Hohe Ölpreise drücken das Wirtschaftswachstum
publiziert: Donnerstag, 13. Okt 2005 / 15:35 Uhr

Zürich - Die Schweizer Wirtschaft hat bisher dem hohen Ölpreis getrotzt. Doch in den nächsten Monaten wird vor allem der Konsum darunter leiden.

Die hohen Ölpreise schmälern den Konsum, sagen Ökonomen.
Die hohen Ölpreise schmälern den Konsum, sagen Ökonomen.
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Die Ökonomen der Privatbank Julius Bär sehen deshalb dem Jahr 2006 etwas weniger optimistisch entgegen. Trotz einer «Kaskade von Ölschocks» seit Herbst 2004 und einem wenig dynamischen Umfeld in Europa konnte die Konjunkturdelle des Spätherbstes 2004 im ersten Halbjahr 2005 überwunden werden. Das dritte Quartal habe sich zum bisher stärksten dieses Jahres entwickelt, teilte die Bank an einer Medienkonferenz in Zürich mit.

Julius Bär blickt dem Jahresende wieder optimistischer entgegen: Die Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) 2005 hat sie von 0,7 Prozent auf 1,1 Prozent erhöht. Die aktuelle Konjunkturerholung sei vor allem auf die Exporte zurückzuführen.

Aber auch die vermeintliche Konsumschwäche im Sommer habe sich in ein Plus der Detailhandelsumsätze im Juli von 1,6 Prozent und in eine Zunahme der Konsumgüterimporte im August von 7,3 Prozent gewendet.

Öl-Effekte kommen verzögert

«>Die Öl-Effekte haben noch nicht richtig eingeschlagen», sagte Janwillem Acket, Chefökonom der Bank Julius Bär. Das BIP werde deshalb im nächsten Jahr nicht, wie bisher geschätzt, um 1,6 Prozent wachsen, sondern nur um 1,4 Prozent. 2007 werde dann das Wachstum leicht auf 1,5 Prozent steigen.

Die höheren Energiepreise bekommen in den nächsten Monaten - die Heizperiode steht vor der Tür - vor allem die Konsumenten zu spüren.

Und die Lage am Ölmarkt bleibt vorderhand sehr fragil. Die steigende Nachfrage, vor allem aus den aufstrebenden Ländern Asiens, nähert sich immer mehr dem Angebot an. Dies mache den Markt immer störungsanfälliger.

Begrenzte Kapazitäten das Hauptproblem

Hauptproblem seien nicht die Erdöl-fördernden Länder, sondern die begrenzten Kapazitäten der Raffinerien, um aus Schweröl Heizöl oder Benzin herzustellen. Die Opec selbst habe kein Interesse an hohen Ölpreisen, weil dadurch die Öl-Substitution gefördert werde und die Opec an Macht verliere, führte Acket aus.

Die Schweiz werde aber auch längerfristig die Wachstumsmarke von 1,5 Prozent nicht überschreiten können. Der Privatkonsum soll im nächsten Jahr nur noch um 0,8 Prozent zulegen, gegenüber 1,3 Prozent in diesem Jahr.

Die Arbeitslosenquote erwartet Acket im nächsten Jahr bei 3,8 Prozent, die Beschäftigung werde nur minim um 0,1 Prozent steigen. Die Teuerung bleibe tief, trotz hoher Ölpreise.

(ht/sda)

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