Kollaps der weltweiten Fischerei
publiziert: Donnerstag, 3. Jul 2008 / 14:41 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 3. Jul 2008 / 17:22 Uhr

London/Wien - Trotz internationaler Warnungen vieler Experten, geht der Raubbau in den Ozeanen der Welt weiter. Regierungen ignorieren das Problem in vielen Fällen.

Gemäss Aussagen von Experten ist der Beifang ein massiv unterschätztes Problem.
Gemäss Aussagen von Experten ist der Beifang ein massiv unterschätztes Problem.
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In einer nun bei BBC-Online erschienenen Studie, bedroht die immer grössere Menge an Beifängen die Fauna der Weltmeere. Bei der Jagd auf manche Fischarten werden sogar 80 Prozent der gefangenen Fische als Beifänge tot ins Meer geworfen.

Greenpeace schätzt die jährliche Menge an Beifängen zwischen 6,8 und 27 Millionen Tonnen. Die unsichere Datenlage spiegle sich in den unterschiedlichen Angaben wider.

Keine Erholung

Wie massiv sich der Raubbau des Menschen in den Weltmeeren auswirkt, davon berichtet auch der Fischereiexperte am International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) in Laxenburg, Ulf Dieckmann. «Eines der bekanntesten Beispiele des Raubbaus sind die Grand Banks vor der Küste Neufundlands», so Dieckmann.

«Dort ist der einst so berühmte Kabeljau-Bestand in einem dramatischen Kollaps vor 16 Jahren so stark zurückgegangen, dass eine kommerzielle Jagd nach dem beliebten Speisefisch seitdem verboten ist.» Geirrt habe man sich mit der «naiven» Annahme, dass sich die Bestände nach drei bis vier Jahren erholen würden. «Mit dem nahezu völligen Verschwinden des Kabeljaus ist es auch zu Verschiebungen der Arten im Ökosystem gekommen.»

Starke Zunahme von wirbellosen Tieren

Anders verhält es sich im Mittelmeer: Hier berichten Forscher wie Ricardo Aguilar von der Umweltgruppe Oceana, dass das Verschwinden des Thunfisches für die Plage an Wirbellosen - darunter auch Quallen - verantwortlich ist. «Die meisten Wirbeltiere im Meer sind derart überfischt, dass die Populationen von Wirbellosen stark zunimmt.»

Auf den Grand Banks haben aus diesem Grund die Bestände an - teuer verkaufbaren - Krabben und Kammmuscheln stark zugenommen, wie Dieckmann berichtet. «Was hier für die Fischereiwirtschaft als Segen erscheint, ist ökologisch allerdings mehr als problematisch.»

Fehlende Anreize

«Innerhalb der EU gibt es keine einheitlichen Regelungen über den Beifang.» Geregelt ist allerdings, dass gewisse Fischarten - vor allem jene, die nicht befischt werden dürfen, auch nicht an Land gebracht werden dürfen. «Diese werden dann auf hoher See ins Meer gekippt.» Tragisches Detail am Rande: Alle davon sind beim Fang bereits tot.

Die Regelung, dass man gewisse Arten nicht «anlanden» dürfe, sei durchaus sinnvoll, meint Dieckmann. Allerdings fehle hier der zweite - viel wichtigere - Schritt: «Dieser müsste darin bestehen, von vorneherein die Menge des Beifangs so gering wie möglich zu halten und ihn bestenfalls ganz zu vermeiden.» Dazu fehle allerdings unter den derzeitigen Bedingungen der finanzielle und wirtschaftliche Anreiz. «Bei manchen Fischarten ist es tatsächlich so, dass in den Netzen 80 Prozent Beifang landen.»

Illegaler Fischfang

Ein weiteres grosses Problem für die weltweiten Fischbestände sind illegale Fänge: Der monetäre Wert der Fische, die durch illegale Fischerei aus den Gewässern entnommen werden, beläuft sich auf hochgerechnet 15 Mrd. Dollar. Allein für Afrika hat David Agnew vom Imperial College in London den entgangenen Verlust durch nicht verkaufte Lizenzen mit einer Mrd. Dollar jährlich beziffert.

Die ökologischen Schäden liegen allerdings weit höher, wie die Experten meinen. «Illegale Fischerei gibt es in allen Fischereigebieten», meint Dieckmann. «Das ist wiederum häufig ein Problem der Beifänge, bei denen mehr oder weniger ungewollt Fischarten im Netz landen, die eigentlich nicht befischt werden dürften», meint Dieckmann. Illegaler Fischfang sei daher in vielen Bereichen an der Tagesordnung.

(bert/pte)

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