Öko-Institut empfiehlt: Chancen/Risiken der Nanotechnologien abwägen
Nano: Winzig, aber grosse Wirkung
publiziert: Montag, 1. Okt 2007 / 07:16 Uhr

Was haben kratzfeste Autolacke, antibakterielle Kleidung oder transparente Sonnencremes gemeinsam? Sie können Nanomaterialien enthalten, also Teilchen, die kleiner als 100 Nanometer sind. Schätzungsweise zwischen 50 bis 100 Millionen Euro werden heutzutage bereits mit Nanoprodukten auf dem Weltmarkt umgesetzt.

Nanomaterialien stellen aus technisch-naturwissenschaftlicher Sicht keine homogene Gruppe dar.
Nanomaterialien stellen aus technisch-naturwissenschaftlicher Sicht keine homogene Gruppe dar.
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Kurz- bis mittelfristig rechnen die Experten am Öko-Institut mit weiteren Neuentwicklungen in der Energietechnik, bei Lebensmitteln und in der Medizin. Die Nanotechnologien gelten als wichtigste Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts. Grund genug, sich ausführlich mit den Nanoprodukten zu beschäftigen. «Wir benötigen dringend eine integrierte Betrachtung sowohl der Chancen als auch der Risiken dieser neuen Technologie», fordert Öko-Instituts-Experte Martin Möller. In einem neuen Arbeitspapier beziehen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler jetzt Position.

Wichtigstes Fazit

Die Chancen nanotechnologischer Produkte für den Umweltschutz und für die menschliche Gesundheit müssen systematisch identifiziert, konkretisiert und genutzt werden. Dabei sollte sich die Analyse nicht nur auf einzelne Produkte beschränken, sondern auch die Optimierung ganzer Produktsysteme einbeziehen. Beispielsweise eröffnen nanotechnologische Innovationen bei der Energie-Speichertechnik die Möglichkeit, Strom aus erneuerbaren Energien zwischenzuspeichern. «Auf diese Weise könnte das bestehende Energiesystem revolutioniert werden», sagt Martin Möller.

Stärker erforschen

Gleichzeitig gilt es mögliche Risiken der Nanotechnologien stärker als bisher zu erforschen und dabei den ganzen Lebensweg zu berücksichtigen. Weitestgehend unbekannt sind beispielsweise die Risiken am Lebensweg-Ende eines Produkts. Wie verhalten sich Nanomaterialien in der Kläranlage, bei der Müllverbrennung oder beim Recycling? «Um Chancen und Risiken der Nanotechnologien gerecht zu werden, muss der derzeitige Regelungsrahmen, insbesondere beim europäischen Chemikalienrecht REACH entsprechend angepasst werden», verlangt Andreas Hermann, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Forschungsbereichs «Umweltrecht & Governance».

Individuell betrachten

Nanomaterialien stellen aus technisch-naturwissenschaftlicher Sicht keine homogene Gruppe dar. Es handelt sich dabei um physikalisch und strukturell sehr unterschiedliche Stoffe. Auch ihre chemische Zusammensetzung sowie ihr Potenzial für chemische und biochemische Reaktionen sind sehr unterschiedlich. Deswegen müssen die Produkte sehr individuell und vor allem differenziert betrachtet werden.

Empfehlungen des Öko-Instituts

Aufgrund seiner jahrzehntelangen Erfahrung mit risikobehafteten Stoffen und neuen Technologien empfiehlt das Öko-Institut:

– Eine differenzierte Beurteilung der zahlreichen Innovationen und Technologieansätze, die unter dem Begriff der Nanotechnologien zusammengefasst werden.

– Die Abwägung der Chancen und Risiken nanotechnologischer Anwendungen sollte in einem transparenten Prozess erfolgen – fallbezogen und entwicklungsbegleitend.

– Eine Kennzeichnungspflicht für Produkte, die freie Nanopartikel enthalten, kann die Transparenz deutlich verbessern und den Verbrauchern beim Kauf die Wahlfreiheit ermöglichen. Sie setzt jedoch eine internationale Standardisierung voraus.

– Monitoringprogramme sowie ein Frühwarnsystem helfen dabei, rechtzeitig Risikoschwerpunkte zu erkennen.

– Es handelt sich dabei um eine Aufgabe, bei der Hersteller, Gesetzgeber, Wissenschaft und Verbraucher gleichermassen gefordert sind.

(pd)

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