Schweiz steht am Rand einer Rezession
publiziert: Dienstag, 4. Sep 2012 / 12:12 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 4. Sep 2012 / 21:57 Uhr
Die Exporte seien stärker gesunken als erwartet. (Symbolbild)
Die Exporte seien stärker gesunken als erwartet. (Symbolbild)

Bern - Die Schweizer Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2012 gegenüber dem Vorquartal um 0,1 Prozent geschrumpft. Hauptverantwortlich dafür waren die Exporte. Ökonomen sehen die Schweiz am Rand einer Rezession oder zumindest vor einer deutlichen Konjunkturdelle.

getAbstract präsentiert via Internet Zusammenfassungen herausragender Wirtschaftsbücher
7 Meldungen im Zusammenhang
Die Schweiz sei definitiv keine Insel der Seligen mehr, sagt David Marmet, Spezialist für Schweizer Ökonomie bei der Zürcher Kantonalbank, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Die Binnenwirtschaft sei zwar noch robust, bald werde sich aber die Exportschwäche durchschlagen. Schon jetzt sei das Wachstum des Privatkonsums gegenüber dem Vorquartal um zwei Drittel abgesackt.

Marmet hob hervor, dass das SECO die BIP-Zahlen auch für vorhergehende Quartale senkte. Der aktuelle Rückgang sei aber erstaunlich früh gekommen.

Die Haupthandelspartner Deutschland und Frankreich schwächelten, angesichts der Ermüdungserscheinungen in Fernost werde ein Ausweichen für die Exportindustrie schwieriger. Im dritten Quartal wäre ein weiterer BIP-Rückgang möglich und die Schweiz könnte in eine technische Rezession fallen.

Starker Rückgang der Exporte

Janwillem Acket, Chefökonom der Bank Julius Bär, teilt diese Einschätzung. Er schraubt seine Prognose für 2012 aufgrund der neuen Zahlen von 1,6 auf 0,5 bis 1 Prozent BIP-Wachstum zurück. Anpassungen der Wachstumszahlen aufgrund der Gesamtrechnung gebe es immer, diesmal seien sie aber stark, kommentierte er.

Die Exporte seien stärker gesunken als erwartet. Die Eurorezession werde immer spürbarer. Die Investitionen stagnierten und der Bau zeige Ermüdungserscheinungen.

Die Wirtschaft habe ihre Lagerbestände jetzt abgearbeitet. Die Einkaufsmanagerdaten zeigten nach unten. Die Schweiz «steht am Rand der Rezession», sagte Acket. Ein Absturz sei angesichts der tiefen Zinsen, der Zuwanderung und Vollbeschäftigung indessen nicht zu erwarten.

Das Wirtschaftsinformationsinstitut Bakbasel, das in Wochenfrist Prognosen vorlegen wird, kündigte an, Korrekturen nach unten vorzunehmen. Die revidierten Daten legten das nahe. Hinzu kämen die weltweit eingetrübten Aussichten für die zweite Jahreshälfte.

Geschrumpfte Industrie - intakte Baukonjunktur

Im zweiten Quartal 2012 sanken die konjunkturrelevanten Warenexporte ohne Wertgegenstände wie Preziosen, Edelmetalle und Kunstgegenstände um 0,7 Prozent, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) am Dienstag mitteilte.

Dabei war die Mehrzahl der Sektoren rückläufig. Einzig die Ausfuhr von Uhren, Päzisionsinstrumenten und Fahrzeugen wuchs. Die Exporte von Dienstleistungen sanken um 0,9 Prozent.

Die Warenimporte schrumpften um 0,5 Prozent primär wegen den Fahrzeugen. Chemikalien, Maschinen, Apparate und Elektronik verzeichneten einen Anstieg. Dienstleistungsimporte stiegen um 1,8 Prozent.

