Alarmierende Zahlen
Sparprogramme und Jugendarbeitslosigkeit: Europas Teufelskreis
publiziert: Mittwoch, 15. Mai 2013 / 08:45 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 22. Mai 2013 / 10:38 Uhr
Im März war fast ein Viertel aller jungen Europäer unter 25 Jahren arbeitslos.
Im März war fast ein Viertel aller jungen Europäer unter 25 Jahren arbeitslos.

In Deutschland, dem einflussreichsten Land Europas, steht die Bundestagswahl vor der Tür. Vielleicht ist das für die Kanzlerin ein Anlass, über ihr Vermächtnis nachzudenken.

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In vielerlei Hinsicht wird Angela Merkel höchste Anerkennung zuteil. Ihre Politik hatte gewiss Auswirkungen auf die ganze Welt und die Folgen ihres Handelns werden zweifellos noch in der nächsten Generation spürbar sein − vielleicht nur nicht ganz so, wie sie sich das vorgestellt hatte.

Denn in den Städten der Eurozone ist eine erschreckend grosse Zahl junger Menschen arbeitslos. In Europa war die Arbeitslosenquote immer relativ hoch − selbst in guten Zeiten. Doch die jüngsten Statistiken sind wirklich eine bittere Lektüre.

Im März war fast ein Viertel aller jungen Europäer unter 25 Jahren arbeitslos. Damit ist die Jugendarbeitslosigkeit im Durchschnitt doppelt so hoch wie die Arbeitslosenquote insgesamt in der Region. Die Zahlen sind so alarmierend, dass sogar die Internationale Arbeitsorganisation ILO vor den katastrophalen Auswirkungen auf das soziale Gefüge warnte.

Ein quantitatives Problem

«Es handelt sich hierbei ja nicht nur um ein quantitatives Problem», erklärt Moazam Mahmood, der die Abteilung Wirtschafts- und Arbeitsmarktanalyse der ILO leitet. «Es geht auch um qualitative Aspekte. Finden junge Leute zu Beginn ihres Arbeitslebens nicht gleich einen Job, brauchen sie länger, um einzusteigen. Ausserdem fallen ihre Gehälter niedriger aus.»

Die Ironie der Geschichte: Bei dem Versuch, den Nachbarn im Süden die Vorzüge harter Arbeit durch eiserne Haushaltsdisziplin näherzubringen, hat Merkel der Jugend dort die Möglichkeit genommen, zum ersten Mal im Leben eben jene Entlohnung zu erfahren, die eine Arbeitsstelle mit sich bringen kann.

Blackrock-Chef Larry Fink fasste Europas Arbeitsmarktprobleme beim jährlichen Symposium an der Universität St. Gallen kurz und prägnant zusammen und sprach alle Altersgruppen im Publikum an: «Wir stehen vor folgendem Problem: In kürzester Zeit haben wir sehr grosse Einschnitte im öffentlichen Bereich erfahren − aber keiner hat sich Gedanken darüber gemacht, wie der private Sektor für diese Leute Stellen schaffen könnte.» Wirtschaftsführer wie Fink sind der Ansicht, dass es die Regierungen weltweit versäumt haben, Steuervergünstigungen oder andere Anreize zu schaffen, die Firmen der Privatwirtschaft motiviert hätten, Leute während des Abschwungs einzustellen.

Teufelskreis aus Entmutigung und Depression

Die Internationale Arbeitsorganisation empfiehlt zudem, dass die Staaten und die Industrie in Fort- und Ausbildung investieren sollten, solange die Arbeitsmarktsituation so angespannt ist. Damit könnte auch der Teufelskreis aus Entmutigung und Depression bei den jungen Leuten durchbrochen werden, die momentan nicht in der Lage sind, eine sinnstiftende Anstellung zu finden.

«Zum Klatschen braucht man immer zwei Hände», sagt Mahmood. «Wir benötigen Programme, die den jungen Leuten Bildung und Beschäftigung garantieren und die von den Staaten getragen werden.» Für solche Vorhaben braucht es natürlich jede Menge Geld, das in Europa heutzutage längst nicht mehr so locker sitzt wie früher.

In Griechenland, wo die Jugendarbeitslosigkeit die furchterregende 60-Prozent-Marke durchbrochen hat, droht nicht nur ständig der Ausbruch weiterer Unruhen, sondern auch die Abwanderung hoch qualifizierter Arbeitskräfte.

Ein griechischer Tycoon, der in den 60er Jahren auswanderte und danach ein Vermögen machte, erzählte mir, wie er während der Aufstände im letzten Sommer zwei Tage eingeschlossen im Athener Luxushotel Grand Bretagne verbrachte, etliche Meetings versäumte und um seine Sicherheit bangte.

«Es schien, als sei es nicht mehr das gleiche Land. Mir fällt es schwer, das zu sagen, aber es war das Beste, damals zu gehen, als ich noch jung war. Und das ist schon einige Jahre her», sagte er.

Konstantinos Michalos, der Präsident der Industrie- und Handelskammer von Athen, befürchtet, dass es eines Tages nicht leicht wird − wenn sich der Arbeitsmarkt wieder erholt hat − jene Griechen ins Land zurückzuholen, die ihre Heimat in diesen Tagen verlassen möchten oder bereits verlassen haben.

Nicht nur Griechenland kämpft mit dieser «verlorenen Generation»

«In den vergangenen 30 bis 40 Jahren konnte man immer eine gewisse Abwanderung nach Nordeuropa beobachten, doch nun verlassen hoch qualifizierte Arbeiter das Land ebenso wie einfache Hilfsarbeiter», erklärt er. «Und wenn sie einmal weg sind, ist es schwer, sie wieder zurückzulocken.» Nicht nur Griechenland kämpft mit dieser «verlorenen Generation», wie sie der Chef des Internationalen Währungsfonds bezeichnet hat; fast zwei Drittel junger Spanier sind arbeitslos. Diese beiden Länder unterstreichen nur einen weiteren unglücklichen Zufall. Fragt man Michalos, wohin Griechenlands Jugend auswandert, antwortet er ohne Zögern: «Nach Deutschland.»

Und auf einmal erkennt man Europas Teufelskreis und Merkels dauerhaftes Erbe ganz deutlich.

Über Nina dos Santos:
Nina Dos Santos moderiert die tägliche Wirtschaftssendung World Business Today auf CNN International. Für den Nachrichtensender hat sie bereits aus Brüssel, Paris und Rom über die EU-Schuldenkrise berichtet und führende Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft interviewt, darunter IWF-Chefin Christine Lagarde, die Premierminister von Schweden, der Tschechischen Republik und Luxemburg sowie José Manuel Barroso, den Präsidenten der EU-Kommission.

(Nina dos Santos/CNN-Today)

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