Jubiläums-Preisverleihung 2012 der W.A. de Vigier Stiftung
publiziert: Montag, 25. Jun 2012 / 16:03 Uhr / aktualisiert: Montag, 25. Jun 2012 / 16:20 Uhr
Christoph Gebald, Climeworks: Der ETH-Ableger hat eine Technologie entwickelt, mit der sich CO2 aus der Luft filtern lässt.
Christoph Gebald, Climeworks: Der ETH-Ableger hat eine Technologie entwickelt, mit der sich CO2 aus der Luft filtern lässt.

Die Solothurner W.A. de Vigier Stiftung hat an sieben Jungunternehmern den mit je 100'000 Franken dotierten Förderpreis vergeben. Den Jubiläumspreis erhielt das Lausanner Biotech-Unternehmen QGel, das Zürcher Clean-Tech-Unternehmen Climeworks bekam den zum ersten Mal gespendeten Preis ehemaliger Preisträger. Alle ausgezeichneten Firmen sowie die Nominees stammen aus dem Förderkreis von venturelab und venture kick.

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Aufgrund des 25-jährigen Bestehens der W.A. de Vigier Stiftung wurden im Vigier-Sommerhaus in Solothurn erstmals sieben Jungunternehmen preisgekrönt. Neben dem Jubiläumspreis, spendeten auch sieben ehemalige Preisträger der W.A. de Vigier Stiftung einen Preis von 100'000 Franken, der an die Cleantech-Spezialisten von Climeworks ging. Nach der vollen Ausbeute bei >>venture>> 2012 stammten auch diesmal alle beteiligten Firmen aus dem Trainings-Programm von venturelab. Dort holten sie sich wertvolles und praktisches Know-how für ihre angehende Jungunternehmerkarrie, das sie zum grossen Teil auch erfolgreich bei der Förderinitiative venture kick einsetzen konnten, um sich bis zu 130'000 Franken Startkapital zu sichern. Die Preisträger 2012 der W.A. de Vigier Stiftung sind:

Jubiläumspreis Individuelle Krebsbehandlung: QGel SA (Lausanne)

Bei 60 Prozent der Patienten wirkt das ihnen verschriebene Medikament nicht. Grund: Hinter einem Krankheitsbild können sich verschiedene genetische oder biochemische Varianten verbergen. Das Lausanner Unternehmen QGel um den venture leaderes Gewinner Colin Sanctuary hat ein Gel weiter entwickelt, in dem Forscher das Wachstum von Tumorzellen beobachten und gezielt beeinflussen können. Für die Beobachtung der Zellen bedient sich das Unternehmen modernster 3D-Mikroskopie und automatischer Bildanalyse. So kann die Wirkung verschiedener Medikamente an hunderttausende von Zellen gleichzeitig untersucht werden. Erste Studien haben gezeigt, dass die QGel-Analyse eine höhere Trefferquote bezüglich der Wirksamkeit eines Medikaments aufweist als die herkömmliche 2-D-Analyse.

Preis der Preisträger Die CO2-Fänger: Climeworks GmbH (Zürich)

Das venturelab-Startup Climeworks hat eine Technologie entwickelt, die das klimaschädliche Kohlendioxid aus der Atmosphäre extrahiert, also die Luft von CO2 reinigt. Mehr noch: Die von dem venture kick Gewinner entwickelte Apparatur kann das gewonnene CO2 wieder nutzbar machen. Aus CO2 und Wasser lässt sich mit Strom das wertvolle Synthesegas herstellen, aus dem man wiederum Treibstoffe machen kann. Ein Liter Synthesetreibstoff könnte einen Liter des zu Neige gehenden Erdöls ersetzen. Die Treibstoffherstellung aus atmosphärischem CO2 hat auch die Jury des von Sir Richard Branson und Al Gore initiierten Klima-Wettbewerbs «Virgin Earth Challenge» beeindruckt: Das Spin-off-Unternehmen der ETH gehört zu den elf Finalisten. Ausserdem wurde das Startup kürzlich in der Wirtschaftswoche, das führende Wirtschaftsmagazin in Deutschland, unter der Rubrik «50 Ideen für eine bessere Welt» vorgestellt.

Online-Tagebuch gegen Schmerzen: Sanovation AG (Rümlang)

Fast ein Fünftel aller Erwachsenen in Europa leidet an chronischen Schmerzen, die Hälfte davon seit mindestens sieben Jahren. Mit ?Catchmypain? der Firma Sanovation AG erhalten diese Patienten nun eine Web-Plattform, auf der sie anonym ihr persönliches Online-Tagebuch führen können. Anhand eines grafisch dargestellten Schmerz- respektive Zufriedenheitsverlaufs, sehen sie dann, welche Medikamente oder Therapien die Leiden linderten oder verstärkten. Mit einer Analyse der anonymen Informationen aus den Tagebüchern will das Jungunternehmen zudem die Erforschung von chronischen Schmerzen vorantreiben. Ziel der siebenköpfigen Firma ist es, eine globale Schmerzdatenbank aufzubauen.

