Ärger in der Pharmabranche
Streit über im Ausland gekaufte Medikamente
publiziert: Donnerstag, 7. Jan 2016 / 15:27 Uhr
Tiefere Medikamentenpreise im Ausland.
Tiefere Medikamentenpreise im Ausland.

Bern - Tiefere Preise verlocken dazu, Medikamente im Ausland zu kaufen. Doch wer sich die Kosten von der Krankenkasse zurückerstatten lassen will, muss aufpassen: Eigentlich dürfen die Kassen in diesen Fällen nicht zahlen. Manche tun es dennoch - zum Ärger der Pharmabranche.

2 Meldungen im Zusammenhang
«Gewisse Kassen vergüten kulanterweise auch Medikamente, die im Ausland gekauft wurden», sagt Andreas Schiesser, Projektleiter Medikamente beim Krankenkassendachverband santésuisse. Das sei für die Versicherten und für die Versicherer günstiger.

Was die Kassen als «Kulanz» bezeichnen, nennt der Pharmaverband Interpharma einen Rechtsbruch. Dass Krankenkassen im Ausland gekaufte, verschreibungspflichtige Medikamente vergüten, ist aus Sicht von Interpharma klar gesetzeswidrig, wie Sprecherin Sara Käch auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagt.

BAG hat reagiert

Tatsächlich dürfen Versicherer im Ausland gekaufte Medikamente gemäss Gesetz nur dann bezahlen, wenn der Patient während eines Auslandaufenthaltes wegen einer Erkrankung Arzneimittel benötigt. Denn in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung gilt das sogenannte Territorialitätsprinzip.

Dass manche Kassen dagegen verstossen, weiss auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG). «Das BAG hat Kenntnisse von einzelnen Fällen und hat dort auch interveniert», heisst es auf Anfrage. Das BAG habe die Versicherer im Rahmen des regelmässigen Austauschs auf die gesetzlichen Bestimmungen aufmerksam gemacht. In einzelnen Fällen seien auch Weisungen erlassen worden. Bussen hat das BAG bisher nach eigenen Angaben nicht ausgesprochen.

Kalte Füsse und eine rote Karte

Gefruchtet haben die Interventionen des BAG offenbar wenig. Santésuisse hat laut Schiesser keine Kenntnis von Weisungen des BAG diesbezüglich. Er rät Versicherten, vorab bei ihrer Krankenkasse anzufragen, wie sie diese Frage handhaben - denn viele Kassen würden sich zwar kulant zeigen, dies aber nicht aktiv kommunizieren.

«Viele haben kalte Füsse bekommen, weil sie befürchten, dass das BAG plötzlich auf der Matte steht», sagt Schiesser. Deshalb stellten die Krankenkassen diese Praxis nicht ins Schaufenster.

Pointiert äusserte sich dagegen santésuisse-Direktorin Verena Nold. Sie rief im Dezember in einem Interview mit dem «Blick» dazu auf, Medikamente im Ausland zu kaufen: «Wir geben die Empfehlung: Kaufen Sie Generika im Ausland! Viele Kassen erstatten den Betrag zurück.»

Für diesen Aufruf erhielt sie umgehend eine rote Karte von Interpharma-Geschäftsführer Thomas Cueni. «Es ist sehr bedenklich, wenn ein Krankenkassenverband zu Rechtsbruch aufruft», sagt Sprecherin Käch. Es gehe um Arzneimittelsicherheit - und damit auch um die Sicherheit der Patienten.

Prämienanstieg dämpfen

Aus Sicht von santésuisse stellt sich jedoch die Frage, ob das Territorialprinzip in allen Fällen sinnvoll ist. Schliesslich könnte durch günstigere Medikamente aus dem Ausland der Prämienanstieg gedämpft werden, gibt Schiesser zu bedenken. «Hierzu braucht es neue Regelungen.» Santésuisse hoffe, dass durch die Preisvergleiche «eine gewisse Bewegung in den rechtlichen Rahmen kommt».

Der letzte Preisvergleich von Interpharma und santésuisse hatte gezeigt, dass in der Schweiz Generika rund doppelt so teuer sind wie Nachahmerprodukte im vergleichbaren Ausland. Bei den Originalpräparaten beträgt der Preisunterschied rund zehn Prozent.

Interpharma warnt jedoch davor, das Territorialprinzip aufzuweichen. «Wenn man damit beginnt, dann wollen sich bald die ersten im Ausland versichern lassen», sagt Käch. Das sei eine falsche Entwicklung.

Das Gesundheitswesen sei stark reglementiert - nicht nur, was die Medikamente betreffe. «Und das ist auch gut so: Es geht schliesslich um Qualität.» Die Patienten hätten Anrecht auf sichere und gute Medikamente und raschen Zugang zu Innovation.

