Weniger Bereitschaft zum persönlichen Einsatz: In der Krise sinkt der Wille zum Umweltschutz
Verbraucher sehen den Staat in der Pflicht
publiziert: Dienstag, 19. Jan 2010 / 10:28 Uhr

Die Bereitschaft zum persönlichen Einsatz für den Umweltschutz sinkt. Wohl auch infolge der Wirtschaftskrise haben die Konsumenten offenbar andere Sorgen als den Umweltschutz. Das ergibt eine internationale Nielsen-Umfrage unter rund 28’000 Internet-Usern in 54 Ländern.

Die Sorgen der Schweizer konzentrieren sich bezüglich Umweltschutz stark auf die Luftverschmutzung (91%) und den Klimawandel (90%).
Die Sorgen der Schweizer konzentrieren sich bezüglich Umweltschutz stark auf die Luftverschmutzung (91%) und den Klimawandel (90%).
Root - Nach wie vor machen sich allerdings 72 Prozent der Schweizer Sorgen um die Umwelt. Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass die Schweiz damit im Mittelfeld liegt. Weltweit machen sich mehr als drei Viertel (78%) der Befragten Sorgen um die Umwelt. Im europäischen Vergleich sind die Schweizer leicht überdurchschnittlich (71%) besorgt, die Nachbarländer Österreich (66%) und Deutschland (65%) machen sich um die Umwelt weniger Sorgen.

Luftverschmutzung

Die Sorgen der Schweizer konzentrieren sich dabei sehr stark auf die Luftverschmutzung (91%), und den Klimawandel (90%). Weitere Aspekte haben bereits deutlichen Abstand. An dritter Stelle steht die Verschmutzung des Wassers (79%), gefolgt vom Verpackungsmüll und der Bodenverschmutzung (jeweils 73%). Auffallend ist, dass der Wille zum persönlichen Engagement sinkt, während der Staat vergleichsweise etwas stärker in die Pflicht genommen wird.

Persönliche Bereitschaft sinkt

Während vor zwei Jahren noch 37 Prozent der schweizerischen Konsumenten meinten, dass die Menschen im Interesse der Umwelt nach Möglichkeit regionale Produkte wie zum Beispiel saisonales Gemüse kaufen sollten, vertreten inzwischen nur noch 29 Prozent diese Ansicht. «Die Wirtschaftskrise hat für viele Konsumenten das Thema Umweltschutz als Top-Thema verdrängt», erklärt Petra Kacnik, Director Consumer Research, Nielsen Österreich und Schweiz. Beim Einsatz von Energiesparlampen oder energieeffizienten Geräten ist die Zustimmung in der Schweiz von 21 auf 17 Prozent gesunken. Dazu Kacnik: «Hier sieht man einen deutlichen Unterschied zu EU-Ländern: Dort haben die staatlich verordneten Energiesparlampen dazu geführt, dass sich die Konsumenten bei diesem Thema weniger in der Verantwortung sehen, sondern sich auf staatliche Regulierung verlassen. Die Schweiz liegt hier deutlich über dem europäischen Schnitt (13%).» Aber auch bei der Reduktion persönlicher Autofahrten gibt es einen Rückgang um fünf Prozentpunkte, wohl auch begründet durch gesunkene Treibstoffpreise.

Staat und Unternehmen in der Pflicht

Die Einstellung zu staatlichen Massnahmen hat sich zwar in den vergangenen zwei Jahren in der Schweiz kaum verändert, durch den Rückgang beim persönlichen Engagement erhält der Staat nun aber deutlich mehr Gewicht. «Ein interessanter Aspekt ist, dass die Schweizer im europäischen Vergleich jedoch deutlich weniger Massnahmen vom Staat erwarten», ergänzt Kacnik. So sind 30 Prozent der Befragten der Meinung, der Staat solle Projekte zur Erforschung von Umweltschutzmassnahmen initiieren (Europa: 38%). Nur 24 Prozent denken, es solle eine staatliche Begrenzung der CO2-Emissionen für Unternehmen geben (Europa: 37%).

Leicht verschlechtert hat sich in der Schweiz die Einstellung zum öffentlichen Verkehr: Waren 2007 noch 23 Prozent der Meinung, der Staat solle in die Verbesserung des öffentlichen Verkehrs investieren, sind es heute 21 Prozent. «Dieser leichte Rückgang ist wohl mit dem bereits sehr gut ausgebauten öffentlichen Verkehr in der Schweiz zu begründen.» Grundsätzlich rechnet er damit, dass die wirtschaftliche Erholung dazu beitragen wird, den Klimaschutz im Bewusstsein der Menschen wieder auf einen prominenten Platz zu holen.

(is/KMU Magazin)

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