Grosse Unternehmer – grosse Geschichten
publiziert: Mittwoch, 25. Aug 2010 / 13:20 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 25. Aug 2010 / 15:09 Uhr

Auch bekannte Schweizer Unternehmen wie Nestlé, Bally oder Lindt & Sprüngli haben ganz im Kleinen angefangen. In seinem Buch «Patriarchen» erzählt Bestsellerautor Alex Capus die Gründungsgeschichten von zehn Urgesteinen der Schweizer Unternehmerlandschaft – ein Lesetipp.

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Lesetipp: Alex Capus, 10 Patriarchen
Lesetipp: Alex Capus, 10 Patriarchen
Wie erfand Julius Maggi den Suppenwürfel? Was führte zur Gründung von Bally und wo entdeckte Rudolf Lindt das Rezept für seine Schmelzschokoloade? Kurzweilig und mit viel Humor erzählt Alex Capus erfolgreiche Gründungsgeschichten. Zwei Porträts kurz angerissen:

Lindt: von Legenden umrankt

Seit 1528 kannten die vornehmen Häuser Europas die Kakaobohnen. Zu den Anfangszeiten zerstiessen die fliegenden Chocolatiers die Bohnen in Mörser und gaben groben braunen Zucker zu. Ihr Produkt hatte wenig mit dem zu tun, was wir heute unter Schokolade verstehen. Es war bitter und bröckelig. Erst 1879 entdeckte Rudolf Lindt in Bern das Geheimnis seiner Schmelzschokolade. Wie das genau geschah, ist von Legenden umrankt. Alex Capus schreibt: «Manche behaupten, Lindt hätte monatelang getüftelt, andere sagen, er habe an einem Freitag einfach seine vom Wasserrad betriebene Rührmaschine abzustellen vergessen.»

Ein simples Erfolgsrezept

So oder so, das Erfolgsrezept war ein simples: Lindt rührte seine Schokolade viel länger als die Konkurrenz. Seine «Chocolat fondant» wurde ihm weltweit förmlich zu den Händen aus gerissen. Ein Unternehmer der Tat wurde Lindt dadurch allerdings nicht. Er überliess die Promotion anderen, verkaufte schliesslich sein Produktionsgeheimnis an den Zürcher Sprüngli, mit dem er anschliessend einen zweiundzwanzigjährigen Rechtsstreit ausfocht. 1909, wenige Tage nach der Urteilseröffnung, die Lindt der Übertretung von Konkurrenzklauseln verantwortlich machte, starb er im Alter von 53 Jahren.

Bally: eine Marktlücke entdeckt

In einem seiner hinterlassenen Tagebücher schrieb Carl Franz Bally nach einer Pariser Geschäftsreise: «Der Umstand, dass ich meiner Frau ein Paar Bottinen versprochen, für welche ich kein Mass mitgenommen, veranlasste meinen Einkäufer, mich ins Magazin einer Schuhfabrik zu führen, um ein ganzes Dutzend Paar zu kaufen.» In diesem Moment entdeckte Bally eine Marktlücke. Bis zu diesem Zeitpunkt war nämlich noch niemand auf die Idee gekommen, Schuhwerk industriell zu produzieren. Obwohl Bally über keinerlei Kenntnisse im Schusterhandwerk verfügte, machte er sich mutig an die Arbeit. Erste Rückschläge liessen nicht lange auf sich warten.

Grobes Schuhwerk für Südamerika

Sein erstes Sortiment stellte sich als qualitativ mangelhaft heraus und zu eng im Zuschnitt. Die Ware wollte keiner kaufen. Kein Grund für Bally aufzugeben. Sobald er einen Rappen übrig hatte, investierte er diesen in Werkzeug und Personal. Der Durchbruch kam 1857: Ein deutscher Händler suchte grobes Schuhwerk für Pflanzer und Kolonisten in Südamerika. Das Geschäft entwickelte sich explosionsartig. Grosse Innovationen folgten, so zum Beispiel 1870, als Bally’s Sohn die Produktion in Schönenwerd von Hand auf Maschinenarbeit umstellte. Die Erneuerungen führten dazu, dass 1880 die Bally-Schuhe aufgrund ihrer Qualität und ihres Designs weltweit berühmt wurden. Die erneuten Probleme 1907, als die Fabrikarbeiter wegen verweigerter Lohnerhöhungen streikten, bekam Bally Senior nicht mehr mit. Acht Jahre zuvor war er in geistiger Umnachtung verstorben.

Le Coultre, Nestlé, Leu und Hoffmann-La Roche

Neben dem Werdegang von Lindt und Bally erzählt Alex Capus in seinem Buch die Geschichten von Julius Maggi, Antoine Le Coultre, Henri Nestlé, Johann Jacob Leu, Fritz Hoffmann-La Roche, Walter Gerber, Emil Bührle sowie Charles Brown und Walter Boveri, alles motivierende Porträts, die aufzeigen, dass das Unmögliche möglich gemacht werden kann.

(es/venturelab)

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