Landwirte ärgern sich über Milchpreissenkung
publiziert: Montag, 7. Nov 2011 / 15:57 Uhr
Die Milchpreissenkung sei unhaltbar.
Die Milchpreissenkung sei unhaltbar.

Zürich - Milchbauern aus der ganzen Schweiz haben am Montag in Gossau ZH ihrem Unmut über die aktuellste Milchpreissenkung Luft gemacht. Sie zeigten sich «empört» und forderten in einer Resolution, der Auszahlungspreis müsse mindestens dem Milchpreisindex entsprechen.

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Die seit 1. November geltende Milchpreissenkung von 4 Rappen sei vom Markt her nicht gerechtfertigt. Bei der bereits prekären Einkommenssituation der Bauernfamilien sei sie unhaltbar, heisst es in der am Montag verabschiedeten Resolution an die Branchenorganisation Milch (BOM).

Milchbauern vom rechten Zürichseeufer und die landwirtschaftlichen Bezirksvereine aus der Region hatten Milchbauern aus der ganzen Schweiz eingeladen. Der BOM sei es bis heute nicht gelungen, den Milchpreis zu stabilisieren und die Vernichtung von bäuerlichem Einkommen zu unterbinden, schreiben die Bauern in einer Mitteilung.

Sie fordern die Branchenorganisation Milch in der Resolution auf, bei der Neukonstituierung des Vorstands für eine ausreichende Interessenvertretung der Milchproduzenten zu sorgen. Mindestens vier unabhängige Produzentenvertreter, die nicht im Milchhandel tätig seien, müssten Einsitz nehmen.

Bauern wollen Fonds führen

Ausserdem verlangen die Milchproduzenten einen Abbau der Butterlager bis Ende Jahr auf ein normales Mass - und zwar mit dem so genannten Marktentlastungsfonds. Da in erster Linie die Produzenten Interesse an einer Preis-Stabilisierung hätten, müsse die Marktentlastung unverzüglich in deren Hände gelegt werden.

«Die Führung dieses Fonds muss alleine bei den Bauern liegen», sagte Ruedi Steiger vom landwirtschaftlichen Bezirksverein Meilen gegenüber der sda. Ausserdem müssten für alle die gleichen Regeln gelten, egal wie man organisiert sei. «Wir wollen keine Trittbrettfahrer.»

Die Milchbauern kündigten an, mit allen Mitteln für ihre Interessen zu kämpfen. «Wenn sich die Lage noch verschärft und nicht auf unsere Forderungen eingegangen wird, kann es auch zu Blockaden oder Demonstrationen kommen», sagte Steiger. «Es geht schliesslich um unsere Existenz.»

Ende September waren die Schweizer Milchproduzenten (SMP) aus Protest gegen die Milchpreissenkung aus der Branchenorganisation Milch (BOM) ausgetreten.

(bg/sda)

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Der Milchpreis wird um 3 Rappen erhöht.
Stimmt schon, Heidi
Wir haben aus allen Kantonen und Sprachregionen Vertreter im Parlament. Mir scheint aber immer mehr, dass die Bauern, die das "Klavier" spielen können auch mehr und mehr die Richtlinien festlegen.

Wir werden am Schluss noch ein paar wenige Grossbauern "unterstützen", wenn's so weitergeht.
4 Rappen sind sogar sehr viel.
stimmt schon, kubra,
dass unsere Bauern hier grosse Vorteile gegenüber den Bergbauern geniessen. Sogar diejenigen in der hügeligen Emmentaler Gegend.

Ich wollte einfach nur darauf hinweisen, dass die Preise und damit der Verdienst der Landwirte seit Jahren rückläufig sind. Vier Rappen pro Liter Milch sind eine Menge Geld. Und nachdem ich in diesem Forum schon oft Märchen und Halbwarheiten gelesen habe, bin ich nicht ganz sicher, ob hier alle verstehen, was die Direktzahlungen bedeuten. Nur deshalb habe ich dieses Thema noch einmal angeschnitten.

Das mit der Sprache habe ich nicht verstanden. Wir haben doch aus allen Kantonen und Sprachregionen Parlamentarier in Bern.
Es ist
zu unterscheiden, zwischen Bauern und Bauern.
Es gibt die Bauern, die am Jahresende noch schnell was kaufen müssen, um das Budget "einzuhalten".
Dann gibt's die anderen, die davon keine Ahnung haben und still vor sich hin arbeiten.

