Stromausfall: «Babyboom» und Plünderungen
publiziert: Sonntag, 5. Nov 2006 / 14:18 Uhr

Bern - Stromausfälle legen oft ganze Regionen und Metropolen mit Millionen von Menschen lahm - manchmal für Stunden. In den vergangenen Jahren kam es in mehreren Industrieländern zu Blackouts, darunter in der Schweiz.

Der SBB-Stromausfall: Am frühen Abend des 22. Juni 2005 waren in der Schweiz 2000 Züge stillgestanden.
Der SBB-Stromausfall: Am frühen Abend des 22. Juni 2005 waren in der Schweiz 2000 Züge stillgestanden.
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Am frühen Abend des 22. Juni 2005 waren in der Schweiz 2000 Züge stillgestanden, viele davon auf offener Strecke oder in Tunnels. Gegen 200 000 Reisende waren blockiert. Eine externe Untersuchung nannte im Februar technische Gründe sowie mit der Situation überforderte Angestellte als Ursachen des SBB-Blackouts.

Der jüngste Stromausfall in Westeuropa weckte mindestens in Italien auch Erinnerungen an den Blackout in der Nacht vom 28. auf den 29. September 2003. Damals gingen wegen einer Panne auf der Lukmanier-Zulieferleitung in der Schweiz von Mailand bis Palermo für 56 Millionen Menschen die Lichter aus. Da es ein Sonntag war, blieb ein Chaos aus.

Der Sturm «Lothar» führte am 26. Dezember 1999 in der Schweiz sowie in Süddeutschland zu Stromausfällen. In Frankreich hatten 3,6 Millionen Menschen keinen Strom.

Blackout vor Olympiade

Auch andere europäische Ländern werden hin und wieder von massiven Stromausfällen gebeutelt. Russlands Hauptstadt Moskau erlebte am 25. Mai 2005 den schlimmsten Stromausfall seiner Geschichte.

Zehntausende waren in U-Bahnen und Liften eingeschlossen. Der Verkehr in der Elf-Millionen-Metropole brach zusammen, die Wasserversorgung war gestört. Rund einen Monat vor dem Start der Olympischen Spiele hatte Südgriechenland am 12. Juli 2004 für Stunden mit einem Chaos nach einem Stromausfall zu kämpfen.

Strommasten brechen zusammen

In der Hauptstadt Athen sassen tausende Menschen in U-Bahnen fest. Insgesamt waren rund sechs Millionen Menschen betroffen. Ursache war das gleichzeitige Hochfahren von Tausenden von Klima-Anlagen. Bereits am 6. Oktober 2003 waren weite Teile Athens kurzfristig von einem Blackout lahmgelegt.

Im deutschen Münsterland brachen im November vergangenen Jahres wegen starker Belastung durch Schnee, Eis und Wind mehr als 80 Strommasten zusammen. Zeitweise waren bis zu 250 000 Menschen in der nordrhein-westfälischen Region über Stunden ohne Strom. Einige Tausend Betroffene waren bis zu fünf Tage vom Netz getrennt.

Im deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz sowie in Luxemburg fiel am 3. September 2004 der Strom aus. Etwa eine Million Menschen waren davon betroffen. Ein Schaltfehler im schwedischen Atomkraftwerkt Oskarshamn führte am 23. September 2003 zu einem Stromausfall in Teilen Dänemarks und Schwedens. Mehr als drei Millionen Menschen waren ohne Strom.

«Babyboom» und Plünderungen

Auch die USA sind immer wieder von Stromausfällen betroffen. Der grösste Blackout in der Geschichte Nordamerikas ereignete sich am 14. August 2003. Rund 50 Millionen Menschen waren ohne Strom. Ursache war der Zusammenbruch einer der grössten Stromkreise in Cleveland/Ohio.

Der erste Blackout, der weltweites Aufsehen erregte, geschah ebenfalls in den USA. Am 8. November 1965 waren rund 30 Millionen Menschen an der Ostküste der USA und Kanadas im Dunkeln. Eine Stromschaltzentrale an der kanadischen Grenze war zusammengebrochen. Neun Monate später kam es zum «Babyboom».

Am 13. Juli 1977 kam es bei einem Stromausfall in New York zu massiven Plünderungen.

(li/sda)

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