Die Komplexität der Krankenversicherung verwirrt die Versicherten
Versicherte sind schlecht informiert
publiziert: Donnerstag, 28. Okt 2010 / 08:41 Uhr
Viele Versicherte suchen aktiv nach Möglichkeiten, ihre Prämie zu reduzieren.
Viele Versicherte suchen aktiv nach Möglichkeiten, ihre Prämie zu reduzieren.

Jedes Jahr verzeichnet die Vergleichsseite bonus.ch einen deutlichen Anstieg der Besucherzahlen, nachdem die Prämienabrechnungen versendet wurden. Auf der Suche nach neutralen Informationen kontaktieren viele Versicherte die eingerichtete Helpline. Eine erste Beobachtung: Die gestellten Fragen betreffen Grundkenntnisse.

Viele Versicherte sind nach dem Erhalt ihrer Prämienabrechnungen überrascht, wie stark ihre persönliche Situation von der durchschnittlichen Prämienerhöhung, die vom BAG angekündigt wurde, abweicht. Angesichts des Anstiegs ihrer Prämien wenden sie sich in grosser Zahl an Vergleichdienste.

Basisinformationen gewünscht

Um einen besseren Service bieten zu können, hat bonus.ch seinen Nutzern eine Helpline zur Verfügung gestellt. 80 Prozent der Personen, welche die Helpline kontaktieren, wünschen Basisinformationen über die Grundlagen der Krankenversicherung (Leistungen der Grundversicherung, Notwendigkeit der Zusatzversicherungen, anwendbare Franchisen und Kündigungsfristen). 20 Prozent der Anfragen jedoch betreffen ganz speziell das Thema Managed Care, im Besondern die Vorteile und Einschränkungen der verschiedenen alternativen Modelle. Der Kundendienst von bonus.ch bestätigt: Viele Versicherte suchen aktiv nach Möglichkeiten, ihre Prämie zu reduzieren. So fragen 16 Prozent der Personen, wie man bei den Prämien sparen kann, 10 Prozent möchten wissen, welche ihre optimale Franchise ist, und 9 Prozent bitten um Beratung hinsichtlich des Wechsels der Krankenkasse.

Grosse Verwirrung

Bei vielen Versicherten lässt sich ebenfalls eine grosse Verwirrung bezüglich der Grund- und Zusatzversicherungen feststellen (gesetzliche Grundlagen, gedeckte Leistungen, Kündigungsfristen, usw.). 50 Prozent möchten wissen, ob man Grund- und Zusatzversicherungen unabhängig voneinander wechseln kann. Eine Frage, die immer wieder gestellt wird ist, ob eine Krankenkasse die Zusatzversicherungen kündigen kann, wenn man sich für den Wechsel der Grundversicherung zu einem anderen Anbieter entscheidet. «In den meisten Fällen wechseln die Versicherten die Krankenkasse nicht und fühlen sich ihrem derzeitigen Versicherer hilflos ausgeliefert. Diese Feststellung unterstützt die verschiedenen Vorschläge einiger Politiker, die den Markt der Grundversicherung von dem der Zusatzversicherungen trennen möchten», hebt Patrick Ducret, Direktor von bonus.ch, hervor.

Erhebliche Ersparnisse

Jede zweite Person, die auf bonus.ch einen Prämienvergleich durchgeführt hat, konnte feststellen, dass sie durch den Wechsel des Versicherungsmodells erhebliche Ersparnisse erzielen kann. Doch die an diese Modelle gebundenen Einschränkungen führen zu vielen Fragen bei den Versicherten. 41 Prozent der verzeichneten Anfragen betreffen das Modell «Hausarzt», 27 Prozent das Modell «HMO» und 32 Prozent setzen sich aus allgemeinen Fragen zum System der Managed Care zusammen. Die eingehenden Fragen zeigen deutlich: Die Versicherten möchten ihre Freiheit bei der Wahl des Arztes, des Spitals und der Apotheke bewahren. Doch realisieren mehr und mehr von ihnen, dass man durch einen Kompromiss diesbezüglich erhebliche Ersparnisse erzielen kann.

Ungenügend informiert

«Managed Care ist äusserst hilfreich im Bemühen, den ständigen Anstieg der allgemeinen Gesundheitskosten einzudämmen», betont Patrick Ducret. «Es ist offensichtlich, dass die Versicherten nicht ausreichend über diese alternativen Modelle informiert sind. Sie kennen ihre Rechte nicht genügend und realisieren ihr Sparpotenzial nicht, weil sie nicht wissen, dass manche Modelle der Managed Care mehr Flexibilität als andere bieten. Ausserdem unterstützt das Parlament auch weiterhin die Einführung dieser Modelle mit dem Ziel, die Gesundheitskosten zu reduzieren.»

(es/KMU Magazin)

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