Japan im Strudel der globalen Finanzkrise
publiziert: Freitag, 10. Okt 2008 / 13:27 Uhr / aktualisiert: Freitag, 10. Okt 2008 / 14:31 Uhr

Tokio - Händler in Tokio kennen noch ein Wort: Horror. Eine panikartige Flucht ausländischer Anleger hat der Börse am Freitag den grössten prozentualen Tagesverlust seit dem Crash am «Schwarzen Montag» im Oktober 1987 beschert.

Der Nikkei-Index schloss um 9,62 Prozent tiefer.
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Um 9,62 Prozent stürzte der vor allem aus Titeln der Elektronikbranche zusammengesetzte Nikkei-Index ab und schloss beim tiefsten Stand seit fast fünfeinhalb Jahren von 8276,43 Punkten.

Export-Firmen unter Druck

Hinter den Panikverkäufen an der Börse, wo der Nikkei in den vergangenen sieben Handelstagen um rund 27 Prozent abgesackt ist, steht die Angst, dass sich die Finanzkrise zu einer globalen Krise mit verheerenden Folgen für die Realwirtschaft auswächst.

Vor allem Japans Exportwirtschaft bekommt nun die Folgen zu spüren. So leidet der führende Autobauer Toyota unter der sinkenden Nachfrage in den USA und Europa und muss wohl seine Ertragsprognose fürs laufende Geschäftsjahr deutlich senken.

Rezession wahrscheinlich

Ökonomen von Nomura Securities revidierten am Freitag angesichts der gewaltigen Probleme der Finanzinstitute in den USA und Europa sowie der Börseneinbrüche ihre Prognosen sowohl für Japan als auch die USA und Europa nach unten.

Es könne sein, dass alle drei Regionen schon in einer Rezession steckten. Mit einer «moderaten Stabilität» sei erst in der zweiten Hälfte 2009 zu rechnen, mit einer echten Erholung nicht vor 2010.

Derweil denkt die Regierung der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt über ein weiteres Notprogramm zur Ankurbelung der Konjunktur nach.

Angst vor Ausweitung

Noch scheint die Lage jedoch nicht ganz so schlimm wie die Börsencrashs es vermuten lassen. So ist es um China, das für Japan inzwischen zum grössten Handelspartner vor den USA geworden ist, nach Einschätzung von Experten noch relativ gut bestellt.

Doch was, wenn die Krise nach den USA und Europa auch Asien voll erfasst? Gerade die schnell aufstrebenden Wachstumsländer sind auf einen ungehinderten Finanzfluss angewiesen.

Wenn Asien, das für Japan zum wichtigsten Exportmarkt und Produktionsstandort geworden ist, in die Knie geht, wäre das für Japan der eigentliche Horror.

Pleiten häufen sich

Dass Japan, das sich bislang weitgehend verschont von den Folgen der US-Hypothekenkrise glaubte, nun immer tiefer in den Strudel gerissen wird, zeigt der Untergang des ersten Immobilien-Trustfonds (REIT) New City Residence Investment.

Viele Marktteilnehmer sind geschockt, weil gerade die gelisteten REITs in den vergangenen Jahren stark zugelegt hatten und nicht nur von Einzelanlegern, sondern auch vielen Finanzinstituten gehalten werden.

Hinzu kommt der Untergang des mittelgrossen Lebensversicherers Yamato Life Insurance. Die fast hundert Jahre alte Yamato musste am Freitag mit Schulden von 269,5 Mrd. Yen (3,03 Mrd. Fr.) Gläubigerschutz beantragen. Es ist der erste Zusammenbruch in Japans Versicherungsbranche seit sieben Jahren und zugleich die erste Pleite eines Finanzinstituts in direkter Folge der globalen Krise.

Regierungsvertreter bezeichneten die Pleite von Yamato Life unter Verweis auf deren äusserst riskantes Geschäftsmodell zwar als Einzelfall. Doch Ökonomen schliessen weitere Zusammenbrüche nicht aus.

Letzten Monat stieg die Zahl der Pleiten in Japan um 34 Prozent, so stark wie seit acht Jahren nicht mehr. Wegen der globalen Krise, aber auch wegen der eigenen Erfahrungen des vergangenen Jahrzehnts halten sich die Banken mit Krediten an Unternehmen zurück.

So kam es jüngst zu einer ganzen Serie an Pleiten im japanischen Immobiliensektor. Dies wiederum trifft die Regionalbanken, von denen einige schon wanken sollen.

Zum Schleuderpreis

Die Frage, wie tief die Marktbewertungen der Unternehmen Japans noch fallen, bevor sich der Einstieg wieder lohnt, vermag derzeit niemand zu beantworten.

Als Folge der Wertvernichtung an der Aktienbörse sind die japanischen Unternehmen trotz eines Jahrzehnts an Reformen und Restrukturierungen und trotz ihrer enormen Bargeldbestände inzwischen regelrecht zu Schleuderpreisen zu haben.

Doch nach Einschätzung von Experten wird diese Situation genauso wenig anhalten wie es die Höhenflüge einer Finanzmarktblase tun.

(tri/sda)

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