Qualitätsverlust der Medien belastet die Demokratie
publiziert: Freitag, 13. Aug 2010 / 14:38 Uhr / aktualisiert: Freitag, 13. Aug 2010 / 16:09 Uhr
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Die Informationsmedien vernachlässigten ihre Funktion, die Bürgerinnen und Bürger über das politische Geschehen aufzuklären. (Symbolbild: Newsroom)
Die Informationsmedien vernachlässigten ihre Funktion, die Bürgerinnen und Bürger über das politische Geschehen aufzuklären. (Symbolbild: Newsroom)

Bern - Die Schweizer Demokratie leidet unter der schlechten Qualität der Medien: So lautet der Befund des Jahrbuchs 2010 «Qualität der Medien». Schuld an der Medienkrise seien vor allem die Gratiskultur im Internet und bei Pendlerzeitungen sowie der Spardruck auf den Redaktionen.

4 Meldungen im Zusammenhang
Anstatt ausgewogen über politische Debatten zu berichten, beherrschten Formfragen die Mediendiskurse, schreiben die Wissenschaftler der Universität Zürich in der am Freitag in Bern veröffentlichten Studie. Die Informationsmedien vernachlässigten ihre Funktion, die Bürgerinnen und Bürger über das politische Geschehen aufzuklären.

Ein gutes Beispiel sei die Minarettinitiative vom vergangenen Herbst: Obwohl die Mehrheit der Schweizer Parteien gegen das Minarettverbot waren, beherrschten die Befürworter die mediale Debatte. «PR-Aktionen wie das Minarettplakat erreichten intensive mediale Berichterstattung», heisst es im erschienen Jahrbuch.

Negative Entwicklung geht weiter

Co-Autor Mark Eisenegger bemängelte in diesem Zusammenhang auch, dass in den letzten Monaten wenige Topthemen aus dem Softbereich wie der Hausarrest von Regisseur Roman Polanski oder das Privatleben des Zürcher Clubbesitzers Carl Hirschmann die Medien beherrschten. «Auf der anderen Seite geraten internationale Probleme immer mehr aus dem Blickfeld», sagte Eisenegger.

Ein Ende der negativen Entwicklung ist gemäss den Forschern des Bereichs Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich nicht in Sicht. Die publizistische Versorgung durch qualitätsschwache Medien im Internet und der gedruckten Presse werde weiter zunehmen. Denn vor allem jüngere Mediennutzer zwischen 15 und 34 Jahren seien mit der «Gratiskultur» gross geworden.

Wirtschaftsmedien: Krise viel zu spät erkannt

Die Kritik richtet sich auch an die Wirtschaftsjournalisten. Den Autoren zufolge haben sie die Finanzmarktkrise viel zu spät erkannt. «Ihre seismographische Funktion hat versagt», so Eisenegger. Zudem sei die globale Wirtschaftskrise auf eine UBS-Krise reduziert worden, was einen grossen Teil des Themas ausblende.

Finanziert und gefördert wird das Jahrbuch «Qualität der Medien» durch die gemeinnützige Stiftung «Öffentlichkeit und Gesellschaft». Zum Stiftungsrat gehören unter anderem der Soziologe Kurt Imhof, die Aargauer Ständerätin Christine Egerszegi oder der ehemalige Bundesratsspecher Oswald Sigg. Das über 370 Seiten starke Buch ist das erste seiner Art - künftig soll jährlich eins erscheinen. Damit wollen die Soziologen und Medienwissenschafter «das Qualitätsbewusstsein für die Medien stärken», wie es Kurt Imhof ausdrückte.

