Japaner laufen Sturm gegen Atomkraft
publiziert: Montag, 16. Jul 2012 / 10:42 Uhr / aktualisiert: Montag, 16. Jul 2012 / 19:28 Uhr
Ungeachtet aller Proteste wollen die Betreiber die Reaktoren aber schrittweise wieder in Betrieb nehmen.
Ungeachtet aller Proteste wollen die Betreiber die Reaktoren aber schrittweise wieder in Betrieb nehmen.

Tokio - Mehrere zehntausend Menschen haben am Montag in Tokio für ein Ende der Atomenergie in Japan demonstriert. Anlass waren Pläne der Regierung, gut ein Jahr nach dem Unglück von Fukushima noch in dieser Woche einen zweiten Reaktor wieder ans Netz zu bringen.

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Angeführt wurde die Kundgebung im Yoyogi-Park in Tokio von Literaturnobelpreisträger Kenzaburo Oe und Popstar Ryuichi Sakamoto. Nach Angaben der Veranstalter nahmen bis zu 200'000 Menschen an den Protesten teil. Die Organisatoren hatten lediglich mit 100'000 Teilnehmern gerechnet. Die Polizei machte zunächst keine Angaben zur Teilnehmerzahl.

"Wir brauchen keine Atomenergie! Gebt uns die Region Fukushima zurück!", riefen die Demonstranten, die aus allen Regionen des Landes in die Hauptstadt gereist waren. "Ich will meinen Kindern und Enkeln ein sauberes Japan hinterlassen", sagte eine Frau. "Leben ist wichtiger als Geld", sagte Popstar Sakamoto. "Nach Fukushima zu schweigen ist barbarisch."

Anti-Atom-Demonstrationen haben in Japan in den vergangenen Monaten zugenommen. Nach der Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima im März 2011 hatten die Behörden alle 50 Atomreaktoren für eine Sicherheitsüberprüfung abgeschaltet. Im Juni war der erste Reaktor im Kraftwerk Ohi wieder angelaufen. In den kommenden Tagen soll dort ein zweiter Reaktor wieder ans Netz gehen.

Ministerpräsident Yoshihiko Noda begründete den Schritt damit, dass Atomkraft notwendig sei, um Energiesicherheit zu garantieren. Kritiker hingegen verweisen darauf, dass Japan länger als ein Jahr auch ohne Atomkraft gut ausgekommen sei.

Weitere Aufklärung gefordert

Die Demonstranten zeigten auch ihren Unmut über den Bericht einer parlamentarischen Untersuchungskommission. Laut dem Bericht ist das Unglück von Fukushima auf das japanische Prinzip von Gehorsam zurückzuführen und nicht auf individuelle Fehler.

Literaturnobelpreisträger Oe forderte, Personen wie den Präsidenten des Kraftwerkbetreibers zur Verantwortung zu ziehen. Das Unglück von Fukushima durch die japanische Kultur zu begründen, sei eine faule Ausrede, sagte Oe.

(fest/sda)

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