Nur 17 Prozent nehmen eine Kreditklemme wahr
publiziert: Montag, 9. Aug 2010 / 07:59 Uhr
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Die Befragten glauben nicht, dass die Banken nur ein begrenzt verfügbares Kreditvolumen hatten.
Die Befragten glauben nicht, dass die Banken nur ein begrenzt verfügbares Kreditvolumen hatten.

Bonn - Laut einer Studie konnte die vielzitierte Kreditklemme mehr als der Hälfte der Unternehmen nichts anhaben. Dennoch: Obwohl sich die Kreditverfügbarkeit wieder deutlich verbessert hat, sind die Banken nach wie vor risikoscheu.

Lediglich ein geringer Teil der deutschen mittelständischen Unternehmen war im vergangenen Jahr von einer Kreditklemme betroffen. Die meisten konnten sich über die Auflösung von Rücklagen selbst finanzieren. Das ist eines der Ergebnisse einer Studie der globalen Strategieberatung Simon-Kucher & Partners.

Kaum gespürt

Demnach gibt über die Hälfte der Befragten an, dass ihr Unternehmen nicht unter einer Kreditklemme gelitten hat. Nur 17 Prozent nehmen überhaupt eine Kreditklemme wahr. Als Grund für eingeschränkte Kreditvergaben nennen die Unternehmen vor allem die höhere Risikoscheu der Banken. Auch forderten die Finanzinstitute mehr Sicherheiten, was für Unternehmen die Hürden bei der Aufnahme neuer Kredite deutlich erhöht hat. Dass die Banken nur begrenzt verfügbares Kreditvolumen hatten, glauben die Befragten indes weniger. Die Banken können also, wenn sie wollen.

«Banken tun unrecht»

«Vor der Krise haben vor allem klein- und mittelständische Betriebe leichter Kredite bekommen – inzwischen müssen auch sie bei ihrer Hausbank einen umfangreichen Geschäftsplan vorlegen», erklärt Harald L. Schedl, Mittelstandsexperte bei Simon-Kucher. «Die Banken tun hier dem Mittelstand unrecht. Diese Unternehmen waren vor der Krise sehr stark und sind es immer noch.» An der Studie, die Simon-Kucher gemeinsam mit den VDI-Nachrichten durchführte, nahmen mehr als 100 Entscheider überwiegend aus mittelständischen Unternehmen teil.

Unternehmen lebten vom Polster

Die befragten Unternehmen finanzierten sich während der Krise häufig von innen, etwa indem sie Rücklagen auflösten. Durch das «Leben vom Polster» hatten es 68 Prozent der Befragten nicht nötig, auf alternative Finanzierungsoptionen auszuweichen. Fast die Hälfte konnte den Kapitalbedarf durch eigene Reserven decken. Generell scheint eine kurzfristige Kreditversorgung über die Hausbank gegenüber öffentlichen Krediten und privaten Investoren an Boden zu verlieren. «Gerade regionale Institute haben gegen den Trend kleinere und mittlere Unternehmen gut mit Krediten versorgt», betont Georg Wübker, Leiter der Banken-Abteilung bei Simon-Kucher. «Hier zeigt sich, dass die Nähe zum Kunden und die starke regionale Verwurzelung die Werttreiber dieser Institute sind.»

Glaube an Besserung

Mehr als 40 Prozent der Befragten glauben indes, dass sich die Kreditverfügbarkeit wieder verbessert. Nur ein kleiner Teil glaubt nicht, dass in diesem und im nächsten Jahr mehr Kredite bereitgestellt werden. «Insgesamt sieht der Mittelstand die Kreditsituation recht positiv. Leider unterschätzen die Banken den Mittelstand aber immer noch, dabei steckt hier viel Wachstumspotenzial mit Finanzierungsbedarf», sagt Schedl.

Banken unterschätzen Mittelstand

Bankenexperte Wübker nimmt die Studienergebnisse zum Anlass, an die Banken zu appellieren: «Der Mittelstand fordert ein neues Geschäftsmodell. Die einst langjährigen Beziehungen zwischen Bank und Mittelstand haben sich durch die Krise als teilweise instabil erwiesen. Dabei gehören 99 Prozent aller Unternehmen in Deutschland zum Mittelstand – die Banken müssen viel flexibler werden und Rundumfinanzierungen anbieten. Nicht nur Forderungen stellen.»

Wegen Bündelung der Nachfrage liessen sich massgeschneiderte Bündelungsangebote besonders gut auf Firmenkunden ausrichten. Vorausgesetzt, die Banken ändern ihre Einstellung. «Der Kunde sollte nicht mehr Bittsteller, sondern Partner sein», sagt Wübker. Eine umfassende Betreuungsqualität lässt sich nur realisieren, wenn heutige Spartengrenzen (etwa zwischen der Einlagen- und der Kreditseite oder zwischen Bank- und Versicherungsprodukten) überwunden werden. Die Branchenkenner Schedl und Wübker bekräftigen, dass die Anforderungen des Mittelstands bei der Kreditvergabe folgende sind: Sicherheit, Verlässlichkeit, Wachstumsanreize und damit verbunden attraktivere Kreditkonditionen. Gelingt es den Banken, innovative Preismodelle auf diese Anforderungen zuzuschneiden, dann werden sowohl Banken als auch der Mittelstand künftig Gewinner sein.

(am/sda)

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