 

(fkl/sda)

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Qulitätsverlust?
Die Presse hat keine Qulitätsverlust, sondern einen Qualitäsabsturz gemacht. Das Kurba die Minarettinitiative hervorholt, war ja klar. Er vergisst dabei nur eins. Das war auch schon früher genau so und hat nichts mit dem Qualitätsverlust zu tun, sondern mit Parteiergreifung.
Der Einfluss der Medien und Werbung auf die Menschen ist gigantisch und wird völlig unterschätz. Die Medien beeinflussen unser Weltbild dirket und sagen was Sache sein soll. Hauptproblem ist die Bombardierung der Bevölkerung mit Negativmeldungen aller Art. 1 Toter ist schon zu wenig für eine Titleseite.
Die Gartisblätter sind so unterirdisch schlecht. Jede Internets-Vereinsseite tut mehr zur Demokratie, als jene Schmierblätter.
Als schönstest Beispiel zeigt dies der Fall Borer und Kachelman.
Da gelobe ich mir doch die NZZ oder den Tagi. Ich weiss zwar schon vor dem Lesen für wen sie Partei ergreifen, aber es steht für die Demokratie trotzdem mehr drin.
Sachliche ausgewogene Zeitungen haben grosse Probleme mit dem Überleben. Auf Profit ausgerichtet Blätter gewinnen immer mehr an Anteile. Aber sie vermitteln eine Welt, die nur nach Leserquote ausgerichtete Artikel beinhaltet.

Die Medienfreiheit wurde schon vor Jahren der Geldgier der Börsianer geopfert.
Biotop und Sumpf
Ich kann fast Allem zustimmen was Sie da schreiben.
Was die öffentlich-rechtlichen TV Anstalten angeht, so halte ich die Deutschen noch für relativ harmlos und man hat ja genügend TV-Medienvielfalt um sich eine differenzierte Berichterstattung zu Gemüte zu führen. Da finde ich z.B. Italien wesentlich bedenklicher. Und in der Schweiz haben wir dieses Problem ja wohl kaum. Dafür kommen die Rechtsaussen-Populisten viel zu viel Sendezeit geboten als dass man da von einer "linken" TV Mache reden könnte. Und die Stadtbewohner (die ja meist rot-grün regiert sind) kommen ja auch noch kaum zur Geltung im SF. Dafür bekommen wir haufenweise ausländerfreie Heile-Welt ländliche Gegenden vorgesetzt.

Was Sarrazin betrifft, so behaupte ich immer noch, das es das Juden-Gen ist, dass die ganze Hysterie überhaupt so weit hat kommen lassen. Ansonsten wäre das ganze ein zwei Wochen etwas hochgekocht und dann wär es das gewesen. Aber solche Vorzeige-Idioten-Juden wie Friedmann können halt immer ungestraft von der Politik gestützt sich medial auf Sarrazin stürzen und sich ab den Migrationsäusserungen enervieren, wenn es ihm in Wahrheit um das Juden-Gen ging.
Es mag sein, ja es ist sicher auch so, dass in Deutschland z.B. diese biotopsinterne Sichtweise auch von Mitte-Rechts-Parteien wie der CDU gelebt werden, auch absichtlich um die Wähler nicht zu vergraulen. Die Migrationsproblematik wurde auch von Merkel absichtlich totgeschwiegen, wie soviel anderes. Überhaupt findet man bei Merkel überhaupt keine politische klare Richtung mehr.

Sarazzin hat viel Blödsinn verzapft, ich finde ja das Juden-Gen auch ziemlich witzlos. Aber entweder akzeptiert man seine Meinungen insgesamt oder man lässt es halt sein.
Dieses öffentliche regelrechte Lynchen von Sarazzin ist ein weiteres düsteres Kapitel für Deutschland.

Zur Weltwoche: Ja ich prügle auf diese "Zeitung" ein. Köppel hat die Weltwoche zu seinem persönlichen Sprachrohr gemacht. Er besitzt und diktiert was dort geschrieben wird, bzw. er schreibt und redet ja persönlich in dieser Zeitung und Online-Zeitung.

Natürlich hat es immer auch wieder intelligente einigermassen populismus-freie Artikel darin.
Aber Köppel hat die Weltwoche insgesamt zum inoffiziellen SVP Parteikäseblatt verkommen lassen.
Und Köppel selbst kann man wirklich nicht mehr ernst nehmen, dafür hat er zu viele selbstdarstellerische TV-Auftritte im SF und im nahen Ausland absolviert.
Früher mal war die Weltwoche noch angesehen, lange vor Köppel.