Genauere Diagnose bei Prostatakrebs: ProteoMediX AG (Schlieren)

Zur Früherkennung von Prostatakrebs stützt man sich meist auf den PSA-Test. Ist der PSA-Wert zu hoch, entnimmt man eine Gewebeprobe aus der Prostata. Dieser Eingriff ist unangenehm - und für die Mehrheit der Männer nicht nötig. In drei von vier Fällen erweist sich der Krebsverdacht nämlich als falsch. Der PSA-Test ist deshalb selbst unter Medizinern umstritten. ProteoMediX, venture kick Gewinner von 2010, will einen Test auf den Markt bringen, der die hohe Rate an Fehldiagnosen und damit unnötige Biopsien reduziert. In einer ersten Studie lag die Trefferquote des neuen Tests bei 80 Prozent. Die Studie, die im renommierten amerikanischen Wissenschaftsjournal PNAS veröffentlicht wurde, sorgte bei Fachleuten für grosses Aufsehen.

Ein Schutzengel-App für Bergsportler: Uepaa(!!) Swiss Alpine Technology AG (Zürich)

Freizeitsport in den Bergen boomt. In der Schweiz verunfallen allein fast 9 000 Wanderer jedes Jahr. Uepaa(!!) Swiss Alpine Technology tüftelt an einer Notruf-Applikation für die Handys der Alpengänger. Die Applikation geht weit über die Möglichkeiten moderner Handys hinaus: Sie sucht auch dann Hilfe, wenn der Handynutzer - zum Beispiel nach einem Sturz - bewusstlos ist. Und sie kann den Notruf auch ausserhalb des Handynetzes absetzen. Ziel der Applikation ist es, die Rettung zu beschleunigen. Erste Tests im Schnee haben zudem gezeigt, dass sich Smartphones gut zur Ortung - beispielsweise von Verschütteten in einer Lawine - eignen. Das Jungunternehmen hat bereits die Rettungsflugwacht (Rega) als ersten wichtigen Partner auf seiner Seite.

Ein rein synthetischer Impfstoff: Virometix AG (Zürich)

Die Wirksamkeit der Impfung gegen die durch Pneumokokken ausgelösten Krankheiten wie Lungenentzündung, Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung nimmt rapide ab. Grund: Die Impfstoffe, die aus isolierten Bestandteilen des Bakteriums bestehen, decken nur einen kleinen Teil der rund 90 Pneumokokken-Unterarten ab. Die Biotech-Firma Virometix um venture leaders Gewinnerin 2010 Nina Geib nutzt eine ganz neue Technologie, mittels der sie einen rein synthetischen Impfstoff auf den Markt bringen will, der gegen alle Unterarten wirkt und erst noch ohne Nebenwirkung ist. Neben dem Impfstoff gegen Pneumokokken-Bakterien arbeitet das Unternehmen auch an der Entwicklung eines synthetischen Impfstoffs gegen virale Infektionskrankheiten.

Kürzere Wartezeit dank Zählsensor: Xovis AG (Bern)

Das venturelab-Startup Xovis hat einen Personenzählsensor entwickelt, der betriebliche Abläufe optimieren hilft: Er analysiert Bewegungen und rechnet Wartezeiten aus. Der Sensor basiert auf Videoaufnahmen, übermittelt aber nur anonyme Zähldaten. Der Flughafen Zürich hat bereits 65 Sensoren im neuen Sicherheitskontrollgebäude installiert. Sie messen die Auslastung vor den Sicherheitskontrollen, rote und grüne Ampeln leiten aufgrund der Daten die Passagiere. Auch deutsche Flughäfen sind interessiert. Der Flughafen München hat sich ebenfalls für die Sensoren von Xovis entschieden, um Wartezeiten zu messen und den Passagierfluss zu optimieren. Der Sensor eignet sich für alle Orte, wo Leute warten müssen: Bahnhöfe, Museen oder Messen.

Ebenso gab es für den Förderpreis 2012 drei Nominees: Leichte Ski aus Naturfasern: Bcomp (Fribourg)

Der Kern eines Skis oder eines Snowboards besteht heute meistens aus Kunststoff, aus Holz oder aus einer Mischung von beidem. Das Freiburger Unternehmen Bcomp, ebenso venture leaders und venture kick Gewinner, hat dafür einen Verbundwerkstoff aus Pflanzenfasern entwickelt. Die Skier sind damit bis zu 30 Prozent leichter. Der Einstieg in den Sportartikelmarkt ist Bcomp bereits gelungen. Skihersteller testen Skier mit dem neuen Material. Schon im Winter werden Bretter auf den Markt kommen, deren Kern der Marke Bcomp ist.

KB Medical (Lausanne)

Die Zahl der Operationen an der Wirbelsäule nimmt stark zu, ist aber wegen des Nervensystems ein heikles Unterfangen. Die Operation erfordert absolute Präzision. Das EPFL-Spin-off und venturelab-Startup hat einen Operationsroboter entwickelt, mit dem der Chirurg die Wirbelsäulenschrauben präzise dorthin setzen kann, wo sie hin muss. Den Roboter «Neuroglide» wurde bereits an Leichen getestet. Resultat: Der Roboter arbeitete bis zu fünf Mal präziser als der Chirurg.

Ein Spiel bricht Tabus: Taboobreaker (Winterthur)

«Play to break taboos!», fordert Taboobreaker. Die Start-up-Firma in Winterthur entwickelt Lehrmittel für Jugendliche, die auf spielerische Art das Gespräch über sensible Themen wie Sexualität oder Aids anregen. Zum Beispiel mit «Loveland». Das Spiel mit Gleichaltrigen, das sich auch gut für andere Länder eignet, fördere das Gespräch über jene Themen, welche die Jugendlichen ungern mit ihren Eltern besprechen, ist Firmengründerin Karin Stierlin überzeugt, die bei venturelab die Intensiv-Kurse venture plan und venture training besucht hat.

(th/IFJ)

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