Hungerkrise: «Steigerung des Angebots nötig»
publiziert: Samstag, 17. Mai 2008 / 15:34 Uhr / aktualisiert: Samstag, 17. Mai 2008 / 23:20 Uhr

St. Gallen - Die Nahrungsmittelkrise ist eine globale Herausforderung. Am St. Gallen Symposium forderten Experten Nahrungsmittelprogramme für die Ärmsten und einen Stopp der Subventionen für biologische Treibstoffe.

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Der südafrikanische Finanzspezialist und ehemalige Gewerkschafter Leslie Maasdorp.
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«Die Nahrungsmittelkrise ist eine der grössten Herausforderungen aller Zeiten. Doch die Krise ist auch eine Chance zu Veränderungen», sagte Leslie Maasdorp von der britischen Barclays Capital am Samstag in einer Diskussion zum Thema «Die Nahrungsmittelkrise - haben die globalen Märkte versagt?».

Ursache der Nahrungsmittelkrise seien fünf Faktoren: die wachsende Nachfrage, die Produktion von Bio-Treibstoff aus Nahrungsmitteln, hohe Energiepreise, die Klimaveränderung und Spekulationen auf den Rohstoffmärkten, erklärte der Vize von Barclays Capital.

Angebot im Fokus

Da man den Hauptfaktor - die steigende Nachfrage - nicht beinflussen könne, müsse man beim Angebot ansetzen. Es brauche ein gemeinsames Engagement aller Länder und ein dramatische Steigerung des Angebots. sagte der Finanzspezialist.

Die Preise dürften nach Ansicht von Maasdorp weiter auf hohem Niveau verharren. Staatliche Preisschranken für Lebensmittel seien aber das falsche Rezept. Dies ginge zu Lasten der Konsumenten, so der einstige Berater des südafrikanischen Arbeitsministers Tito Mboweni.

Keine Subventionen für Biotreibstoff

Weltweit müsse in die Landwirtschaft investiert werden, sagte Maasdorp. Es brauche Forschungsprogramme zur nachhaltigen Steigerung der Produktion. Die Subventionen für biologische Treibstoffe müssten gestoppt werden. Ausserdem sollten Handelsbarrieren für landwirtschaftliche Produkte eliminiert werden.

Kurzfristig brauche es Ernährungsprogramme und handelspolitische Interventionen, damit die Armen der Welt nicht verhungerten.

Biotreibstoff der 2. Generation

Biotreibstoffe der 2 Generation könnten dagegen eine Chance darstellen, wenn diese Nahrungsmittel nicht konkurrenzieren, sagte Maasdorp gegenüber news.ch nach der Rede.

Die Forschung auf diesem Gebiet müsse weitergeführt und generell im Agrarsektor verstärkt werden.

Kein Quotenknüller

Riz Khan, Moderator des arabischen Fernsehsenders Al Jazeera, forderte die Medien auf, mehr über die weltweiten Zusammenhänge zu informieren. Die Nahrungsmittelkrise existiere.

Sie sei kein Quotenknüller, sondern eine Katastrophe, von der momentan 36 Länder betroffen seien.

(Harald Tappeiner/news.ch mit Agenturen)

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