Tausende Menschen zum 1. Mai auf der Strasse
publiziert: Donnerstag, 1. Mai 2008 / 14:49 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 1. Mai 2008 / 15:40 Uhr

Zürich - Mehrere tausend Menschen haben am Donnerstag am traditionellen 1.-Mai-Umzug durch die Zürcher Innenstadt teilgenommen. An der Schlusskundgebung rief der neue SP-Präsident Christian Levrat zu «sozialem Fortschritt» auf.

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Bei heftigem Regen und anschliessender Sonne zogen die Demonstranten am Donnerstagmorgen friedlich von der Sihlpost durch die Bahnhofstrasse und Limmatquai zum Bürkliplatz. Auf mitgeführten Transparenten standen antikapitalistische Parolen. Gefordert wurden zudem faire Arbeitsbedingungen und Krankenkassenprämien sowie Bildungsfreiheit.

Gemäss einer Schätzung der SDA nahmen rund 7000 Personen am Umzug teil, die Stadtpolizei Zürich gab die Zahl der Teilnehmenden mit knapp 10'000 an, die Organisatoren sprachen von 12'000. Unter den Teilnehmern befanden sich Gewerkschafter sowie Vertreter von verschiedensten Einwanderungsgruppen wie den kurdischen und tamilischen Gemeinschaften.

Laut Polizeiangaben waren auch rund 300 Personen aus der linksautonomen Szene dabei. Die von den Gewerkschaften mitorganisierte Kundgebung stand unter dem Motto «Sozialer Fortschritt - jetzt». Das 1.-Mai-Komitee hatte zudem zu «Teilen statt herrschen» aufgerufen.

Allgemeine Lohnerhöhung gefordert

Bei der Schlusskundgebung auf dem Bürkliplatz sprach der neue SP-Präsident Christian Levrat. Er ging in seiner Rede auf die Bankenkrise und ihre Folgen ein. «Die drohende Krise in der Schweiz hat ein Gesicht: Marcel Ospel», sagte er.

Dabei geisselte der Präsident der SP Schweiz insbesondere das Schweigen der bürgerlichen Parteien. Sie würden vor den richtigen Problemen dieser Welt die Augen verschliessen.

Levrat sieht zwei Gründe dafür: Einerseits hätten die Bürgerlichen einen blinden Glauben in die Kräfte des Marktes. Ausserdem würden sie von der UBS finanziert. «Wir brauchen endlich Transparenz in der Parteienfinanzierung.» Weiter forderte Levrat eine allgemeine Lohnerhöhung. Es sei unwürdig, dass

Leute in der Schweiz mit tiefen Löhnen abgespeist würden. Ausserdem gebe es weiterhin keine Lohngleichheit zwischen Mann und Frau. «Es ist eine Schande, dass dieser Unterschied noch weiter wachsen wird.»

In Weiterbildung investieren

Arbeitgeber sollten zudem mehr in die Weiterbildung ihrer Arbeiter investieren, sagte Levrat weiter. Es sei nicht annehmbar, dass Leute mit 50 Jahren bereits aus der Arbeitswelt scheiden würden, weil ihre Ausbildung nicht mehr ausreiche.

Auch hier stünden die bürgerlichen Parteien in der Verantwortung. Der Präsident der Gewerkschaft Kommunikation setzte sich zudem für ein flexibles Rentenalter ab 62 ein.

Linke für nationalen Zusammenhalt

Der Freiburger Nationalrat thematisierte zudem den nationalen Zusammenhalt. «Wir müssen der sozialen Kohäsion in der Schweiz Sorge tragen», sagte Levrat weiter. Die Regionen müssten zusammenbleiben. «Wir sind die Bewegung der Solidarität, damit es in der Schweiz wärmer wird.»

Gemäss Levrat befindet sich das Land an einem Wendepunkt: «Entweder modernisieren wir die Schweiz und definieren die Solidaritäten neu oder wir lassen die bürgerlichen Parteien unser Sozialsystem abbauen.»

Die Kundgebung und das 1.-Mai-Fest wurden in diesem Jahr in der Stadt Zürich getrennt durchgeführt. Aus Sicherheitsgründen findet das Volksfest ab dem (morgigen) Freitag statt. Erstmals seit 1928 fuhren die Zürcher Trams und Busse am Tag der Arbeit durchgehend.

(tri/sda)

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