Mehr Nachhaltigkeit im Onlinehandel - wie geht das?
publiziert: Freitag, 15. Feb 2019 / 15:07 Uhr
Der Versandhandel hat unsere Art einzukaufen deutlich verändert - allerdings gibt es in Sachen Nachhaltigkeit noch Nachholbedarf.
Der Versandhandel hat unsere Art einzukaufen deutlich verändert - allerdings gibt es in Sachen Nachhaltigkeit noch Nachholbedarf.

Der Onlinehandel ist ein unglaublich wichtiger Markt für Unternehmen. Auch für Kunden ist er nützlich, denn die Auswahl an Produkten ist immens, das Bestellen ist bequem und all diejenigen, die über kein eigenes Auto verfügen, haben es wesentlich leichter, Waren nach Hause zu erhalten. Auf der anderen Seite besticht der Onlinehandel jedoch nicht unbedingt mit Nachhaltigkeit. Wie häufig werden kleinste Produkte in schiere Massen an Verpackungsmitteln versteckt oder Kartons besitzen Masse, die absolut nicht mit dem in ihnen enthaltenen Produkt korrelieren? Dieser Artikel schaut sich das Thema einmal genauer an und erklärt, wie die Nachhaltigkeit verbessert werden kann.

Verpackungsmüll reduzieren

Das ist wohl mit der einfachste Punkt und der, den sich viele Verbraucher wünschen. Fast jeder Bürger erhielt schon einmal eine Warenlieferung, in deren Verpackung mühelos der 50-Zoll-TV gepasst hätte, während eigentlich nur eine kleine Dekoschale transportiert wurde. Doch was so unverständlich erscheint, hat oft Gründe:

  • Kartonagen - Händler können nicht aus unendlich vielen Verpackungsgrössen wählen, sondern müssen sich meist auf gängige Kartonagen beschränken. Das bedeutet, dass eine zwar längere, doch dünne Teleskopstange in einen riesigen Karton kommt, da dieser von der Länge passt.
  • Transportsicherheit - Kunden wünschen einwandfreie Ware. Versender müssen daher schon grössere Kartonagen wählen, um diese Sicherheit zu garantieren. Abgerundet wird die Verpackung nun von Füllmaterial.
  • Füllmaterial - das ist zumeist alles andere als nachhaltig. Am besten dürften noch die mit Luft gefüllten Plastikbeutel sein, vielleicht auch noch die typische Luftpolsterfolie. Letztere können Kunden zumindest selbst lagern und wiederverwenden. Kartons hingegen, die mit Schaumstoff, Styroporschnipseln und anderem Füllmaterial gefüllt sind, entsprechen der Nachhaltigkeit nicht einmal im entferntesten Sinne.
Um eine grössere Nachhaltigkeit zu gewährleisten, müssten beide Seiten umdenken. Unternehmen sollten immer wieder andere Kartonagengrössen anfragen, denn werden diese Zwischengrössen häufiger nachgefragt, werden sie auch günstiger angeboten. Zudem sollte sich jeder Betrieb überlegen, wie die Ware besser verpackt werden kann. Einige Beispiele:
  • Besseres Material - sämtliche Füllmaterialien sollten auf ihre Beständigkeit und den Umweltschutz hin überprüft werden. Styropor- und Schaumstoffschnipsel gehören nicht in den Karton, denn auch der Kunde kann sie teils nur auf Umwegen korrekt entsorgen. Sinnvoller sind da wiederverwendbare Materialien wie die Luftpolsterfolie. Aber auch Schredderreste aus dem Büro, Zeitungspapier oder Füllpappen funktionieren.
  • Lieferung - viele Kunden bestellen mehrere Produkte beim Händler. Häufig ist es so, dass sie tatsächlich einzeln verschickt werden. Hier sollte geprüft werden, ob das nicht vermieden werden kann.
Dies ist eine wirklich leicht umzusetzende Form der Nachhaltigkeit. Viele Schweizer nutzen den Rechnungskauf sehr gerne, da hier viele Sicherheiten geboten werden. Doch auch bei einer direkten Überweisung oder Lastschrift ist es nicht notwendig, die Rechnung per Post zu versenden oder dem Paket beizulegen. Hier gilt:
  • Papierlos - die papierlose Rechnung ist in allen Belangen von Vorteil. Das Unternehmen hat die Rechnung ohnehin auf den Computer, sodass sie leicht an den Kunden weitergeleitet werden kann.
  • Entscheidungsfreiheit - der Kunde ist es, der nun überlegen kann, ob er die Rechnung ausdruckt oder nicht.
  • Kostengünstig - nicht zuletzt spart ein Unternehmen, wenn es die Rechnung - wann immer es geht - per E-Mail versendet. Das Porto entfällt einfach.
Abholstationen statt Haustürlieferungen

