Schweizer Ökonomen warnen vor Finanzspritzen
publiziert: Samstag, 4. Okt 2008 / 12:36 Uhr / aktualisiert: Samstag, 4. Okt 2008 / 14:34 Uhr

Bern - Schweizer Ökonomen beurteilen das vom US-Kongress genehmigte Hilfspaket über 700 Mrd. Dollar für die angeschlagene Finanzbranche skeptisch. Sie warnen vor Risiken und Nebenwirkungen der Finanzspritze.

Auch Beat Bernet, Direktor des Schweizerischen Instituts für Banken und Finanzen, hält das Paket lediglich für eine vertrauensbildende Massnahme. (Archivbild)
Auch Beat Bernet, Direktor des Schweizerischen Instituts für Banken und Finanzen, hält das Paket lediglich für eine vertrauensbildende Massnahme. (Archivbild)
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«Es ist zu befürchten, dass der Rettungsplan die Konsolidierung der Branche eher verzögert als fördert», schreibt Yvan Lengwiler, Dozent am Wirtschaftswissenschaftlichen Zentrum der Universität Basel, in einem Beitrag für die «Neue Zürcher Zeitung» vom Samstag.

Der Staat nehme den Banken das Risiko ab, das sie leichtsinnigerweise eingegangen seien, kritisiert Lengwiler: «Der Anreiz, der dadurch geschaffen wird, ist fatal.» In wenigen Jahren könnte die Wirtschaft wieder in einer ähnlichen Situation sein.

Für Lengwiler hat es einen schalen Beigeschmack, dass sich mit US-Finanzminister Henry Paulson ausgerechnet ein ehemaliger Investmentbanker «derart vehement dafür einsetzt, eine grosse Summe Steuergelder dafür zu riskieren, Banken von ihren maroden Investitionen zu befreien».

Kollaps des kapitalistischen Systems

Von einem «Kollaps eines kapitalistischen Systems, wie er nicht vorkommen darf», spricht Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts HWWI, in einem Interview mit der «Berner Zeitung» vom Samstag.

«Dass ausgerechnet in den USA - der Mutter des Kapitalismus - Vater Staat ein 700 Mrd. Dollar schweres Paket als rettenden Anker auswerfen muss», dürfe nicht schöngeredet werden, räumt der Schweizer Ökonom ein.

Er warnt aber vor falschen Schlüssen: Aufstieg und Fall, Gewinn und Verlust, Erfolg und Misserfolg seien «die Voraussetzung dafür, dass der Mensch Fortschritte macht und der Wohlstand zunimmt. Jedes System, das auf Freiheit und Eigenverantwortung setzt, ist anderen überlegen. Das hat die Geschichte oft genug gezeigt.»

Zweifel an der Wirkung des Pakets

Ob die nun beschlossenen 700 Mrd. Dollar genügen, um das System nachhaltig zu stabilisieren, ist indes ungewiss: «Neben den Hypothekarkrediten existieren zahlreiche andere potenzielle Krisenbereiche, etwa die verbrieften Autoleasingverträge», gibt Lengwiler in seinem Beitrag für die NZZ zu bedenken.

Das Rettungspaket sei nicht mehr als eine vertrauensbildende Massnahme, konstatiert auch Beat Bernet, Direktor des Schweizerischen Instituts für Banken und Finanzen an der Universität St. Gallen, in der «Samstagsrundschau» von Schweizer Radio DRS.

Schweizer Behörden müssen handeln

Dieser Ansicht ist auch Bernd Schips, der frühere Leiter der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich. Im «St. Galler Tagblatt» fordert er Bundesrat, Nationalbank und Bankenkommission daher auf, Möglichkeiten zur Sicherung des Bankensystems aufzuzeigen, falls sich die Situation weiter zuspitzen sollte.

«Ein blosses Aussitzen» der Krise trage nicht dazu bei, das Vertrauen in das Finanzsystem zurückzugewinnen, warnt Schips. Die Behörden müssten auch zeigen, welche konkreten Regulierungsschritte geplant seien, um Fehlentwicklungen künftig zu verhindern.

(tri/sda)

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