Mangelnde Sicherheitsvorkehrungen verantwortlich
Modeketten suchen nach Alternativen zu Bangladesh
publiziert: Freitag, 17. Mai 2013 / 20:43 Uhr / aktualisiert: Samstag, 18. Mai 2013 / 09:45 Uhr
Bangladesch: Arbeitsbedingungen am Pranger - Einsturz bringt Imageschaden mit sich. (Archivbild)
Bangladesch: Arbeitsbedingungen am Pranger - Einsturz bringt Imageschaden mit sich. (Archivbild)

Semarang/Wien - Nach dem Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesh suchen immer mehr Konzerne aus der Bekleidungsindustrie nach alternativen Standorten für ihre Produktion, wie die New York Times berichtet. 1.127 Menschen sind bei der jüngsten Katastrophe ums Leben gekommen.

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Dafür verantwortlich werden die mangelnden Sicherheitsvorkehrungen gemacht - ein Umstand, der auf die grossen westlichen Retailer nicht nur abfärbt, sondern auch deren Reputation nicht unwesentlich in Mitleidenschaft zieht.

Für NGOs wie die Clean Clothes Kampagne ist eine Abkehr vom Standort Bangladesh jedoch nicht wünschenswert. «Die Strategie, sich aus Bangladesh zurückzuziehen, ist aus unserer Sicht nicht der richtige Weg. Das würde in erster Linie die Industrie in dem Land selbst treffen und Arbeitsplätze würden verloren gehen», erläutert Michaela Königshofer von der Clean Clothes Kampagne Österreich. «Wir fordern konkrete Schritte zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und verlangen unabhängige Sicherheitsinspektionen.»

Gegenwärtig befinden sich einige Manager von grossen Modeketten auf Geschäftsreise durch Südostasien - auf der Suche nach potenziellen neuen Zulieferer und Informationen über Arbeitsrecht, Lohnniveau und politische Stabilität. Dabei stehen insbesondere der Süden Vietnams, Zentralkambodscha und die Insel Java in Indonesien im Fokus. Doch auch dort sind die Sicherheitsvorkehrungen teilweise nicht um vieles besser. Erst gestern ist in Kambodscha eine Schuhfabrik der Firma Asics eingestürzt. Darin sollen sich laut ersten Angaben 1.000 Menschen befunden haben.

Fabriken in Nachbarländern ausgelastet

Die vergangenen Monate waren in Kambodscha geprägt von einem Klima der Angst. Ein Grossbrand in einer Fabrik im November, 33 regionale und nationale Streiks seit Januar, Tote bei Strassenschlachten sowie der bereits erwähnte Einsturz mit über 1.000 Toten. Ursprünglich war China das bevorzugte Produktionsland, doch nur so lange bis dort die Löhne stiegen und die Konzerne neue Partnerschaften in Bangladesh aufbauten. Das Land ist nach China der zweitgrösste Kleidungsproduzent. Der Gang in andere Länder dürfte sich aber schwierig gestalten. Der Grossteil der Fabriken im südostasiatischen Raum ist voll ausgelastet und kann - wenn überhaupt - nur in begrenztem Mass neue Aufträge annehmen.

Retailer haben bereits in der Vergangenheit versucht, Alternativen zu entwickeln, unter anderem in Afrika, Indien oder Lateinamerika - ohne nennenswerte Erfolge. Weltweit gibt es nur eine Hand voll verarmter Länder, die über hochkomplexe Produktions- und Lieferprozesse verfügen und innerhalb weniger Wochen hunderttausende T-Shirts fristgerecht fertigen und verschiffen können. Bangladesh ist eines davon. Rund vier Fünftel der gesamten Ausfuhren des Landes entfallen auf den Textilsektor.

 

 

(tafi/pte)

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