Diese Überlegung kommt immer wieder auf. Grundsätzlich sind Abholstationen eine gute Erfindung, doch müssen Unternehmen achtgeben, keine Kunden zu vergrämen:

  • Örtlichkeit - nicht jeder Ort ist bestens an die Stationen angeschlossen. Landbewohner müssen teils mehrere Kilometer zur nächsten Abholstation fahren, was, unter Umständen, ebenfalls nicht nachhaltig ist.
  • Mobilität - das ist ein ganz grosses Problem in dieser Diskussion. Abholstationen oder Paketstationen sind für viele Kunden ideal, wenn sie denn mobil sind, innerhalb eventueller Öffnungszeiten zu Stationen kommen oder wenn die Station selbst keinen Umweg bedeutet. Setzen Unternehmen jedoch überwiegend auf die Stationen, so werden sie viele ältere oder nicht mobile Kunden verlieren. Niemand fährt mit dem Bus oder geht per Fuss zwei Kilometer zur Abholstation, schleppt ein schweres oder unhandliches Paket nach Hause, wenn ein anderer Händler die Haustürlieferung ohne Aufpreis anbietet.
Generell sind Abholstationen eine wunderbare Idee, wenn das Versorgungsnetz ausgebaut wird und in alle Richtungen gedacht wird. Die Verteuerung der Haustürlieferungen würde nicht mobile Kunden oder etliche Senioren verärgern, gleichzeitig muss sichergestellt sein, dass jeder innerhalb von einem Umkreis von höchstens einem Kilometer eine Station zur Verfügung hat. Und hier gibt es ein weiteres Problem:
  • Lieferanten - viele Lieferanten und Paketdienste mögen nicht zusammenarbeiten. Das bedeutet, dass Dienst A seine Pakete nicht in dieselbe Station liefert, wie Dienst B. Aus Sicht der Dienste mag dies verständlich sein, aus Kundensicht hingegen nicht. Denn selbst mit einem guten Stationsnetz kann das bedeuten, dass Kunden diverse Stationen anfahren müssen, um ihre Post abzuholen.
  • Sicherheit - die Sicherheit in einigen Stationen ist nicht unbedingt gegeben. Häufig handelt es sich bei den Stationen um kleinere Einzelhändler wie Wäschereien, Bäckereien oder auch einen kleinen Supermarkt. Ist hier keine gute und sichere Lagermöglichkeit gegeben, sind die Pakete ungeschützt.
  • Öffnungszeiten - in Geschäften liegende Stationen bergen immer das Problem, dass die Öffnungszeiten oft nicht den Abholzeiten übereinstimmen. Stationen, die nur bis 18 Uhr offen sind, können von den meisten Erwachsenen nicht genutzt werden.
Fazit - es muss sich etwas ändern

Alle Seiten müssen umdenken und überlegen, wie der Versand aus dem Onlinehandel verbessert werden kann. Grundsätzlich sind Abhol- und Paketstationen sinnvolle Alternativen, doch sind sie aktuell noch sehr urban und selbst dort nicht völlig durchdacht. Eine leichte Änderungsmöglichkeit besteht beim Verpacken, denn hier kann auf umweltfreundliches oder vom Kunden wiederverwendbares Füllmaterial und auf kleinere Kartons umgestellt werden. Rechnungen hingegen sollten grundsätzlich per E-Mail versandt werden.

(ps/pd)

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