Ich habe aber nichts gegen Zeitungen, die rechts orientiert sind, solange es einigermassen differenziert zu und her geht. Auch die sind wichtig, damit man mal eine andere Sichtweise erfährt.

Populismus hat aber nichts in Zeitungen zu suchen, genauso wenig wie ihre erwähnte biotopsinterne Berichterstattung.
Sondern auch Identitätsverlust
Es gibt viele Heimwehappenzeller, St.Galler, Zürichseeler, Genfer, Berner etc., die sich ihr Lokalblatt sogar nachschicken lassen, wenn sie in die "Fremde" ziehen.
Ein Lokalblatt unterstützt auch die Identität und fördert die Solidarität unter den Ansässigen. Eine wichtige Funktion, die von einem schweizweiten Standardblatt nicht mit sinnvollen finanziellen Mitteln erfüllt werden kann.
Man sieht einen Bauernhof vom Blitz getroffen abbrennen und liest im Lokalblatt von den Bewohnern, die bei Nachbarn und Verwandten unterkommen müssen. Die Spendenaktion im Lokalblatt unterstütz ich gerne mit einer Überweisung. So wie ich das Lokalblatt mit einem Abonnement unterstütze.
Dünnes Brett
JasonBond

Es gibt Leute, die sich unterschiedlichen Denkweisen aussetzen und gelernt haben, dass die Realität von mehreren Artikelschreibern unterschiedlich gesehen und dargestellt wird. Je nach Wissensstand und eigener Anschauung des Journalisten. Manchmal beschleicht mich das Gefühl, gerade wenn ich die deutsche Presse lese, das hänge auch von der verfolgten Agenda ab.

Dann gibt es die Leute, die es sich in ihrem Meinungsbiotop wohlig warm eingerichtet haben und keine biotopfremde Meinung hören oder sehen wollen. Das Biotop funktioniert von der Realität losgelöst, solange, als die fühlbare Realität sich nur über den Ereignishorizont des eigenen Schwimmteichs erstreckt.
Wie erstaunt sind dann genau diese Biotopsbewohner, wenn die Realität in Form einer Überbauung auf sie einwirkt. Sie hatten ja keine Ahnung davon, was all die lauten Baumaschinen, die in der Umgebung begonnen hatten, den Boden umzugraben, für einen Zweck erfüllen sollen. Obwohl sich der ein oder andere schon begonnen hatte, sich ein wenig mulmig zu fühlen.

Diese biotopsinterne Berichterstattung erleben wir gerade in Deutschland anhand dessen, was um die Buchveröffentlichung Sarazins geschieht.
Die leitenden Angestellten der öffentlich rechtlichen Sender werden von den Parteien bestimmt. Ein lukratives Pöstchen. Diese wiederum wollen es sich mit den Parteien nicht verscherzen und plappern - oder lassen plappern - lieber mal gegen eigenes besseres Wissen nach, was die Parteidemokratur ihnen vorkaut.
So wurde Sarrazin abgeschossen, noch bevor einer der Leute an der Meinungsmachemacht das Buch überhaupt gelesen hatte.
Die Bewohner des Biotops "DDR 2.0" lassen sich lieber erkären, dass die Wassertemperatur in ihrer gewohnten Wohlfühlzone sich kaum verändert habe, als dass sie hören wollen, dass das Biotop ausgetrocknet wird.

Da dieser Prozess in den Wohlfühlzonen noch nicht angekommen ist, glaubt man, das ginge einen nichts an. Eine kurzfristige Sicht. Statt Sarrazins klare Darstellung der Realität aufzunehmen und Gegensteuer zu geben, dümpelt man solang es noch geht weiter im füdliwarmen Wasser herum.

Zu Ihnen JasonBond
Haben Sie die Weltwoche mal gelesen, oder hat ihnen ein biotopseigener Meinungsmacher sein Wissen dazu vermittelt?