Es gibt die Bauern im Unterland, die "ebenerdig" mit ihren Geräten fuhrwerken können und es gibt die Handmäher und die Heuer, die mit ihren Heuballen Schlitten fahren.

Es gibt die gut organisierten, die mit mehr Kühen als der Nachbar ab Mittag Zeit für was anderes haben und es gibt die weniger organisierten, die die Arbeit kurz unterbrechen, um am Mittag husch was zu essen.

Grundsätzlich würd ich sagen, haben die Bauern im Mittelland und um Bern herum immer noch grosse Vorteile. Sei's wegen der ebenen Flächen, sei's wegen der gleichen Sprache, die die Bundesbehörde spricht. Säuteckeli und -häfeli.

Irgendwie menschlich. So wie in der Politik. Effzienz kann auch bedeuten, die richtigen Leute für seine Interessen einzuspannen und arbeiten zu lassen.
Genau
dieses Lohndumping findet seit Jahrzehnten auch in der Landwirtschaft statt.

Das mit den Discountern geht leider nicht. Die Bauern verkaufen ihre Ernte an die Landwirtschaftlichen Genossenschaften. Die Abnahme ihrer Produkte ist ihnen garantiert zu einem Preis, zu welchem viele von uns sich frühmorgens lieber noch einmal im Bett umdrehen würden, als Kühe melken zu gehen. Im Gegenzug verpflichten sich die Bauern, ihr Saatgut ebenfalls dort zu kaufen. Die Direktzahlungen sind dann der Ausgleich für ihre Einbussen. Die Milch verkaufen sie den Käsereigenossenschaften. Im Gegenzug verpflichten sich die Bauern, Ihren Käse... An beiden Genossenschaften sind die Bauern beteiligt.

Abgerechnet wird zweimal jährlich.

Wissen Sie übrigens, dass ein Landwirt einen ganzen Tag versäumt, wenn er sein Mostobst in die Landi bringen will? Zuerst muss er hingehen und anmelden, was er bringen will. Dann muss er das Obst vom Baum schütteln, zusammenlesen und in Paloxen füllen und zuletzt gibt es nur einen einzigen Tag in der Woche, an dem er seine Ware liefern kann. Und an diesem einen Tag fahren also alle her, aus einem Umkreis von bis zu 20 Kilometern. Wenigstens in unserer Gegend. Ich kenne einen Bauern, bin noch weit, weit weg mit ihm verwandt (er ist mein Bruder und hat mir gesagt, dass er einiges mehr verdienen würde, wenn er die Äpfel liegen liesse und an diesem Tag arbeiten ginge. Zu dem Preis, was man noch kriegt dafür. Sie haben doch hoffentlich was davon gemerkt, dass der Most billiger geworden ist. Nein? ich auch nicht). Das ist auch so was: Grosse Bauern können vielleicht jammern, aber die Kleinen müssen eben arbeiten gehen, damit sie ihre Familien ernähren können.

Mit dem Rest, was Sie geschrieben haben, ich meine die Entlassungen auf Kosten der Steuerzahler und der Gewinnoptimierung, da bin ich mit Ihnen einverstanden.

Auch wenn es nicht alle glauben: Landwirte zahlen auch Steuern.
Gut gejammert
Ich weiss nicht, was diese Bauern eigentlich noch wollen. Die beziehen Weltweit die höchsten Subventionen und wir zahlen ebenfalls die höchsten Preise für Grundnahrungsmittel. Die sind noch nicht in der realen Wirtschaft angekommen. Am sonstigen Arbeitsmarkt findet ein politisch abgesegnetes Lohndumping statt und der Arbeitnehmer hat immer weniger in seiner Lohntüte und soll dazu auch noch mehr Wochenstunden leisten. Damit dann wieder entsprechende Entlassungen auf Kosten der Steuerzahler getätigt werden können. Gewinnoptimierung nennt man das. Findet dann ausnahmsweise doch mal eine Lohnerhöhung statt kommt der Fiskus und zieht diese dank der Progression gleich wieder ein. Aber unsere Bauern haben durch stetiges Jammern auf hohem Niveau schlussendlich ihre Ziele auch weitgehend erreicht. Bauern haut doch endlich bei den Discountern auf den Tisch und setzt da entsprechend den Hebel an.
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