Swisscom leidet weiterhin unter Preiszerfall
publiziert: Mittwoch, 29. Nov 2000 / 10:21 Uhr

Bern - Die Swisscom leidet weiterhin unter sinkenden Telefonpreisen. In den ersten neun Monaten hat die Ex-Monopolistin dank der deutschen Tochter debitel zwar mehr Umsatz erzielt, dabei aber operativ weniger verdient.

Der Umsatz kletterte um 36,3 Prozent auf 10,479 Mrd. Franken, wie der Konzern am Mittwoch bekannt gab. Dieser Zuwachs ist alleine debitel zu verdanken, die erstmals in der Swisscom-Rechnung auftaucht. Ohne die deutsche Tochter wäre der Umsatz von 7,69 Mrd. Fr. in der Vorjahresperiode leicht auf 7,614 Mrd. Fr. gesunken.

Ebenfalls rückläufig war der Betriebsgewinn (EBIT), der um 32,9 Prozent auf 1,589 Mrd. Fr. abrutschte. Lediglich dank Verkäufen von Beteiligungen (vor allem an Cablecom) und einem positiven Finanzergebnis kletterte der Reingewinn von 1,684 Mrd. auf 2,995 Mrd. Franken.

Über den Erwartungen

Mit diesen Zahlen hat die Swisscom die Erwartungen leicht übertroffen. Analysten hatten bei einem Umsatz von 10,4 Mrd. Fr. lediglich ein EBIT von 1,5 Mrd. Fr. prognostiziert.

Für das Gesamtjahr 2000 rechnet Swisscom auf Grund des Margendrucks und der Marktanteilsverluste in der Festnetztelefonie mit einem deutlich tieferen Betriebsergebnis als 1999. Dank der Veräusserung von Beteiligungen erwartet der Konzern jedoch eine leichte Zunahme des Reingewinns im Vergleich zum Vorjahr.

Festnetztelefonie schrumpft massiv

Weiterhin der grösste Bereich der Ex-Monopolistin ist die Festnetztelefonie (Public Com), die allerdings rapide schrumpft. In den ersten neun Monaten 2000 ging der Umsatz wegen Marktanteilsverlusten und Preissenkungen um 19,4 Prozent auf 3,145 Mrd. Fr. zurück.

Das Ergebnis aus der Festnetztelefonie halbierte sich und steuerte mit 594 Mio. Fr. noch 37,4 Prozent zum Betriebsgewinn bei. Im gleichen Vorjahreszeitraum waren es noch leicht mehr als die Hälfte gewesen. Die EBIT-Marge verschlechterte sich von 29,5 Prozent auf 17,8 Prozent.

Weiterhin wachsen konnte dagegen die Mobiltelefonie (Mobile Com), die 2,114 Mrd. Fr. umsetzte. Dies ist ein Plus von 21 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode. 681 000 Neukunden seien dazu gekommen. Insgesamt hat Swisscom mit 2,97 Mio. Kunden in der Schweiz einen Marktanteil von 67 Prozent. Die Handy-Kurzmitteilungen (SMS) hätten sich auf 418 Mio. verdreifacht.

Allerdings wachsen auch in diesem Bereich die Bäume nicht mehr in den Himmel. Wegen einer zunehmenden Marktsättigung könnten die Wachstumsraten in Zukunft nicht aufrecht erhalten werden, hiess es.

Der durchschnittliche monatliche Umsatz pro Kunde ging von 85 Fr. in der Vorjahresperiode auf 73 Fr. zurück. Das Betriebsergebnis sank um 3,2 Prozent auf 959 Mio. Franken. Die EBIT-Marge schrumpfte von 47,4 Prozent in der Vorjahresperiode auf 37,6 Prozent.

debitel-Expansion kostet

Die deutsche Tochter debitel konnte den Umsatz um 30,9 Prozent auf 2,865 Mrd. Fr. steigern. Auch die Kundenzahl wuchs markant, und zwar auf 7,4 Mio. im laufenden Jahr. Alleine in Deutschland seien im laufenden Jahr 2,3 Mio. Neukunden dazugekommen.

Allerdings ging der EBIT wegen der höheren Kosten für Kundenanwerbung und geringeren Betriebsmargen im Auslandgeschäft zurück, wie es hiess. Vor Goodwill-Abschreibungen belaufe sich der EBIT auf 87 Mio. Franken. Wegen Goodwill-Abschreibungen von 248 Mio. Fr. belastete debitel den Betriebsgewinn des Konzerns mit einem operativen Verlust von 161 Mio. Franken.

(la/sda)

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