Villiger warnt Medien vor Vertrauensverlust
publiziert: Freitag, 13. Sep 2002 / 19:55 Uhr

St. Moritz - Bundespräsident Kaspar Villiger hat die Medien zu sorgfältiger und seriöser Arbeit aufgefordert. Sonst drohe ihnen eine Vertrauenskrise, wie sie die Wirtschaft jetzt erlebe. Das Erfüllen der Wächterfunktion würde dann verunmöglicht.

Am Jahreskongress des Verbandes Schweizer Presse sprach Bundespräsident Kaspar Villiger den Verlegern ins Gewissen. In der Schweiz herrsche eine Vertrauenskrise, sagte er.

In diesem Kontext würden die Medien eine wichtige Rolle spielen. "Medien können Vertrauen bilden, sie können Vertrauen zerstören, und sie haben selber ein Vertrauensproblem", erklärte er. Weiter forderte Villiger die Medien auf, Qualität zu fördern.

Für Bundespräsident Villiger haben die Medien vier Funktionen: die Informationsfunktion, die Wahrheitsfunktion, die Wächterfunktion und die Forumsfunktion. Im allgemeinen würden diese Funktionen gut erfüllt, doch leider habe es Auswüchse gegeben.

Medien dürften nicht der Versuchung erliegen "Macht auszuüben, etwa durch eine Kampagne einen Politiker wegzupushen", sagte Villiger. Und sie dürften die korrekte Erfüllung der erwähnten Funktionen nicht dem Zwang zur Steigerung der Auflage oder der Einschaltquoten opfern.

Notwendig sei deshalb eine hohe Verantwortung der Journalisten. Diese Verantwortung wahrzunehmen sei der Preis der Medienfreiheit, sagte der Bundespräsident. Im Zusammenhang mit der Medienfreiheit sprach er sich gegen direkte staatliche Förderung der Medien aus. Der Verband Schweizer Presse hatte am Vortag entschieden, dies künftig nicht mehr auszuschliessen.

Verbandspräsident Hans-Heinrich Coninx forderte in seiner Präsidialansprache mehr Fairness im Journalismus. Die Medien dürften nicht Richter spielen. Das geschehe aber teilweise "und deshalb hat unsere Branche ein Imageproblem".

(ps/sda)

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