Grossdemo in Mailand
Tausende fordern Berlusconis Rücktritt
publiziert: Samstag, 8. Okt 2011 / 19:16 Uhr
Oppositionsbewegung «Freiheit und Gerechtigkeit».
Oppositionsbewegung «Freiheit und Gerechtigkeit».

Rom - In Rom und Mailand sind am Samstag zehntausende Italiener gegen die umstrittene Regierung von Silvio Berlusconi auf die Strasse gegangen. Dem Protest in Rom von Beschäftigten öffentlicher Dienste schlossen sich auch Familien und Studenten an.

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Die Demonstration in Rom, welche von der grössten Gewerkschaft CGIL organisiert war, erfolgte unter dem Motto «Ohne den öffentlichen Dienst wirst Du Deiner Rechte beraubt» (Senza il Pubblico sei Privato dei tuoi diritti).

Das Sparpaket der Regierung Berlusconi hat nach Schätzungen einen Umfang von rund 90 Milliarden Euro. Vertreter der Gewerkschaft warnten, dass in dem Zeitraum von 2008 bis 2013 insgesamt 300'000 Stellen gestrichen werden könnten.

Am Freitag war Italiens Bonität herabgesetzt worden - von der dritten Ratingagentur innerhalb weniger Wochen. Das Land weist nach Griechenland den höchsten Schuldenstand in der Eurozone - gemessen an der Wirtschaftsleistung - auf.

«Das wahre Italien»

In Mailand war der Umzug von der ausserparteilichen Gruppierung «Freiheit und Gerechtigkeit» (Giustizia e libertà) einberufen worden. Unter den Teilnehmern war auch der italienische Schriftsteller Roberto Saviano, Autor des Buchs «Gomorrah» über die neapolitanische Mafia.

«Italien darf nicht resignieren und nicht glauben, dass sich im Land nie etwas ändern wird. Diese Regierung ist schon seit längerer Zeit politisch tot, doch diese lange Agonie wird fortgesetzt, weil es keine grosse Volksbewegung gibt, die neue Projekte und glaubwürdige Reformen voranbringen kann. Das muss sich ändern», sagte Saviano in seiner Ansprache.

Der norditalienische Erfolgsautor Umberto Eco («Der Name der Rose») meldete sich in einer schriftlichen Botschaft zu Wort: «In diesem erschreckenden Untergang der Politik wollen wir die Stimme des noch gesunden und zivilisierten Teils Italiens erheben, um auch im Ausland klarzustellen, dass wir das wahre Italien sind.»

Keine Rücktrittsabsicht

Berlusconi lässt sich von den Protestkundgebungen offenkundig nicht beeindrucken. Am Freitag beteuerte er in einer Ansprache für Aktivisten seiner Mitte-Rechts-Partei «Volk der Freiheit» (PdL - Popolo della libertá), dass er nicht zurücktreten, sondern weiterhin regieren werde.

(bert/sda)

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