Geldpolitik
Regierungen in Osteuropa besorgt über Franken-Höhenflug
publiziert: Dienstag, 20. Jan 2015 / 18:03 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 20. Jan 2015 / 18:25 Uhr
Warum die Kreditnehmer glaubten, der Euro/Frankenkurs bliebe bei 1:1,20 kann man nur als naiv bezeichnen.
Warum die Kreditnehmer glaubten, der Euro/Frankenkurs bliebe bei 1:1,20 kann man nur als naiv bezeichnen.

Warschau/Wien/Zagreb - Der jüngste Höhenflug des Franken ruft diverse Regierungen in Osteuropa auf den Plan. Grund sind die zahlreichen Franken-Kredite, die sich Osteuropäer vor der Finanzkrise wegen der günstigen Zinsen besorgt hatten.

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Nachdem der Kursanstieg des Schweizer Franken hunderttausende Kreditnehmer in Polen in Schwierigkeiten gebracht hatte, hat die polnische Regierung eine Überprüfung des Vorgehens der Banken empfohlen.

Die polnische Finanzaufsicht und Konsumentenschützerverbände sollten herausfinden, ob es zur Verletzung von Interessen der Bankschuldner durch das Vorgehen der Banken gekommen sei, teilte die Regierungskanzlei am Dienstag mit. Notenbank-Gouverneur Marek Belka hatte bereits zuvor «ausserordentliche» Massnahmen und eine mögliche Kürzung der Kreditraten angekündigt.

In der vergangenen Woche verteuerte sich der Franken im Vergleich zum Zloty um rund 15 Prozent. Das bedeutet für zahlreiche Polen, dass ihre Zinsraten in die Höhe schnellten und für viele unbezahlbar wurden. In Polen haben rund 550'000 Menschen wegen den tiefen Zinssätze in der Schweiz einen Kredit in Schweizer Franken für den Kauf von Immobilien aufgenommen.

Kroatien und Ungarn fixieren Frankenkurs

Während Polen erst Massnahmen prüft, hat Kroatien bereits Fakten geschaffen: Am Montag hatte die Regierung angekündigt, den Wechselkurs der Landeswährung Kuna gegen den Franken für ein Jahr festzusetzen.

Beide Länder hätten sich Rat bei der ungarischen Regierung geholt, teilten diese mit. Ungarn hatte Banken bereits davor gezwungen, Frankenkredite zu für sie ungünstigen Wechselkursen in Forintdarlehen zu tauschen. Auf den Verlusten waren die Institute sitzengeblieben.

Ob den Banken ähnliches nun auch in anderen Ländern Osteuropas droht, ist offen. Zu den grössten Kreditgebern in der Region zählen österreichische Institute wie die UniCredit Bank Austria, Raiffeisen Bank International und Erste Group. Sie wollten sich am Dienstag nicht zu den angekündigten Massnahmen äussern.

Serbien sieht sich von dem Problem weniger betroffen, sagte Finanzminister Dusan Vujovic. Dennoch würden Banken und die Nationalbank versuchen, betroffenen Kunden über längere Laufzeiten, geringere Zinszahlung oder eine teilweise Umwandlung zu helfen.

Österreichische Banken stark betroffen

Doch Franken-Kredite waren nicht nur in Osteuropa populär. Auch in Österreich hatten sich vor der Krise viele Menschen einen solchen Fremdwährungskredit besorgt, um damit ein eigenes Haus oder eine Wohnung zu finanzieren.

Das Volumen dieser Kredite an österreichische Privathaushalte lag bei aktuellen Wechselkursen zuletzt bei rund 29 Mrd. Euro, erklärte die nationale Bankenaufsicht FMA. Von dem jüngsten Franken-Höhenflug seien vier Prozent der Haushalte unmittelbar betroffen: Ihre Darlehen werden in den kommenden zwölf Monaten fällig.

Damit stünden demnächst knapp 1,2 Mrd. Euro zur Rückzahlung an. Weitere 15 Prozent der Kredite würden in den kommenden ein bis fünf Jahren fällig. Auf die Banken könnte eine steigende Zahl an faulen Krediten zukommen, erklärte die FMA.

Damit könne sich der Höhenflug des Franken auch negativ auf die Kreditwürdigkeit der Institute auswirken, hatte die Ratingagentur Moody's gewarnt. Nach Einschätzung der Experten hat die UniCredit-Tochter Bank Austria rund 13 Mrd. an Franken-Krediten vergeben, die Erste Group 10 Mrd. Euro und die Raiffeisen Bank International 4,3 Mrd. Euro.

(fest/sda)

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