In der Produktion sank die Wertschöpfung in der Industrie um 1,1, im Handel um 0,7 und und damit verbunden bei den Finanzdienstleistungen um 0,8 Prozent. Das Baugewerbe profitierte weiterhin vom Boom und steigerte sich um 1,5 Prozent.

Dadurch stieg die Wertschöpfung bei freiberuflichen, wissenschaftlichen und ähnlichen Dienstleistungen um 0,5 Prozent. Der öffentliche Sektor legte um 0,7 und das Gesundheitswesen um 0,2 Prozent zu.

Die Inlandinvestitionen stagnierten. Wegen der Kältephase im Februar kam es im ersten Quartal zu einem Rückgang der Bauinvestitionen, der im zweiten Quartal teilweise aufgeholt wurde. Die Bauinvestitionen stiegen um 1 Prozent.

Die Ausrüstungsinvestitionen hingegen sanken gegenüber dem Vorquartal um 0,9 Prozent. Negativ entwickelten sich Maschinen- und Fahrzeugindustrie.

Konsum steigt nur noch mässig

Die privaten Konsumausgaben stiegen im zweiten Quartal noch um 0,3 Prozent. Dazu trugen die Ausgaben für Wohnung, Wasser, Strom, Gas und andere Brennstoffe sowie Gesundheitspflege und Verkehr bei. Die Konsumausgaben des Staates und der Sozialversicherungen expandierten kräftig um 1 Prozent.

Letztmals war das BIP im dritten Quartal 2011 gegenüber dem Vorquartal rückläufig, und zwar um revidierte 0,2 Prozent. Das BIP wuchs darum 2012 um 1,9 und nicht um 2,1 Prozent. Im ersten Quartal 2012 wuchs das BIP gegenüber dem Vorquartal um 0,5 statt um 0,7 Prozent, wie zuvor gemeldet.

Nach unten korrigiert wurde die Zahlen wegen der im Sommer revidierten volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und einer neuen international angepassten Methodik.

