbieters unbedingt achten musst Was steckt eigentlich hinter einer Internetseite? Nun ja, das ...
Wirbel um Werbetafel in Australien  Der australische Fleischer Jeff Rapley hat mit einer kontroversen Werbetafel im Schaufenster seines Geschäfts in Narooma im australischen New South Wales einen Shitstorm ausgelöst.  
Wirbel um Schnitzel-Werbung Das neue Werbeplakat der australischen Burger-Restaurantkette Grill'd hat mit einem vulgären Buchstaben-Gag die Gemüter ...
Werbeplakat: Das Wort «SHIT» ist unschwer zu überlesen.
Titel Forum Teaser
  • Kassandra aus Frauenfeld 1777
    Nur ein ziemlicher Trottel kann annehmen, dass es etwas mit Zivilcourage zu hat, wenn er an einer ... Fr, 17.06.16 12:02
  • Kassandra aus Frauenfeld 1777
    Meine Anwälte sagen: "Aus einem Esel wird wird in tausend Jahren kein Golfisch, ... Di, 14.06.16 20:10
  • jorian aus Dulliken 1754
    Saudumm? Die Frage ist nur WER! Sie haben mich verleumdet. Sie haben übel über mich geredet! (Dies ... Di, 14.06.16 03:57
  • Kassandra aus Frauenfeld 1777
    Wer Kritik als persöliche Beleidigung empfindet, wer Kritik als mundtot-machen ... So, 12.06.16 12:24
  • Kassandra aus Frauenfeld 1777
    Konzernrecht? Konzernpfusch! Was ist denn das? Konzerne werden vorwiegend von Vollidioten geführt. ... Fr, 10.06.16 17:49
  • Kassandra aus Frauenfeld 1777
    Sehr, sehr traurig... Für den Jorian ist eine Redaktion eine Anstalt, die Zenzur immer dann ... Mo, 06.06.16 21:11
  • mcdale aus St. Gallen 106
    Pech aber auch Mit den Freidenkern wollte man unabhängig erscheinen, vergass aber ... Fr, 03.06.16 11:36
  • Pacino aus Brittnau 730
    Gute, unzensierte Plattform . . . . . . es ist echt schade darum. Klar wurden gelegentlich Blogger auch ... Fr, 03.06.16 09:19
.
Green Investment news.ch geht in Klausur Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in ... 13
Das Crowdfunding hat um 73 Prozent zugelegt.
Startup News Crowdfunding in der Schweiz markant gewachsen Luzern - Auf tiefem Niveau ist der Markt für Schwarmfinanzierung (sog. Crowdfunding) in der Schweiz erneut stark gewachsen. Diese Art der Geldbeschaffung ...
Jedes dritte KMU in Deutschland hat 2011-2013 Energie eingespart.
KMU-Magazin Research Energiewende ist im Mittelstand angekommen Die kleinen und mittleren Unternehmen sind auf ...
TV-Spots im Internet - Keep it simple and easy!
AdSpot GmbH
Eichstrasse 25
8045 Zürich
Wir stellen Kontakte her
Publicitas AG
Mürtschenstrasse 39
8010 Zürich
 
Der Remoteserver hat einen Fehler zurückgegeben: (500) Interner Serverfehler.
Source: http://www.wirtschaft.ch/ajax/home_col_3_1_4all.aspx?adrubIDs=43