Publiziert Gentech-Lobby falsche Zahlen?
publiziert: Donnerstag, 25. Feb 2010 / 19:25 Uhr / aktualisiert: Freitag, 26. Feb 2010 / 00:29 Uhr

Wien - Der Jahresbericht der International Service for the Acquisition of Agri-Biotech Application (ISAAA) stösst in Umweltschutzkreisen auf Erstaunen, denn der von den grossen Gentechnik-Konzernen finanzierte Bericht spricht von einem Siegeszug der Agro-Gentechnik. Nach Einschätzungen der Umweltorganisationen stagniert die Entwicklung der grünen Gentechnik allerdings deutlich.

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Die Gentechnologie ist ein Verfahren zur Anwendung gezielter Eingriffe in das Erbgut und in die biochemischen Steuerungsvorgänge.
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6 Meldungen im Zusammenhang
«Der Bericht zeichnet ein gefälschtes Bild im Auftrag der Gentech-Lobby», meint GLOBAL2000-Sprecher Jens Karg.

«Der Anbau des Gentech-Mais Mon810 - der einzigen in der EU zugelassenen Gentech-Pflanze - ist um 15 Prozent zurückgegangen», so Karg. Doch darüber sei im «geschönten Bericht» nichts zu lesen.

ISAAA-Bericht: Wiederholt falsche Angaben

«Während 2008 die Anbaufläche für Gentech-Mais in der EU noch knapp 108'000 Hektar betrug, wurde im Vorjahr nur noch auf zirka 92'000 Hektar Gentech-Mais ausgebracht», rechnet Karg vor.

«Das sind 0,78 Prozent der gesamten europäischen Maisanbaufläche von insgesamt 14 Mio. Hektar.» Der Grossteil der Gentech-Pflanzen Europas - insgesamt 80 Prozent - werden in Spanien angebaut. Dort sei die Anbaufläche im Vorjahr um 3000 Hektar zurückgegangen.

«In sieben europäischen Ländern ist der Anbau von Mon810 im Vorjahr verboten worden.» Legal dürfe derzeit nur in Portugal, Slowakei, Spanien, Rumänien und Tschechien angebaut werden. Illegal angebaut wurden schätzungsweise 3000 Hektar in Polen.

«Der ISAAA-Report rechnet diese illegalen Anbauflächen kommentarlos zu den Zahlen des Gentechnikanbaus in der EU dazu», so Karg. Das sei ein Indiz für den laxen Umgang dieser Industrie mit Wissenschaft und Gesetzen.

Gentechfreie Produkte boomen in den USA

Keine Erwähnung findet die Tatsache, dass in den USA das Interesse für gentechnikfreie Produkte stark im Steigen ist. «Von einem Siegeszug kann man hier nicht sprechen», so Karg.

«Im Gegensatz zu den Behauptungen des ISAAA, erwirtschaften Landwirte bis heute keine höheren Erträge mit Gentech-Pflanzen. In erster Linie werden Gentech-Pflanzen von Betrieben verwendet, die auf Monokulturen setzen.»

Mit keinem Wort erwähnt, werde im Bericht auch der wissenschaftlich bewiesene Umstand, dass gentechnisch veränderte Pflanzen immer stärkere Pestizide brauchen, da sich Resistenzen bilden. Das bedeutet auch, dass die Kosten für die Landwirte deutlich steigen.

Kein Dammbruch für Gentechnik in China

Eine Gentech-Reis-Zulassung für eine chinesichese Provinz werde von ISAAA zu einer Grundsatzentscheidung für ganz China hoch stilisiert, kritisiert Karg. «Wahr ist jedoch, dass die Zulassung nur für jene Provinz gegeben wurden, deren Universität den Reis entwickelt hat. In der Vergangenheit hat es mehrere dieser Zulassungen gegeben, ohne dass es zu einer China-weiten Anbauerlaubnis gekommen ist.»

Greenpeace argumentiert, dass für die Konsumenten bis heute sowieso keinerlei Vorteile der Grünen Gentechnik sichtbar sind. Die globalen Anbauversuche und der Vertrieb von Gentech-Pflanzen beeinflusse allerdings die gentechnikfreie Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung negativ.

Erst im Herbst 2009 deckte Greenpeace auf, dass aus Kanada stammende Lieferungen von mit Gentechnik verunreinigtem Leinsamen auch in Österreich auf den Markt gelangt waren.

(bert/pte)

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