Presse kontert: Medienstudie sei «elitär»
publiziert: Freitag, 13. Aug 2010 / 19:31 Uhr
Die Presse findet, dass die Qualität keineswegs erodiere (Redaktionsbüro)
Die Presse findet, dass die Qualität keineswegs erodiere (Redaktionsbüro)

Bern - In der Medienbranche stossen die Befunde einer neuen Studie auf Ablehnung. Die Qualität der Schweizer Medien sinke nicht, und Gratiszeitungen seien gut gemacht, sagen Verleger und Chefredaktoren. Zudem sei der Qualitätsbegriff der Autoren elitär.

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Die Medienvertreter lehnen die These der Wissenschafter um den Zürcher Soziologen Kurt Imhof ab, die Gratiskultur mit Onlineportalen und Gratiszeitungen zerstöre die Qualität der Medien. Laut Hanspeter Lebrument, Präsident des Verbands Schweizer Presse, sind die Gratiszeitungen «nicht schlecht gemacht».

Sie hätten es vielen Menschen ermöglicht, wieder mit der geschriebenen Sprache in Kontakt zu kommen. Zudem seien Leserinnen und Leser heute genug gebildet, um die Blätter mit einer gewissen inneren Distanz zu lesen. «Eine Zeitlang gab es tatsächlich zu viele Gratiszeitungen. Aber heute hat sich das eingependelt.»

Was den Einfluss der Medien auf die Demokratie betrifft, widerspricht Lebrument den Autoren. Die Medienvielfalt sei heute so gut, dass alle ihre Meinung kundtun könnten.

«Ein elitärer Begriff von Qualität»

Marco Boselli, Chefredaktor der Gratiszeitung «20 Minuten», teilt die Einschätzung der Zürcher Forscher ebenfalls nicht. «Den Vorwurf, '20 Minuten' sei schuld am Qualitätsabbau, muss ich zurückweisen», sagte er zur SDA. Wenn die Autoren glaubten, seine Zeitung drucke vor allem Agenturmeldungen, dann hätten sie «keine Ahnung davon, was '20 Minuten' ist».

Boselli betont, sein Blatt setze stark auf Eigenleistungen, und die 20 Minuten AG beschäftige insgesamt 150 Angestellte im redaktionellen Bereich. Die Pendlerzeitung «20 Minuten» ist die auflagenstärkste Zeitung. Damit übe sie natürlich auch Druck aus auf andere Produkte, die sich «der ökonomischen Realität stellen müssen».

Jürg Bachmann, Präsident des Verbandes Schweizer Privatradios, stellt fest, dass die Studienautoren mit einem Begriff operieren, bei dem die Publikumsresonanz keine Rolle spiele. «Die Leser- und Hörerzahlen darf man aber nicht vernachlässigen, wenn man von Qualität spricht, sonst wird der Begriff schnell elitär.»

(et/sda)

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