Recherche-Netzwerk vergibt Negativpreis an die FIFA
publiziert: Samstag, 2. Jun 2012 / 09:19 Uhr
Der FIFA wird vorgeworfen, mit Millionenzahlungen für die Einstellung von Gerichtsverfahren zu sorgen.
Der FIFA wird vorgeworfen, mit Millionenzahlungen für die Einstellung von Gerichtsverfahren zu sorgen.

Hamburg - Negativpreis für Sepp Blatters FIFA: Der Fussball-Weltverband und sein Präsident haben die «Verschlossene Auster» der deutschen Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche erhalten. Vertreter der FIFA erschienen am Freitag nicht zur Entgegennahme des Preises in Hamburg.

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«Die FIFA hat in den vergangenen Jahren alle Versuche kritischer Journalisten, über Korruption und Ungereimtheiten bei der Postenvergabe zu recherchieren, abgeblockt», sagte der Vorsitzende des Netzwerks, Oliver Schröm, am Freitag in Hamburg. Der Präsident des FC Bayern München, Uli Hoeness, begrüsste die Entscheidung der Jury.

Die Journalistenvereinigung vergibt die Negativauszeichnung «als mahnendes Symbol für mangelnde Offenheit und Behinderung der Pressefreiheit». Schröm warf der FIFA vor, mit Millionenzahlungen für die Einstellung von Gerichtsverfahren zu sorgen. Gegen eine Offenlegung der entsprechenden Gerichtsbeschlüsse wehre sich Blatter «weiter mit allen Mitteln».

Bei der Jahrestagung von Netzwerk Recherche sagte der ehemalige FIFA-Mitarbeiter und heutige St. Galler SVP-Nationalrat Roland Büchel als «Laudator», es sei augenscheinlich, dass Blatter nicht viel von Demokratie halte. Als Beispiel nannte Büchel das weiterhin «völlig intransparente» System von Löhnen, Aufwandsentschädigungen und Boni bei der FIFA.

Hoeness: Das kann nicht mehr lange gut gehen

Im Publikum sass - für eine gesonderte Diskussion - der Präsident des FC Bayern München, Uli Hoeness. Er applaudierte heftig. «Sepp Blatter hat es geschafft, einen geschlossenen Kreis um sich zu bauen. In diesen 'Inner Circle' kommt nie jemand, der ihm nicht dient», sagte Hoeness. «Da laufen so viele Dinge, dass das nicht mehr lange gutgehen kann.»

Hoeness forderte mehr Transparenz: «Die FIFA braucht dafür endlich einen Aufsichtsrat, der Einblick in alle Bücher hat - und zwar mit Leuten, die nicht aus dem Sport kommen und von Stimmen abhängig sind.»

In einer schriftlichen Mitteilung verwies FIFA-Kommunikationsdirektor Walter De Gregorio auf die beim jüngsten Kongress in Budapest beschlossenen Reformen: «Grundsätzlich glaube ich, dass Sie zu spät sind mit der Auszeichnung. Die Auster hat sich inzwischen geöffnet.» Es dauere in der Regel eine Weile, bis auch Journalisten dies bemerkten.

(asu/sda)

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