Kaum Klimabewusstsein im Tourismus
publiziert: Donnerstag, 4. Dez 2008 / 21:37 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 4. Dez 2008 / 22:39 Uhr

Wien - Der Tourismus verursacht derzeit bis zu neun Prozent der global abgestossenen Treibhausgase und wird diesen Beitrag bis 2035 verdoppeln. Das belegen Daten der Welttourismusorganisation (UNWTO).

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Experten fordern ein Umdenken der Kunden zu mehr Nachhaltigkeit - auch beim Tourismus.
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Die Reisebranche weiss laut Studien zwar um die Klimaproblematik gut Bescheid und sieht sie als Bedrohung, zu freiwilligen Schritten der Nachhaltigkeit ist sie aber kaum bereit. Das thematisierte am gestrigen Mittwochabend eine Podiumsdiskussion am Department of Tourism and Hospitality Management der MODUL University Vienna.

«Damit im Tourismus ein Umdenken geschieht, müssen die Konsumenten kritischer gegenüber Flugreisen werden», sagt Anja Hergesell, MODUL-Lehrende und Sekretärin einer Plattform für die Förderung von Nachhaltigkeit im Tourismus.

Als Alternative bleibe nur, dass die Reiseziele aufgrund des Klimawandels ihre Attraktivität verlieren. «Auch das wird Reiseveranstalter treffen, denn sie sind von ihren Destinationen abhängig», bemerkt die Tourismusforscherin. Noch kaum beachtet sieht sie den negativen Effekt durch Geschäftsreisen.

Kurze Geschäftsreisen belasten am meisten

«Urlaubsreisen in die Ferne unternimmt man eher selten, doch gerade bei kurzen Geschäftsreisen ist die Umweltbelastung sehr hoch.» Für den Nahbereich sei der Umstieg auf die Bahn die beste Alternative.

«Die Deutsche Bahn hat gute Angebote für Reisen ins Ausland, mit der ÖBB sind jedoch viele Ziele in die Nachbarländer nicht mehr ohne mehrmaliges Umsteigen erreichbar. Irgendwann endet die freiwillige Bereitschaft, solche Nachteile auf sich zu nehmen», gibt Hergesell zu bedenken.

Einsatz regionaler Produkte und Energieformen

Neben dem Transportweg, der den wichtigster Klimafaktor in der Reisebranche darstellt, fällt auch die Gestaltung des Angebotes vor Ort ins Gewicht. «Der Einsatz von Regionalprodukten oder von erneuerbaren Energieformen sind mögliche Massnahmen seitens der Betriebe vor Ort», so Hergesell. Für die Kunden sei es jedoch noch schwierig festzustellen, wie klimafreundlich ihr Hotel oder Reiseanbieter ist.

«Es gibt zu viele Zertifikate mit sehr unterschiedlichen Kriterien. Wenn auch ein Gütesiegel in einer Region hohe Bekanntschaft erreicht, können die Touristen mit ihm oft nichts anfangen.» Die Blume als von der EU propagiertes, einheitliches Gütezeichen habe sich bisher kaum durchgesetzt, so Hergesell.

Gut informiert, wenig getan

Ernüchterung brachte zudem eine aktuelle Untersuchung unter 210 grossen Reiseveranstaltern, die das Wissen über den Klimawandel und die Bereitschaft zu freiwilligen Kompensationszahlungen für den von ihnen verursachten CO2-Ausstoss erhob.

«Über Klimawandel und Kompensationen sind alle Tourismusmanager gut informiert. Doch erst drei Prozent der Befragten haben bisher auch tatsächlich Kompensationen geleistet, indem sie etwa Bäume pflanzten oder erneuerbare Energieprojekte in Ländern des Südens finanzierten», sagt Xavier Matteucci, Mitautor der Studie und ebenfalls Lehrender an der Wiener MODUL University.

Förderung nachhaltiger Reiseangebote

Die ermittelte 50-prozentige generelle Zustimmung zu Massnahmen des Klimaschutzes zeige die hohe Diskrepanz zwischen Einstellung und Verhalten.

Als einzigen Ausweg sieht der Tourismusforscher politische Massnahmen wie strengere Regelungen oder Förderungen für nachhaltige Reiseangebote. «Es muss sich für die Reiseveranstalter finanziell lohnen», betont Matteucci. In Deutschland gäbe es erste Anzeichen für dementsprechendes Bewusstsein in der Politik, meist werde das Thema jedoch nur von NGOs eingebracht.

Die Strategie dürfe jedoch nicht einseitig erfolgen. «Kompensationszahlungen motivieren die Betriebe zwar zur Reduktion ihrer Emissionen, doch es ist besser, ein Umdenken bei den Konsumenten zu erreichen. Das widerspricht allerdings den Interessen der Industrie», so Matteucci abschliessend.

(tri/pte)

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