Morgan Stanley stellt sich offenbar zum Verkauf
publiziert: Donnerstag, 18. Sep 2008 / 07:15 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 18. Sep 2008 / 13:22 Uhr

London/New York - Die Finanzkrise führt zu einem Kahlschlag unter den Grossbanken. Die angeschlagene britische Hypothekenbank HBOS muss sich unter die Fittiche der Konkurrentin Lloyds flüchten. Und die US-Investmentbank Morgan Stanley stellt sich offenbar zum Verkauf.

Seit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers haben viele Bank-Aktien Wert verloren.
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Insgesamt legt Lloyds für HBOS 12,2 Mrd. Pfund (24,4 Mrd. Franken) auf den Tisch, wie Lloyds am Donnerstag mitteilte und damit Medienberichte vom Vortag bestätigte. HBOS war im Zuge der Finanzmarktkrise in Schwierigkeiten geraten und hatte sich Lloyds zum Kauf angeboten.

Die Papiere von HBOS hatten nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers rund 70 Prozent ihres Wertes verloren. Experten hatten einen Ansturm der Kunden auf Grossbritanniens grösste Hypothekenbank befürchtet, nachdem seit Monaten über deren schlechten Finanzzustand spekuliert worden war.

Mit dem Zusammenschluss entsteht nun ein Hypotheken-Gigant mit einem Marktanteil von 28 Prozent in Grossbritannien. Im Geschäft mit Baufinanzierungen ist HBOS mit Abstand die Nummer eins mit einem Marktanteil von 20 Prozent, während Lloyds Platz vier belegt. Lloyds und HBOS haben zusammen mehr als 3000 Filialen und 38 Millionen Kunden.

Regeln ausser Kraft gesetzt

Angesichts der Finanzmarktkrise werden die Wettbewerbsbehörden die Fusion nicht blockieren. «Wir haben uns entschieden, die Wettbewerbsregeln im Fall dieser beiden Banken zu erlassen», sagte Finanzminister Alistair Darling.

Die HBOS-Aktien reagierten zu Handelsbeginn mit einem Kurssprung von rund 24 Prozent auf die Übernahmevereinbarung, Lloyds-Titel verloren dagegen rund 7 Prozent.

Medien berichteten, dass durch den Zusammenschluss 40'000 Jobs auf dem Spiel stünden. Lloyds-Chef Eric Daniels nannte die Zahl «sehr hochgegriffen». Lloyds beschäftigt gut 70'000 Mitarbeiter, bei HBOS sind es gut 74'000.

Morgan Stanley offenbar vor Verkauf

Derweil prüft eine der beiden letzten reinen US-Investmentbanken, Morgan Stanley, laut Medienberichten einen Zusammenschluss mit einem anderen Finanzhaus. Als möglicher Partner wird die viertgrösste US-Bank Wachovia genannt.

Wachovia habe Morgan Stanley gegenüber selbst Interesse an einem Zusammenschluss geäussert, berichtete die «New York Times» unter Berufung auf Insider. Auch andere Banken hätten bereits angeklopft.

Morgan Stanley hatte an der Börse zuletzt immer stärkere Kursverluste erlitten. Am Mittwoch war die Aktie erneut um 24 Prozent auf 21.75 Dollar abgestürzt.

Auch bei der US-Sparkasse Washington Mutual liefen Verkaufsgespräche, berichtete die «New York Times». Zu den möglichen Käufern zählten die britische Bank HSBC sowie die US-Häuser J.P. Morgan Chase, Citigroup und Wells Fargo.

Geldspritzen

Um die Finanzmärkte zu beruhigen, haben die wichtigsten Zentralbanken eine Gemeinschaftsaktion beschlossen, weitere Milliarden Dollar in den Geldmarkt zu pumpen. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) erhöht die zur Verfügung gestellte Liquidität von 12 Mrd. Dollar auf 27 Mrd. Dollar.

Damit handelt die SNB im Verbund mit der US-Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank (EZB), der britischen, kanadischen und japanischen Notenbank. An der Schweizer Börse liessen die Geldspritzen die zuletzt runter geprügelten Bankaktien steil ansteigen.

So schoss die UBS-Aktie bis Mittag um fast 12 Prozent nach oben. Konkurrentin Credit Suisse legte um knapp 8 Prozent zu.

(fest/sda)

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