IBM Swiss Banking Survey 2008
Trotz Finanzkrise: Banken erwarten Wachstum
publiziert: Donnerstag, 17. Jul 2008 / 07:31 Uhr

Trotz der globalen Finanzkrise haben die Schweizer Banken überdurchschnittliche Wachstumsziele für 2008 definiert. Wie die Befragung von 40 Top Managern der Finanzbranche zeigt, wollen die Banken dies mehrheitlich mit organischem Wachstum und nicht mit Übernahmen realisieren.

Auf dem Schweizer Bankenmarkt fällt auf, dass ein starker Fokus auf die Gewinnung von Marktanteilen zulasten der Konkurrenz besteht.
Auf dem Schweizer Bankenmarkt fällt auf, dass ein starker Fokus auf die Gewinnung von Marktanteilen zulasten der Konkurrenz besteht.
Stark gewichtet wird dabei die persönliche Beziehung der Kundenbetreuer, die dem Kunden mit ihrer Beratungskompetenz ganzheitliche Services anbieten können, weniger die einzelnen Produkte.

Wachstumschancen beurteilt

Die Schweiz hat im internationalen Wettbewerb der Finanzplätze eine einzigartige Ausgangslage. Als weltweiter Marktführer im grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungsgeschäft sind die Schweizer Banken in der Poleposition, um auch in Zukunft vom Wachstum zu profitieren und ihre führende Rolle zu verteidigen. Im Schweizer Retailbankgeschäft hingegen, das von Kantons- oder Landesgrenzen eingeschränkt wird, herrscht ein starker Verdrängungswettbewerb.

IBM Global Business Services wollte von den Schweizer Banken wissen, wie sie ihre zukünftigen Wachstumschancen beurteilen und befragte zwischen Januar und April 2008 rund 40 Top Manager von Schweizer Retail-, Universal- und Privatbanken. Es ist die erste grössere Studie nach dem Einsetzen der aktuellen Finanzmarktkrise.

Hohe Wachstumsziele für 2008 definiert

Trotz der globalen Finanzkrise haben die Banken für 2008 Wachstumsziele definiert, die über dem Marktwachstum liegen. 70 Prozent der befragten Privatbanken planen ihre Kundenvermögen um mehr als 5 Prozent zu vermehren. Bei den Universalbanken sind es sogar 76 Prozent der Banken, die ein Wachstum ihrer Marktanteile von über 5 Prozent anstreben. Besonders die kleinen und mittelgrossen Banken glauben, von den aktuellen Unsicherheiten an den globalen Finanzmärkten profitieren zu können. Kunden schätzen vermehrt wieder die Nähe und Sicherheit, die sie in diesem Bankensegment finden.

«Auf dem Schweizer Bankenmarkt fällt auf, dass ein starker Fokus auf die Gewinnung von Marktanteilen zulasten der Konkurrenz besteht, hingegen herrscht bei der Verhinderung des Abflusses eigener Kundengelder eine gewisse Ratlosigkeit», erklärt Jan Seffinga, Partner, IBM Global Business Services und Co-Autor der Umfrage.

Organisches Wachstum statt Übernahmen

Wenn es um die Umsetzung der Wachstumsziele geht, setzt die Mehrheit der Banken auf ein organisches Wachstum. Übernahmen von anderen Banken wird nur von einer Minderheit als Wachstumsstrategie definiert. Universalbanken sehen als Option eine geografische Expansion, um in neue Märkte zu expandieren. Kantonalbanken ziehen vermehrt in Betracht, Niederlassungen in anderen Kantonen oder sogar im nahen Ausland zu eröffnen.

Persönliche Beziehung als der kritische Differenzierungsfaktor

Sowohl die Privat- also auch die Universalbanken geben heute als zentralen Differenzierungsfaktor die persönliche Beziehung zum Kunden und die Qualität der Beratungsleistung an. Gleichzeitig wird dies aber auch als die grösste Herausforderung für ein zukünftiges Wachstum angegeben. Die Banken sprechen von einem regelrechten «War of Talents». Vor allem die Kundenberater von Privatkunden, die ein bestehendes Kundenportfolio verwalten, werden zurzeit an den internationalen Finanzplätzen stark umworben.

«Die Banken haben die Wichtigkeit der Mitarbeiter im Kampf um Marktanteile erkannt. Sie stehen vor der Herausforderung, ihre Mitarbeiter in einem hart umkämpften Arbeitsmarkt laufend aus- und weiterzubilden, um den Kunden einen qualitativ hoch stehenden und ganzheitlichen Service zu erbringen», sagt Roger Altorfer, Partner bei IBM Global Business Services und Co-Autor der Studie.

Erfolgsfaktor Geschäftsmodell

Die meisten Banken besinnen sich heute auf ihre traditionellen Stärken, die aus ihrem Geschäftsmodell hervorgehen. So bezeichnen Regionalbanken die Nähe zum Kunden, die Kantonalbanken die Sicherheit, die Privatbanken ihre Diskretion und die Grossbanken ihre internationale Ausbreitung als Differenzierungsfaktoren, um sich von der Konkurrenz abzuheben. Verschiedene Universalbanken haben bereits heute die erfolgreiche Transformation zur Vertriebsbank und eine konsequente Kundenfokussierung eingeleitet. Einige Privatbanken haben bereits den Schritt zur geografischen Diversifizierung gemacht und sind heute weniger abhängig vom Heimmarkt Schweiz.

Privatbanken und Universalbanken nähern sich an

Die Mehrheit der traditionellen Retailbanken in der Schweiz bezeichnet sich heute als Universalbanken. Fast alle bieten neben den klassischen Retailprodukten auch Produkte an, die noch vor ein paar Jahren den Privatbanken vorbehalten waren. Auf der anderen Seite bieten heute klassische Privatbanken auch Hypotheken und Kreditkarten an. Beide sprechen mit diesen Dienstleistungen vermehrt das mittlere wohlhabende Kundensegment an.

Komplexe Produkte alleine genügen nicht

Nur noch wenige Banken geben an, dass sie sich über ihre Produkte von der Konkurrenz abheben können. Es werden heute zunehmend ganzheitliche Lösungen für Kunden gesucht. Zunehmend versuchen die Universalbanken auch Versicherungsprodukte mit klassischen Bankprodukten zu kombinieren. Hier können diejenigen Banken profitieren, die konzernintern über die entsprechende Kompetenz verfügen. Andere Banken sind Kooperationen eingegangen, um Zugang zu diesen Produkten zu bekommen.

(so/KMU Magazin)

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