Persönliche Erklärung von Claude Béglé im Wortlaut
publiziert: Dienstag, 19. Jan 2010 / 20:48 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 20. Jan 2010 / 12:57 Uhr

Die Persönliche Erklärung von Dr. Claude R. Béglé, Präsident des Verwaltungsrates der Schweizerischen Post.

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«Ich hatte von Beginn weg mit erbittertem Widerstand einer starken Fraktion von Beharrern mit Partikularinteressen zu kämpfen.»
«Ich hatte von Beginn weg mit erbittertem Widerstand einer starken Fraktion von Beharrern mit Partikularinteressen zu kämpfen.»
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«Ich habe heute den Bundesrat über meinen sofortigen Rücktritt von meiner Funktion als Präsident des Verwaltungsrates der Schweizerischen Post informiert. Die über weite Strecken polemisch geführte Diskussion über meine Art, die Post zu führen, und die unqualifizierten Angriffe gegen meine Person sowie die damit verbundene öffentliche Diffamierung veranlassen mich zu diesem Schritt. Dabei stelle ich die Interessen des Service public-Unternehmens Post, seines Eigners, der Eidgenossenschaft, und all‘ seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über meine eigenen.

Mein grösstes Bestreben war es immer, der Schweizerischen Post nach bestem Wissen und Gewissen zu dienen. Ich trat mein Amt im Frühjahr 2009 mit dem Auftrag des Bundesrates an, die Schweizerische Post in eine neue Ära der Marktöffnung und Liberalisierung zu führen, die Strukturen zu modernisieren und den Staatsbetrieb in eine erfolgreiche Zukunft mit nachhaltig gesicherter Ertragskraft zu führen. Dabei hatte ich von Beginn weg mit erbittertem Widerstand einer starken Fraktion von Beharrern mit Partikularinteressen zu kämpfen. Ich tat dies mit der mir eigenen Innovations- und Schaffenskraft sowie meiner Weltoffenheit.

Die Raison d’être der Schweizerischen Post ist die Sicherstellung einer qualitativ hochstehenden, flächendeckenden Grundversorgung. Dabei stellt heute der drastische Mengenrückgang bei Briefen und traditionellen Aktivitäten die grösste Herausforderung dar. In Kürze wird die kritische Masse nicht mehr erreicht. Damit ist die Gewährleistung eines erstklassigen Service public in Frage gestellt. Ich bin überzeugt, dass die Poststellendichte nicht durch die Schliessung von kleineren Poststellen über Gebühr vermindert werden darf. Und mit dem Schutz einer möglichst grossen Anzahl von Arbeitsplätzen muss die Post ihre soziale Verantwortung wahrnehmen. Daraus folgt, dass Kosteneinsparungen im aktuellen Umfeld enge Grenzen gesetzt sind.

Die Situation kann nur nachhaltig verbessert werden durch die gezielte Erschliessung profitabler Wachstumsquellen. Dabei stehen einerseits die Weiterentwicklung von Finanzdienstleistungen bei Postfinance im Vordergrund. Anderseits muss der Bereich Swiss Post Solutions, also das Angebot von physischen und elektronischen Informations- und Mehrwertlösungen entlang der Wertschöpfungskette, ausgebaut werden.

Es geht um eine schrittweise Expansion in Geschäftsbereiche mit niedrigen Eintrittsbarrieren und mit gut kalkulierbaren Risiken. Die Schweizerische Post muss ein Gleichgewicht finden zwischen herkömmlichen Aktivitäten zur Sicherstellung der Grundversorgung und wachstumsstarken neuen Geschäftsfeldern im In- und Ausland.

Mit meinem Rücktritt, einem für mich sehr drastischen Schritt, der mir ausserordentlich schwerfällt, geht es mir darum, das stolze Unternehmen Post und dessen Werte zu schützen und die Diskussion um dessen Zukunftsstrategie zu versachlichen. Es geht mir aber auch darum, meine persönliche Integrität als engagierter Unternehmensführer zu wahren.

Ich bin mir bewusst, dass mir bei meinem Vorwärtsdrang Fehler unterlaufen sind und ich die Bereitschaft zur Veränderung in der Schweizerischen Post mit ihrer ausgeprägten Kultur zu optimistisch eingeschätzt habe. Ich danke allen, die mich in dieser intensiven Phase aktiv und konstruktiv unterstützt haben, insbesondere den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aller Stufen, welche sich jeden Tag mit grossem Engagement für »ihre« Post einsetzen.

Mein besonderer Dank gilt Herrn Bundesrat Moritz Leuenberger, der mir stets mit Wohlwollen begegnet ist und mir eine wichtige Stütze war. Der Schweizerischen Post wünsche ich bei der Bewältigung der grossen anstehenden Herausforderungen nur das Beste.»

(fest/news.ch mit Agenturen)

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