Forschungszentrum in Genf
Grünes Licht für «Campus Biotech»
publiziert: Mittwoch, 22. Mai 2013 / 19:58 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 22. Mai 2013 / 20:16 Uhr
Der Genfer Milliardär Ernesto Bertarelli. (Archivbild)
Der Genfer Milliardär Ernesto Bertarelli. (Archivbild)

Bern - Ab dem 1. Juli wird auf dem ehemaligen Areal von Merck Serono in Genf ein Forschungs- und Technologiezentrum entstehen. Der Verkauf des Gebäudekomplexes an den Genfer Milliardär Ernesto Bertarelli und den Berner Unternehmer Hansjörg Wyss ist unter Dach und Fach.

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Die ETH Lausanne (EPFL) und die Universität Genf werden eng ins Projekt «Campus Biotech» eingebunden.

Fast auf den Tag genau dreizehn Monate nach der Ankündigung der Schliessung des Areals und der Streichung sowie Verlagerung von 1250 Arbeitsplätzen sei am Dienstagabend ein «vollkommen zufriedenstellendes Abkommen» mit Merck Serono geschlossen worden, sagte Ernesto Bertarelli am Mittwoch vor den Medien in Bern.

Der frühere Serono-Chef sprach im Namen der Campus Biotech GmbH, die von der Wyss-Stiftung und der Familie Bertarelli gegründet wurde.

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Bertarelli sagte aber, dass seine guten Verbindungen zu Merck Serono das Projekt auf Kurs gehalten hätten. Auch das deutsche Chemie- und Pharmaunternehmen teilte mit, dass der Verkaufspreis nicht öffentlich gemacht werde. Campus Biotech hatte sein Kaufangebot im Dezember gemacht.

Alle Gebäude auf dem Gelände Sécheron, insgesamt 40'000 Quadratmeter, werden am 28. Juni an das Konsortium übergehen. Dieses besteht aus dem Campus Biotech, der EPFL und der Universität Genf. Das künftige Zentrum soll sich der Forschung in den Bereichen Gesundheit, Biotechnologie und Life Sciences widmen.

Wie in Harvard

Die EPFL wird von der Wyss-Stiftung eine Spende in Höhe von 100 Millionen Franken erhalten. Mit dieser soll in Zusammenarbeit mit der Uni Genf innert sechs Jahren ein Wyss-Institut gegründet werden, welches auf denselben Prinzipien basiert wie das gleichnamige Institut für biologisch inspiriertes Engineering an der Harvard-Universität bei Boston.

Am Institut sollen künftig 120 bis 150 Leute tätig sein. Sie sollen biologisch inspirierte Methoden zur Lösung bedeutender medizinischer Probleme erarbeiten. Schliesslich sollen die entsprechenden Technologien in Produkten umgesetzt werden.

Die Spende erlaube es der EPFL, sich auf diesem Gebiet weiter zu etablieren. «Wir hoffen auf unbestimmte Zeit», sagte Bertarelli. Darüber hinaus wird die Bertarelli-Stiftung zu den bestehenden zwei Lehrstühlen an der EPFL zwei weitere schaffen.

Die EPFL und die Uni Genf werden rund 15'000 Quadratmeter des Sécheron-Geländes beanspruchen. Die eine Hälfte dieser Fläche wird vom Wyss-Institut genutzt, die andere von Forschungsgruppen der beiden Hochschulen. Die restlichen 25'000 Quadratmeter möchte Campus Biotech an Start-ups und andere Gesellschaften vermieten.

Labors schon bald in Betrieb

Das Gelände eigne sich wunderbar für dieses Projekt, weil das neuralgische Zentrum aus Labors bestehe, hielt Bertarelli weiter fest. Er hatte den Komplex vor dem Verkauf im Jahr 2006 entworfen.

Die Labors sind bereits ab dem 1. Juli bezugsbereit. «Wir freuen uns sehr», sagte EPFL-Präsident Patrick Aebischer. Dieses Projekt stelle eine einmalige Gelegenheit dar, um Forschung und Entwicklung in der Biotechnologie im Raum Genf entscheidend auszuweiten - vor allem in der Krebsforschung.

Und der Rektor der Universität Genf, Jean?Dominique Vassalli, ergänzte: «Dieses Projekt schafft eine fantastische Gelegenheit zu einer engen Zusammenarbeit unserer beiden Hochschulen im Bereich der angewandten biomedizinischen Forschung.»

Berner und Genfer Unterstützung

Der Campus werde neuen Schwung in die Biotechnologie-Branche in der Genferseeregion bringen, sagte der Genfer Regierungspräsident Charles Beer. Vor dreizehn Monaten hätten sie sich keine derartige Entwicklung vorstellen können.

Auch der Bund unterstützt das Projekt. «Campus Biotech» sei eine grosse Chance für die ganze Schweiz, sowohl in Bezug auf die Forschung als auch auf den Arbeitsmarkt, sagte Bundesrat Johann Schneider-Ammann. Bern werde sich aber nicht finanziell daran beteiligen.

(bert/sda)

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