Geiseln werden freigelassen
Shell einigte sich mit Rebellen in Nigeria
publiziert: Donnerstag, 3. Aug 2000 / 01:02 Uhr

Lagos - Nach der Geiselnahme von 165 Arbeitern auf zwei Bohrinseln im Nigerdelta durch aufständische Jugendliche hat der Ölkonzern Royal Dutch/Shell bei Verhandlungen mit den Aufständischen nach eigenen Angaben eine Einigung erzielt.

Ein Shell-Sprecher teilte am Mittwoch in Lagos mit, die Einigung sei nach eintägigen Verhandlungen mit Vertretern der aufständischen Jugendlichen erreicht worden. Diese hatten die 145 Nigerianer und 20 Ausländer am Montag in ihre Gewalt gebracht und die beiden Bohrinseln besetzt gehalten.
Die etwa 60 bewaffneten Jugendlichen hätten zugestimmt, die Bohrinseln am Donnerstag zu räumen. Am 15. August werde es ein weiteres Treffen geben, bei dem die Forderungen der Geiselnehmer erörtert werden sollten, teilte der Sprecher weiter mit.

Forderung nach Arbeitsplätzen
Shell hatte zuvor mitgeteilt, die Jugendlichen seien mit Motorbooten zu den Inseln gekommen und hätten Arbeitsplätze und Geld gefordert. Der Sprecher sagte weiter, die Lage auf den Bohrinseln und in ihrer Umgebung sei ruhig. Die Geiseln, darunter sieben US-Bürger, fünf Briten sowie einige Australier und Libanesen seien sicher. Die Geiseln sind keine Shell-Mitarbeiter sondern Angestellte zweier Shell-Vertragspartner.
Shell ist der grösste multinationale Konzern, der im Nigerdelta Öl fördert. Die derzeit knapp über zwei Millionen Barrel (1 Barrel = 159 Liter) Öl pro Tag machen über 90 Prozent der Exporterlöse Nigerias aus; fast die Hälfte davon stammt aus Shell-Quellen.
Die Bevölkerung des Delta fordert seit langem eine angemessene Beteiligung an dem Reichtum. Seit etwa zwei Jahren wendet sie Gewalt an. Dazu gehören Geiselnahmen, aber auch Treibstoffdiebstahl aus den Pipelines. Bei versehentlich ausgelösten Benzinbränden starben in den vergangenen Monaten mehrere hundert Menschen.

(klei/sda)

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