Hier gibt's die Weltwoche online.
Ein paar Artikel sind freigeschaltet und man kann diese sogar kommentieren. Lesen Sie auch die Kommentare.
http://www.weltwoche.ch/home.html
Verwechslung
Kubras Worte: "Was fehlt, ist der investigative Journalismus, der sich auch getraut gegen die Mehrheitsmeinung im Biotop durchzufragen und nachzuhaken.
Die einzige Publikation in der Schweiz, die ich kenne, die dies lebt, ist die Weltwoche."

Sie verwechseln da etwas. Die Weltwoche ist zur populistischen rechtsaussen SVP nach dem Mund reden Käseblatt geworden. Geleitet und diktiert von Köppel, der zum Sprachrohr Nr. 1 für die SVP mutiert ist. Aber eben ohne einen offiziellen SVP Status. Gerissen ist er dieser Populist.
Das ganze Geschreibsel wird versteckt in pseudointelligenten Worten, die eine "intelligente" Leserschaft anlocken soll. Leider verliert die Weltwoche zusehends Leser, da rechtsaussen eben wenig intelligente Leute existieren die eine Weltwoche lesen würden. Dann doch lieber der Blick mit den schönen grossen Buchstaben und Bildchen.
NIcht nur Qualitätsverlust.
.sondern auch der ständig wachsende Verlust an Tageszeitungen spielt da mit. Immer mehr kleinere Tageszeitungen werden durch Grosse übernommen oder eingestellt. Der Verlust solcher Medien bedeutet auch einen Verlust an Meinungsvielfalt. Und da es sich in vielen Fällen um Lokalzeitungen hanbelt - dort wo sich die Stimmenden in ihrem Umfeld eine Meinung bilden können - ist dies besonders schlimm.
Medial
"Ein gutes Beispiel sei die Minarettinitiative vom vergangenen Herbst: Obwohl die Mehrheit der Schweizer Parteien gegen das Minarettverbot waren, beherrschten die Befürworter die mediale Debatte."

Da waren die Medien doch glatt näher am Volk, als die Parteien.

Qualitätsmedien haben nur eine Chance, wenn sie wie die SonntagsZeitung wieder vermehrt auf investigativen Journalismus setzen. Dazu benötigen sie aber all die Journalisten, die in den letzten Jahren entlassen worden sind. Gell Tamedia.

Wenn Imhof sich so äussert

"Die Informationsmedien vernachlässigten ihre Funktion, die Bürgerinnen und Bürger über das politische Geschehen aufzuklären.
Ein gutes Beispiel sei die Minarettinitiative vom vergangenen Herbst: Obwohl die Mehrheit der Schweizer Parteien gegen das Minarettverbot waren etc."

dann hör ich die etablierte meinungsmachende Journallie trapsen, die sauer darüber ist, dass ihr die "Meinungshoheit" abgenommen wurde.

So gesehen erleben wir im Gegenteil wenigstens durch die Gratisblättern eine Stärkung der Demokratie durch Information.

Was fehlt, ist der investigative Journalismus, der sich auch getraut gegen die Mehrheitsmeinung im Biotop durchzufragen und nachzuhaken.
Die einzige Publikation in der Schweiz, die ich kenne, die dies lebt, ist die Weltwoche.

Wenn man bedenkt, dass weltweit 52 Journalisten dieses Jahr schon den Tod gefunden haben, weil sie die Wahrheit suchten und diese veröffentlichen wollten, kann man über die heimischen Sesselpupser nur lachen.

Dabei wär es dringend nötig, wieder Vielfalt in die Blätter zu bringen ,die vorgeben, sich vertieft mit einem Thema auseinandersetzen zu wollen.

Es tut der Demokratie sicher nicht gut, wenn in diesem Segment, die Meinung eines Journis, der bei einer Agentur arbeitet, als die reine Wahrheit dutzendfach rumkopiert wird.

Das gefährdet die Demokratie.

Mir ist ein dezidierter Kommentar, mit dem ich mich auseinandersetzen muss lieber, als eine Agenturmeldung die nur die Hälfte der Wahrheit rüberbringt, weil sich die andere Hälfte nicht politisch korrekt verpacken lässt.
Da befinden wir uns in der Grauzone der Informationsbeschaffung. An der Grenze zur Schwarzen Nacht der Meinungsdiktatur.
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