(bert/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese wirtschaft.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Zürich - Die Wertschöpfung der Schweizer Banken geht kontinuierlich zurück: Ende 2012 betrug sie noch 35 Mrd. Franken, was einem Anteil am Bruttoinlandprodukt (BIP) ... mehr lesen
Die Wertschöpfung der Schweizer Banken sinkt von 9 auf 6 Prozent. (Symbolbild)
Neuenburg - Die Schweizer Industrie hat im zweiten Quartal ihre Produktion ... mehr lesen
Zurückzuführen ist der Anstieg unter anderem auf die Pharmaindustrie. (Symbolbild)
Bern - Die Schweizer Wirtschaft wächst weiter, wenn auch schwächer als bisher angenommen. Die Expertengruppe des Bundes geht für 2012 von einem Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 1,0 Prozent aus. mehr lesen 
Die Exportindustrie hat sich 2011 trotz Frankenstärke recht gut gehalten.
Bern - Die Schweizer Wirtschaft ist im vergangenen Jahr um 1,9 Prozent gewachsen. Gegenüber dem Jahr 2010, als das ... mehr lesen
Weitere Artikel im Zusammenhang
Brüssel - Die Wirtschaft der Euro-Zone ist im zweiten Quartal trotz des robusten Wachstums ihrer Konjunkturlokomotive ... mehr lesen
In Italien brach das Bruttoinlandprodukt um 0,7 Prozent ein.
Hervorragende Konsumlaune in der Schweiz.
Zürich - Die Konsumlust der Schweizer ist im Juni nach einem Einbruch im Mai ... mehr lesen
getAbstract präsentiert via Internet Zusammenfassungen herausragender Wirtschaftsbücher
Unternehmertum auf den Punkt gebracht
Von den insgesamt 127'000 Arbeitsplätzen sollen 18'000 wegfallen.
Von den insgesamt 127'000 Arbeitsplätzen sollen ...
Überraschung  Seattle - Microsoft hat dank einer starken Nachfrage nach Smartphones, Tablets und Cloud-Diensten seinen Umsatz im vergangenen Quartal überraschend deutlich gesteigert. Wegen Abfindungen im Zusammenhang mit dem angekündigten Stellenabbau ging allerdings der Gewinn zurück. 
Solarindustrie  Thun BE - Das Solartechnologieunternehmen Meyer Burger hat auf dem Weg in ...  
Der einstige Börsenliebling Meyer Burger steckt seit längerem in Schwierigkeiten. (Symbolbild)
Der Solarzulieferer Meyer Burger ist trotz eines höheren Umsatzes tiefer in die roten Zahlen gerutscht.(Symboldbild)
Solarzulieferer Meyer Burger weitet Verlust aus Thun - Der Solarzulieferer Meyer Burger ist im ersten Halbjahr 2014 trotz eines höheren Umsatzes noch tiefer in die roten ...
Aussicht vom Männlichen aus im Grindelwald.
Tourismus  Grindelwald - Die Grindelwalderinnen und Grindelwalder haben sich am Freitag mit ...  
Titel Forum Teaser
  • LinusLuchs aus Basel 38
    Höchst demokratiefeindlich Der Leistungsauftrag der SRG hat in unserer Demokratie eine ... Do, 23.10.14 15:07
  • tigerkralle aus Winznau 98
    Ecopop löst keine Probleme Frau Sommaruga , Ecopop löst sicher nicht alle Problehme , aber Sie ... Di, 14.10.14 13:04
  • zombie1969 aus Frauenfeld 2515
    Dass... die Chinesen die lachenden Dritten im Bunde sein werden, war schon ... Mo, 13.10.14 17:33
  • jorian aus Dulliken 1512
    Der aufgezwungen Boykott! Nun spürt also die BRD, dass sie Russland boykottiert. Wer hat den ... Fr, 10.10.14 03:25
  • LinusLuchs aus Basel 38
    Beziehungskorruption schafft sich nicht selber ab Kritiker einlullen, besänftigen, ruhigstellen. Zu nichts anderem dient ... Mo, 29.09.14 15:09
  • Menschenrechte aus Bern 112
    Milliardäre Für jeden Milliardär, gibt es tausende Arme, jedoch ist das denen ... Do, 25.09.14 00:55
  • BigBrother aus Arisdorf 1452
    Was ist die Alternative? Warum nur China? Wollte die Schweiz nur noch mit lupenreinen Ländern ... Mi, 24.09.14 10:32
  • Argovicus aus Aarau 7
    Cham Papier Schon ein Jammer und Zeugnis von grossen Management Fehlern, wenn ein ... Mo, 22.09.14 14:18
Molybdändisulfid: dünn und durchsichtig.
Green Investment Forscher erfinden dünnen, tragbaren Generator New York/Atlanta - Forscher haben aus ...
Es ist wichtig, den richtigen Umgang mit den eigenen Daten zu lernen.
Startup News Eigene Daten richtig schützen - Methoden und Programme zum Datenschutz Das Internet hat die wichtigsten Bereiche des alltäglichen Lebens übernommen, sei es Online Banking, Familienerinnerungen, soziales ...
Jedes dritte KMU in Deutschland hat 2011-2013 Energie eingespart.
KMU-Magazin Research Energiewende ist im Mittelstand angekommen Die kleinen und mittleren Unternehmen sind auf ...
Stellenmarkt.ch
Wirtschaft Marken
   Marke    Datum
22.10.2014
ethimedix Logo
21.10.2014
TV Land & Lüt Logo
21.10.2014
EINFACH KUHL Logo
21.10.2014
20.10.2014
    Information zum Feld
Bitte geben Sie hier einen Markennamen ein wie z.B. 'Nespresso'
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
SA SO MO DI MI DO
Zürich 4°C 8°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Basel 4°C 10°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
St.Gallen 4°C 10°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Bern 4°C 12°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Luzern 4°C 12°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Genf 7°C 14°C bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Lugano 6°C 16°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
mehr Wetter von über 6000 Orten