«Die Airlines dürfen diese Problematik nicht unterschätzen»
Schädliche Dämpfe in Flugzeugkabinen untersucht
publiziert: Dienstag, 16. Feb 2016 / 18:35 Uhr
Die Kabinenluft wird an den Triebwerken abgezapft.
Die Kabinenluft wird an den Triebwerken abgezapft.

Göttingen - Heikle Landungen, kranke Flugbegleiter: Seit Jahren häufen sich Berichte über Zwischenfälle, die möglicherweise auf giftige Dämpfe in Flugzeugkabinen zurückgehen. Forscher haben nun untersucht, welche Stoffe welche Krankheitssymptome hervorrufen können.

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Fast drei Jahre lang prüften die Arbeitsmediziner um Astrid Heutelbeck von der deutschen Universität Göttingen Proben von Menschen, die nach Flügen über Beschwerden klagten. Dazu untersuchten sie mehr als 140 Patienten - die meisten davon Flugpersonal - und analysierten unmittelbar nach Flügen Blut- oder Urinproben, teilweise mit neuen Verfahren.

Wichtigstes Ergebnis: Neben den bereits bekannten Organophosphaten, die negativ auf Enzyme im Körper wirken, fanden sie regelmässig sogenannte flüchtige organische Verbindungen (VOC) oder deren Abbauprodukte. Diese Stoffe greifen Nerven und Herz-Kreislauf-System an und reizen zudem die Atemwege.

Von den Triebwerken in die Kabine

Sie könnten in den Turbinen bei starker Hitze aus Kerosin, Ölen oder Enteisungsmitteln freigesetzt werden und über undichte Stellen im Triebwerk in die Zapfluft gelangen, vermuten die Mediziner. In fast allen Passagierflugzeugen wird die Kabinenluft aus den Triebwerken abgezapft. Dort finden Techniker immer wieder Lachen von Öl oder Enteisungsmitteln.

Sogenannte «Fume Events» (Dunst-Ereignisse) sind bereits seit den 1950er-Jahren beschrieben. Für Aufsehen sorgte etwa Ende 2010 ein Zwischenfall in einem Germanwings-Airbus beim Landeanflug auf Köln.

Pilot und Copilot setzten während der Landung Sauerstoffmasken auf, nachdem sie einen scharfen Brandgeruch wahrgenommen hatten und ihnen übel geworden war. Die Maschine landete damals sicher.

Trotz der vielen Vorfälle fehlt bisher der wissenschaftliche Nachweis, dass Kabinenluft Krankheiten verursachen kann. Davon ist vermutlich am ehesten das Personal betroffen, das Risiko für Passagiere scheint deutlich geringer.

Keine Richtwerte für Atemluft

Die Göttinger Mediziner sind dem Zusammenhang nach eigenen Angaben nun nähergekommen. Ihre Forschungsergebnisse wollen sie in den kommenden Wochen auf Tagungen und in Fachartikeln präsentieren. Das Krankheitsbild des bisher umstrittenen aerotoxischen Syndroms soll so genauer umrissen werden.

Heutelbeck kritisiert, für viele der nun erstmals im Labor gefundenen Substanzen gebe es bisher keine Richtwerte für die Atemluft. «Das sind alles Stoffe, die in Konsumentenprodukten verboten sind. Es gibt nur Werte für Gefahrstoff-Arbeitsplätze, aber darum handelt es sich ja hier nicht.»

Die Schweizerische Gewerkschaft des Kabinenpersonal Kapers setze sich mit dem Thema Schadstoffe in der Kabinenluft ebenfalls auseinander, sagte der Präsident Denny Manimanakis gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

«Die Airlines dürfen diese Problematik nicht unterschätzen», so Manimanakis. Seit letztem Jahr sei man mit der Fluggesellschaft Swiss im Gespräch und plane, das Kabinenpersonal über mögliche Risiken aufzuklären.

 

(fest/sda)

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