Risk-Management
Neue Herausforderungen
publiziert: Mittwoch, 1. Jun 2011 / 09:27 Uhr
Nach der Wirtschaftskrise sollte das Risk Management in Unternehmen neu überdacht werden.
Nach der Wirtschaftskrise sollte das Risk Management in Unternehmen neu überdacht werden.

Zürich - Das Risk Management in Unternehmen sollte neu überdacht werden. Bei der Entwicklung eines geeigneten Ansatzes spielen einer Studie zufolge insbesondere die erhöhte Komplexität der globalen Wirtschaft, neue gesetzgeberische Rahmenbedingungen, das erhöhte öffentliche Interesse sowie das rasante Tempo, in dem sich im digitalen Zeitalter Nachrichten (insbesondere bei Krisenfällen) verbreiten eine wichtige Rolle.

Nach der Wirtschaftskrise sind die Verwaltungsräte gefordert, das Risk Management in ihren Unternehmen grundsätzlich zu überdenken. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Korn/Ferry International. «Die Komplexität von Risk Management in Zeiten erneuten Wachstums zu meistern, ist eine der grossen Herausforderungen für Unternehmen nach der Wirtschaftskrise. Zugleich stellt sich aber die Frage, wie man ausreichenden unternehmerischen Risikoappetit aufrechterhält», stellt Peter Brabeck-Letmathe, VR-Präsident von Nestlé, in seinem Vorwort zur Studie fest.

Die zentralen Erkenntnisse der Studie im Überblick

1. Der Zuständigkeitsbereich des Verwaltungsrats in Sachen «Risk» («Board Risk Purview») muss der Unternehmensgrösse, der Strategie sowie dem regulatorischen Umfeld entsprechen. Die Abgrenzung von Entscheidungsbefugnis (operatives Management) und Überwachungskompetenz (VR) muss explizit angesprochen und präzise definiert werden.

2. Die endgültige Verantwortung für die Überwachung der Risiken («Risk Oversight») liegt beim Verwaltungsrat in seiner Gesamtheit - unabhängig davon, ob ein Risk-Komitee besteht oder nicht. Es ist seine Pflicht, im Unternehmen die passenden Strukturen zu schaffen.

3. Die Prozesse für die Erstellung von «Risk Reports» müssen überprüft werden. VR-Mitglieder benötigen detaillierte Informationen in spezifischer Qualität und geeignete Frühindikatoren. Zudem sollten sie Gelegenheit haben, dieses Thema mit relevanten Führungskräften auf unterschiedlichen Ebenen umfassend und direkt zu diskutieren.

4. Der Umgang mit Risiken muss auch vor dem Hintergrund der Unternehmenskultur hinterfragt werden. Führende Verwaltungsräte müssen Wege definieren, um das Risikoverhalten (den «Risikoappetit») ihres Unternehmens (und wie stark diese Haltung das Unternehmen durchdringt) zu messen und auch beeinflussen zu können.

5. Es ist Aufgabe des VR-Präsidenten dafür zu sorgen, dass Minderheitsmeinungen Gehör geschenkt wird und keine Gruppendynamik dominiert. Eine wirksame Kontrolle der Risiken setzt voraus, dass im VR-Gremium eine offene, vertrauensvolle Gesprächskultur herrscht.

6. Eine Neubesetzung des VR bietet eine gute Möglichkeit, um überholte Annahmen über Bord zu kippen und das Thema Risiko wieder mit frischem Blick anzugehen.

7. Bei der Neubesetzung von VR-Mandaten sollte auf Erfahrung im Risk Management geachtet werden. Insgesamt müssen im Verwaltungsrat Branchenerfahrung, ein stark ausgeprägter Instinkt für unternehmerischen Umgang mit Risiko, strategisches Denken und Diversity in allen Facetten vertreten sein.

(ms/sda)

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