Ölmultis wegen Golf-Katastrophe am Pranger
publiziert: Dienstag, 15. Jun 2010 / 23:52 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 16. Jun 2010 / 00:19 Uhr
Barack Obama stellt sich bei seinem Besuch in Louisiana demonstrativ an die Seite der einfachen Leute, die auch am meisten betroffen sind.
Barack Obama stellt sich bei seinem Besuch in Louisiana demonstrativ an die Seite der einfachen Leute, die auch am meisten betroffen sind.

Washington - Nicht nur BP, auch die vier anderen führenden Ölkonzerne haben sich im Zuge der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko im US-Kongress massive Vorwürfe anhören müssen.

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Keine der fünf vorgeladenen Firmen verfüge über angemessene Pläne zur Bewältigung eines Vorfalls, wie er sich nach der Explosion der BP-Plattform vor gut zwei Monaten ereignete, sagte der Abgeordnete Henry Waxman.

Die Unternehmen wiesen lediglich «Massnahmen von der Stange» vor, von denen sich einige bereits als nutzlos erwiesen hätten, warf der Demokrat den Spitzenmanagern von BP, Exxon, Chevron, ConocoPhillips und Royal Dutch Shell vor.

Wertlose Notfallpläne

Die Notfall-Pläne aller Konzerne seien «praktisch wertlos, wenn sich tatsächlich eine Ölpest ereignet», kritisierte auch der Abgeordnete Bart Stupak.

Er hob insbesondere Exxon Mobil hervor. Der Konzern verfüge über eine 40-seitige Medienstrategie, die fünf Mal länger sei als sein Plan zum Schutz der Umwelt. Exxon Mobil mache sich offenbar mehr Sorgen um die öffentliche Wahrnehmung als um die Natur, sagte Stupak.

Exxon-Chef Rex Tillerson sagte, dass es den Unternehmen vorwiegend darum gehe, Ölkatastrophen zu vermeiden. Wenn sie sich dann doch ereigneten, «sind wir nicht sehr gut aufgestellt, um damit umzugehen», räumte er ein.

Höhere Strafen und verschärfte Sicherheitsvorkehrungen

Die vorgeladenen Manager hörten sich regungslos die Vorwürfe der Mitglieder des Unterausschusses im Repräsentantenhaus an, vor dem sie Rede und Antwort zu Fragen der Sicherheit der Ölförderung auf offener See stehen sollen.

Die Anhörung könnte erheblich Einfluss darauf haben, wie künftig mit Offshore-Bohrungen verfahren wird. Im Gespräch sind höhere Strafen und verschärfte Sicherheitsvorkehrungen. Betroffen ist somit nicht nur BP, sondern die gesamte Branche.

Krise für Firmen in der Golfregion kommt

Die Ratingagentur Moody's hatte am Montag erklärt, die schlimmste Ölpest in der US-Geschichte werde zu einer noch nie dagewesenen Krise bei Firmen führen, die im Golf von Mexico tätig sind. Auch internationale Auswirkungen sind denkbar, da andere Länder geplante strengere US-Vorschriften womöglich übernehmen.

Bereits jetzt hat die amerikanische Regierung wegen der Katastrophe Tiefseebohrungen im Golf für sechs Monate untersagt. All das könnte zum Rückzug von Firmen aus dem ölreichen Gebiet führen.

(fest/sda)

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