(kris/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Lausanne/Bern - Bei der Überprüfung der Medikamentenpreise muss auch der Nutzen eines Medikaments berücksichtigt ... mehr lesen
Das BAG muss prüfen, ob die Medikamente die gesetzlich vorgeschriebenen Aufnahmebedingungen noch erfüllen. (Symbolbild)
Solutions for orphan diseases.
Value and Risk in Pharma and Biotech
Avance, Basel GmbH
Lautengartenstrasse 7
4052 Basel
R&D for new antibiotics and and their biotechnological production proce ...
Es werde kein gradliniger Weg, sagte Novartis-Chef Joseph Jimenez bei einer Investorentagung.
Es werde kein gradliniger Weg, sagte Novartis-Chef Joseph Jimenez bei ...
Ein Blick in die Zukunft  Zürich - Langfristig werden die Margen in der Pharma-Sparte von Novartis steigen. Allerdings werde dies kein gradliniger Weg, sagte Novartis-Chef Joseph Jimenez bei einer Investorentagung. Vielmehr werde es ein eher holpriger Weg. 
«Chem-Phys»  San Diego - Forscher der University of California San Diego (UCSD) haben den ersten flexiblen, tragbaren ...  
Bayer wird grösser.
Mega-Fusion in der Agrarchemie  Berlin - Nun steht der Preis fest: Der deutsche Chemiekonzern Bayer will den ...  
Titel Forum Teaser
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3937
    "Flüchtlingskrise" Lösen kann man das Problem nur in den Ländern aus denen die Leute ... gestern 09:33
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3937
    Der... Grund für die Misere liegt ganz woanders und ist im Prinzip sehr ... Di, 24.05.16 11:04
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3937
    Über... viele Jahre Schwarzarbeit ausüben, ist nur dann erlaubt, wenn sie aus ... So, 22.05.16 12:48
  • Kassandra aus Frauenfeld 1760
    Wer glaubt denn noch unserer Notenbank? Einen Monat bevor sie den Frankenkurs gegenüber ... Do, 12.05.16 16:43
  • jorian aus Dulliken 1752
    Solch ein Blödsinn! Der wahre Grund, dass man die grossen Noten abschaffen will, ist der, ... Mi, 11.05.16 17:42
  • Kassandra aus Frauenfeld 1760
    Na und? Hier wird beschrieben, wie eine Solaranlage sich selbst zurückregelt, ... Mi, 04.05.16 00:04
  • OldFred aus Thalwil 5
    Schweizer Pionierwerk Meine lieben "Ingenieur-Kollegen" von unserer innovativen "Hochschule", ... Di, 03.05.16 21:24
  • Kassandra aus Frauenfeld 1760
    Offenbar verstehen die USA nichts vom Verhandeln, dafür mehr vom Erpressen. Die Schweiz zahlt Milliarden ... Mo, 02.05.16 10:27
86 Prozent des Stroms aus Energieträgern wurden in der Schweiz produziert.
Green Investment Hälfte des Stroms stammt aus Wasserkraft Bern - Der Strom aus Schweizer Steckdosen stammte ...
Das Crowdfunding hat um 73 Prozent zugelegt.
Startup News Crowdfunding in der Schweiz markant gewachsen Luzern - Auf tiefem Niveau ist der Markt für Schwarmfinanzierung (sog. Crowdfunding) in der Schweiz erneut stark gewachsen. Diese Art der Geldbeschaffung ...
Jedes dritte KMU in Deutschland hat 2011-2013 Energie eingespart.
KMU-Magazin Research Energiewende ist im Mittelstand angekommen Die kleinen und mittleren Unternehmen sind auf ...
 
Wettbewerb
   
Die Alp Grosser Mittelberg im Justistal.
Viel Glück  Die Alpsaison steht vor der Tür. Damit Wanderfreunde den Weg zu den schönsten Alpbeizli finden, haben wir ein Gewinnspiel parat.
Mitmachen und gewinnen.  Rechtzeitig zur Premiere von «The First Avenger: Civil War» verlosen wir zwei Fan-Pakete mit jeweils zwei Kinoeintritten.
Stellenmarkt.ch
Wirtschaft Marken
   Marke    Datum
27.05.2016
textilschweiz textilesuisse tessilesvizzera Logo
27.05.2016
Der Unterflur-Container Logo
26.05.2016
Der Bioabfallcontainer Logo
26.05.2016
data share Logo
25.05.2016
    Information zum Feld
Bitte geben Sie hier einen Markennamen ein wie z.B. 'Nespresso'
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute So Mo
Zürich 14°C 25°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig viele Gewitter bewölkt, etwas Regen
Basel 14°C 25°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Gewitter möglich stark bewölkt, Regen
St. Gallen 15°C 23°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft bewölkt, etwas Regen
Bern 14°C 24°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig stark bewölkt, Regen stark bewölkt, Regen
Luzern 14°C 24°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft bewölkt, etwas Regen
Genf 13°C 25°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Gewitter möglich stark bewölkt, Regen
Lugano 16°C 23°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Gewitter möglich Gewitter möglich
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten